Neue Studie zeigt: Raucher leiden unter Informationsdefizit zu E-Zigaretten

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Neue Studie zeigt: Raucher leiden unter Informationsdefizit zu E-Zigaretten

Raucher leiden unter Informationsdefizit zu E-Zigaretten

Jedem Dampfer, der nach einiger Erfahrung mit e-Zigaretten nicht nur das Rauchen erfolgreich aufgegeben, sondern auch echtes Vergnügen an den E-Zigaretten als Genussobjekt und Kultur gefunden hat, ist eine Verteuflung der E-Zigarette durch Gesundheitsbehörden und Regierungen ein Rätsel.

Das wirklich Problematische daran ist aber nicht die Ignoranz oder Borniertheit dieser Einschätzungen an sich (so traurig diese sind). Sondern die Tatsache, dass dadurch Tausende von Rauchern gegenüber der E-Zigarette ein diffuses Gefühl des Unwohlseins und der Unsicherheit hinsichtlich ihrer Effektivität, Auswirkungen auf die Gesundheit und technischen Sicherheit entwickeln. Dabei finden sie viel zu wenig Anlaufstellen, um diese Sorgen kommunizieren und mit kompetenter Unterstützung beseitigen zu können.

Raucher nutzen E-Zigaretten, sind aber gleichzeitig skeptisch

Eine soeben publizierte Studie der Universität von Liverpool zeigt diese ambivalente Situation deutlich auf. Dort wurden Interviewdaten von mehr als 320 Rauchern analysiert, die an einem Anti-Rauch-Programm teilgenommen hatten. Mehr als die Hälfte von ihnen hatten E-Zigarette als Entwöhnungsmittel ausprobiert und diesen in vieler Hinsicht Vorzug gegenüber anderen, vom Programm traditionell empfohlenen Nikotinersatzprodukten wie Pflastern eingeräumt.

Gleichzeitig gaben viele von ihnen aber auch an, unsicher bis offen skeptisch hinsichtlich der Sicherheit und Effektivität von eCigarettes zu sein. Einige der Nutzer stuften E-Zigaretten auch als eine reine Erweiterung des Zigarettenkonsums statt als echte Alternative ein. Zusätzlich waren viele der Nutzer ganz offensichtlich schlecht über die Risiken der E-Zigarette informiert beziehungsweise hatten vorhandene Informationen nicht- oder missverstanden.

Unsicherheit entsteht durch negative Berichterstattung von öffentlicher Seite

Die Studienleiter nehmen als möglichen Grund für diese Unsicherheit die durch offizielle Stellen hauptsächlich kritischen Stellungnahmen zur Wirkung und Sicherheit von E-Zigaretten als erfolgreichen Entwöhnungsmitteln an. Gleichzeitig stellen sie aber auch unmissverständlich klar, dass E-Zigaretten von Rauchern zur Entwöhnung selbstbestimmt ausprobiert und eingesetzt werden, und zwar häufig bereits, bevor sie ein Anti-Rauch-Programm in Anspruch zu nehmen beginnen.

Dort allerdings werden ihnen, statt auf die bereits gemachten Erfahrungen aufzusetzen und eine Begleitung der Entwöhnung durch E-Zigaretten mit entsprechender Information und Beratung anzubieten, nach wie vor die traditionellen Nikotinentwöhnungsmittel angeboten. Die Forscher empfehlen völlig neutral, dass eine entsprechende Beratung stattdessen auf alle Entwöhnungsalternativen ausgeweitet werden sollte, um dem Raucher eine informierte Wahl zu ermöglichen.

