Beeinträchtigen eZigaretten die Raumluftqualität?

Beeinträchtigen eZigaretten die Raumluft?

Beeinträchtigen eZigaretten tatsächlich die Raumluftqualität?

Die Frage des passiven Dampfens wird entscheidend sein für eine allgemeine soziale Akzeptanz elektronischer Zigaretten – denn die gesundheitlichen Schäden, die durch die Inhalation von Tabakverbrennungsprodukten auch bei denjenigen entstehen kann, die gar nicht selber rauchen, sind immens.

Wie auch im Fall des Dampfens gebundenen Nikotins, sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet noch sehr beschränkt. Belastbare Langzeitstudien liegen aufgrund der Kürze, mit der eZigaretten auf dem Markt sind, noch gar nicht vor.Dies gilt nicht nur für die direkten Konsequenzen „passiven Dampfens“ (falls man von einem derartigen Phänomen überhaupt wird sprechen können) auf den Organismus von Kindern und Erwachsenen. Eine weitere, entscheidende Frage ist auch die Beeinflussung der Raumqualität durch aktives Dampfen. Sollte sich herausstellen, dass diese sich nicht signifikant verschlechtert, würde dies enorme Konsequenzen für die Erlaubnis zum Dampfen in allen geschlossenen Räumen einschließlich der Gastronomie, Unternehmen und Veranstaltungsorten haben. Damit würde der Markt für eCigarettes nochmals deutlich erweitert werden können – indem etwa Zigarettenraucher nicht grundsätzlich aufs Dampfen umsteigen, dieses aber als gesellschaftlich akzeptable Alternative nutzen, wenn sie sich in geschlossenen Räumen bewegen.

Aufgrund dieser beiden Aspekte verdienen natürlich alle diesbezüglichen Beobachtungen und Rückschlüsse, die auch aus nur halbwegs wissenschaftlichen oder akademischen Quellen kommen, besondere Aufmerksamkeit.

Im Dezember 2013 hat ein deutsches Forscherteam in der Online-Version des renommierten Wissenschaftsmagazin „International Journal of Hygiene and Environmental Health“ ein entsprechendes, scheinbar wissenschaftlich fundiertes Studienergebnis publiziert. Es betrifft die Menge an in der Raumluft vorhandenen Chemikalien, die im Beisein von Dampfern innerhalb geschlossener Räume gemessen werden können. Mit anderen Worten: Das Forscherteam hat versucht, die Frage nach einer möglichen Verschlechterung der Raumluftqualität durch elektronische Zigaretten anhand eines „realistischen Szenarios“ zu beantworten. (Quelle: Schober W, et al. Use of electronic cigarettes [e-cigarettes] impairs indoor air quality and increase FeNO levels of e-cigarette consumers. International Journal of Hygiene and Environmental Health 2013; doie: 10.1016/j.ijheh.2013.11.003.)

Die Testumgebung

Dieses Szenario sah aus wie folgt. In einem mit einer moderaten Klimaanlage (0,56 Luftwechsel in der Stunde) ausgestatteten Büroraum von 45 qm Größe dampften insgesamt neun Menschen eZigaretten – und zwar vier verschiedene Liquids, zwei mit Nikotin und zwei ohne. Am ersten, dampffreien Tag sowie an den Tagen zwei bis fünf analysierten die Forscher die Anzahl der in der Luft befindlichen Schadstoffe. In Kürze zusammengefasst, ergaben die Ergebnisse folgendes:

Die Innenraum-Konzentration von CO und CO2 ergab keinen Unterschied zwischen Dampf- und Nicht-Dampf-Intervallen. Die Formaldehyd-, Benzol-, Akrolein- und Azeton-Sättigung überstieg die Hintegrundkonzentration nicht. Es war kein signifikanter Anstieg der giftigen und potenziell krebserregenden Stoffen Kadmium, Arsen und Thallium messbar. Kein Metall außer Aluminium konnte in erhöhter Konzentration nachgewiesen werden; die Aluminiumkonzentration stieg um das 2,4-fache an. Die sieben als möglicherweise krebserregend klassifizierten, polycyclischen Aromate (PAH) wie u.a. Anthracen, Benzo(a)fluoren, Benzo(a)pyren, Phenanthren, Pyren erhöhten sich um durchschnittlich 20%.

Auch wenn die Studie nur eine begrenzte Anzahl an Liquids und Verdampfern ausprobierte, scheinen die Ergebnisse doch zu zeigen, dass passives Dampfen und der Aufenthalt von Dampfern in Innenräumen nicht mit einem substanziellen Gesundheitsrisiko verbunden sind. Zuvor hatten Kritiker vor allem vor einem möglichen, hohen Anstieg der krebserregenden und giftigen Stoffe Formaldehy, Akrolein und Azeton gewarnt. Ein entsprechender Schadstoffanstieg konnte jedoch weder für diese noch für andere Stoffe nachgewiesen werden, mit der Ausnahme von Aluminium und den PAHs.