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Behörden und Organisationen misstrauen dem genussvollen Aspekt des Dampfens

Dann allerdings schaltet sich Paula Chadwick ein, Vorsitzende der Roy Castle Lung Cancer Foundation, welche die Studie mitfinanziert hat. Aus ihrem Mund klingt die Interpretation des Datenmaterials ganz anders – und genau hier setzt das Problem an. Ihrer Meinung nach zeige das Ergebnis der Studie, dass zwar eine große Anzahl von Rauchern E-Zigaretten als Entwöhnungshilfe nutzen, aber eben auch, dass viele deren Effektivität im Vergleich zu konventionelleren, bereits nachweislich erfolgreichen Methoden gerechtfertigterweise als eingeschränkt wahrnehmen. Gleichzeitig argumentiert Chadwick, dass die Entwöhnung am erfolgreichsten zu sein scheint, wenn sie von einem persönlichen, maßgeschneiderten Coaching durch professionelle Suchtberater begleitet wird (also der Tabakraucher nicht selbst mit ‚unsicheren Methoden herumexperimentiert‘).

Daran kann, je nach Persönlichkeitsprofil des Rauchers, etwas dran sein. Es trifft aber nicht den Kern des Problems. Denn die problematische Einschätzung der E-Zigarette durch die Konsumenten liegt klar an der sowohl gesteuerten wie auch nachlässigen Fehlinformation durch öffentliche Gesundheitsbehörden und Beratungsstellen – nicht an Mängeln der elektrischen Zigarette selbst.
Anders ausgedrückt: Es geht hier um ein Wahrnehmungs- und Kommunikationsproblem, nicht um eines, das der Methode selbst eingeschrieben wäre.

Der Charme der E-Zigarette liegt genau in der Autonomie, mit der ihr Nutzer selbst, völlig unabhängig von wöchentlichen Terminen, Therapeuten oder Begleitungsprogrammen die eigene Entwöhnung lustmotiviert und nicht pflichtgesteuert gestalten kann. Dampfen ist als einzige Entwöhnugsmaßnahme kreativer, ritualisierter Genuss. Alle anderen bedürfen genau deshalb häufig einer psychologischen Begleitung, weil sie mit Verzichtsängsten assoziiert werden, die beim Dampfen nur marginal und meist nur anfänglich aufkommen.

E-Zigaretten sind also gerade nicht abhängig von einer bürokratisierten, institutionalisierten Begleitung, die den Tabaksüchtigen zum Patienten und ihn von einer Therapiesituation abhängig macht und so als passiv und hilfebedürftig pathologisiert. Stattdessen sind sie ein selbstbestimmtes, zeitlich flexibles Mittel, im Dialog mit den eigenen Bedürfnissen eine vollständige Tabakentwöhnung zu initiieren.

Von Dampfer zu Dampfer: Ein neues Grassroots-Movement

Diese radikal andere Herangehensweise sollte tatsächlich transparent, erschöpfend und faktenbasiert kommuniziert werden. Nur scheinen die Gesundheitsinstitute das nicht mal dann zugeben zu wollen, wenn sie eine Studie mitfinanzieren, die zu eben diesem Ergebnis kommt. Tatsache ist ja auch, dass Suchtberater dieses Informationsvakuum tatsächlich füllen können, aber längst nicht die einzigen sind.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit für ein neues Grassroots-Movement. Die weltweit aus dem digitalen Boden sprießenden Dampfer-Blogs und Foren sind ein großartiges Zeichen dafür, dass hier das intellektuelle, kritische, politische und kreative Potenzial vorhanden ist, die Aufklärungsarbeit zu leisten, zu denen die staatlich finanzierten Hilfsangebote sich nach wie vor nicht ganzen Herzen durchringen können.

Wer selber dampft, sollte nicht müde werden, seine Erfahrungen, angereichert mit ausreichend Datenmaterial, pro-aktiv anderen Entwöhnungswilligen zur Verfügung zu stellen – wo immer und wann immer sich die Chance bietet. „Detoxify“ statt „Occupy“, 1% statt 99% – denn die 1% erfahrenen Dampfer sind es schließlich, die am besten wissen, dass sie noch leben und zwar wesentlich besser als je zuvor.

Weiterführende Links
University of Liverpool

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