Das Ergebnis

Die Forscher selbst kamen basierend auf den letzteren Werten zu dem Ergebnis, dass elektronische Zigaretten „nicht emissionsfrei“ sein – wie sie es zweimal deutlich betonen. Dasselbe lässt sich allerdings auch von Menschen sagen, die schließlich eine ziemlich bedeutende Menge an CO2 durch ihren Atem ausstoßen. Ein auf dem Passiv-Dampfen aufbauendes Verbot oder auch nur eine diesbezügliche von Regierungsseite kommende Einschränkung ist auf der Basis dieser Studie jedenfalls nicht zu rechtfertigen. Insofern wäre die wahrscheinlich logische Reaktion auf die analytischen Ergebnisse, sich über die relativ niedrige Belastung anderer durch das Dampfen zu freuen.

Nichts lag allerdings dem Forscherteam ferner (das sich über seine Studienfinanzierung nicht auslässt). Im Gegenteil gab es an, dass das resultierende Datenmaterial „bestätigt“, dass die Schadstoffe von eZigaretten eine Gesundheitsbeeinträchtigung von second-hand Rauchern darstellen „könnten“. Im speziellen beziehen die Wissenschaftler sich auf ultra-feine Partikel von hochgesättigtem 1,2-Propandiol (PDO), die sich in der Lunge absetzen „können“ und auf vernebeltes Nikotin, das „in der Lage zu sein scheint“, die Freisetzung des entzündungsverursachenden NO-Moleküls zu erhöhen. Das klingt ziemlich nach dem Versuch, vor dem Experiment bereits bestehende Wunschergebnisse zu bestätigen, trotz des mageren Beweismaterials. So endet der Artikel auch mit der Empfehlung, zum Verbraucherschutz eZigaretten und Nikotinliquids offiziell zu regulieren und mit den entsprechenden Warnungen hinsichtlich der potenziellen Gesundheitsrisiken zu etikettieren – was in den letzteren Fällen ja sowieso meist freiwillig geschieht.

Gegendarstellung

Diese offensichtliche Abwesenheit wissenschaftlicher Neutralität hat auch den Mediziner und Dampf-Aktivisten Dr. Farsalinos auf den Plan gerufen. Er hat dem Herausgeber des Magazins einen entsprechenden Brief geschrieben, der eben dort am 03. März veröffentlicht wurde. Dort mahnte er diverse Faktoren an, die die Qualität der Studie offensichtlich beeinträchtigen können (und vielleicht auch haben). So wurde die Ausgangs-Raumluftqualität nicht am selben Tag wie das Dampfexperiment, sondern an einem anderen gemessen und keine Auskünfte über andere raumluftbedingende Parameter gemacht. Die Vergleichswerte vor allem der PAHs sind aber sowieso tages- und umgebungsabhängig sehr variabel und somit leicht verfälschbar. Es folgt noch eine weitere, längere Liste an offensichtlichen Auslassungen und Paradoxien (Quelle: ecigarette-research.com). Die Autoren der Studie antworteten prompt, konnten aber keine wirklich schlüssigen Antworten auf Dr. Farsalinos Anfragen zur Verfügung stellen.

Wer finanzierte die Studie?

Uns hat über die rein wissenschaftlichen Lücken heraus interessiert, welchen akademischen Institutionen die Autoren der Studie eigentlich angehören. Hier ist das Ergebnis:

Fünf der Autoren arbeiten für das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, einer für das Bayerische Landesamt für Umwelt, zwei an akademisch-medizinischen Instituten für Arbeitsmedizin. Da das LGL online für 2012 ein Forschungsprojekt zur Exposition gegenüber E-Zigaretten angekündigt hat, ist davon auszugehen, dass dieses sowie die vorliegende Studie mit Regierungsmitteln finanziert wurde. Ob und inwieweit dies Einfluss auf den Experiment-Aufbau und die Ergebnisse gehabt hat, wäre an dieser Stelle reine Spekulation. Allerdings würden wir uns von einer staatlichen Stelle, die offenkundig an der Minimierung von Passivrauchen und Nikotinabhängigkeit und damit an der neutralen Einschätzung von Alternativprodukten sehr interessiert sein sollte, mehr Ausgewogenheit in der Beurteilung der Forschungsergebnisse wünschen.

Weiterführende Links
Fraunhofer WKI hat kein Formaldehyd in eZigaretten

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