Die e-Zigarette: Entstehung und Geschichte

Die elektronische Zigarette und ihre Geschichte

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A .Gilbert 1965 e-Zigarette

Die E-Zigarette: Eine revolutionäre Erfindung

So wie Leonardo da Vincis Flugkörper lange vor ihrer tatsächlichen Konstruktion und Verbreitung erdacht hatte, wurde auch das Grundsatzprinzip der e-Cigarette bereits Anfang der 1960er entwickelt. Herbert A. Gilbert reichte 1963 das Patent für ein Gerät ein, das er selbst als „rauchfreie, tabakfreie Zigarette“ beschrieb. Auch Gilbert ersetzte den Tabak-Verbrennungsprozess in der herkömmlichen Zigarette in seiner e-Cigarette mit „heißem, feuchten und aromatisiertem Dampf“, der durch die Erhitzung einer Nikotinlösung entstehen sollte. Bis 1967 wurde Gilbert von verschiedensten Unternehmen hinsichtlich der Serienproduktion und Vermarktung seiner innovativen e-Zigarette angesprochen. Dennoch kam eine Kommerzialisierung nie zustande.

Die erste e-Zigarette war ihrer Zeit einfach voraus

Seltsamerweise verschwand dann Ende der 60er Jahre die Idee insgesamt und tauchte bis zum 21. Jahrhundert nicht wirklich wieder auf. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert werden. Es gibt Stimmen, die von der gerade in den Vereinigten Staaten außerordentlich machtvolle Tabaklobby behaupten, diese habe aus Sorge um einen möglichen Brancheneinbruch den alternativen Nikotinkonsum unterdrückt. Kulturhistorisch ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass in den Sechzigern des letzten

Jahrhunderts erstaunlicherweise noch kein wirklicher Bedarf für elektronische Zigaretten bestand. Es gab nur sehr wenig Widerstand gegen das Rauchen von Tabakzigaretten im öffentlichen Raum; tatsächlich war der Glimmstengel für viele Menschen synonym mit Weltläufigkeit und Erfolg. Gerade Frauen betrachteten sie als ein Symbol für Emanzipation und neugewonnene Freiheiten.

Hinzu kam, dass mit der Forschung in die Gesundheitsrisiken der Tabakverbrennung gerade erst begonnen worden war. Erste kritische Stimmen wurden eher als übervorsichtig eingestuft. Eine allgemeine Sensibilität für die Rechte passiver Raucher, oder etwa Nichtrauchergesetze, waren Zukunftsmusik. Schlussendlich war auch die technische Umsetzbarkeit längst nicht so einfach wie heute. Alles in allem war also weder der Leidensdruck, noch rechtliche Notwendigkeit noch die gesellschaftliche Akzeptanz vorhanden, um die kommerzielle Produktion von e-Zigaretten wirklich attraktiv zu machen.

Fast forward in die Gegenwart: Der Siegeszug der elektronischen Zigarette

Erfinder der heutigen e-Zigarette

Erfinder der heutigen e-Zigarette

Genau vierzig Jahre später sah die Sache bekanntermaßen schon ganz anders aus – und zwar weltweit. Die schädlichen Auswirkungen von verbranntem Tabak für Raucher und Umgebung waren nicht nur außerordentlich gut erforscht, sie hatten auch auf der ganzen Welt ihren Niederschlag in Anti-Rauchgesetzen gefunden. Raucher fanden sich immer häufiger vom öffentlichen Leben ausgegrenzt. Durch die zunehmende Informationstransparenz sank auch die Toleranz von Nichtrauchern für die Nebeneffekte wie unangenehmem Körper- und Raumgeruch. So stieß der chinesische Pharmakologe Hon Lik 2003 mit seiner Erfindung einer neuartigen e-Zigarette bei seinem Arbeitgeber „Golden Dragon Holdings“ auf offene Ohren. Technisch ausgedrückt, entwickelte er als erster ein „piezoelektrisches, Ultraschall abstrahlendes Element, das eine unter Druck stehende Nikotinlösung verdampfte“. Das Resultat sollte erklärtermaßen ein dem Zigarettenrauchen ähnliches Raucherlebnis durch Inhalation ermöglichen und dabei Nikotin in den Blutkreislauf einspeisen. Hon Lik kam auch bereits auf die Idee, Propylenglykol zur Verdünnung des Nikotins zu nutzen und in einem Einwegzylinder unterzubringen, der gleichzeitig als Reservoir und Mundstück fungieren sollte.

Bereits 2001 kamen die ersten elektrischen Zigaretten auf den chinesischen Markt. Dort wurden sie zunächst explizit als Entwöhnungshilfen und Zigarettenersatz angeboten. Das Unternehmen „Golden Dragon Holdings“ setzte derartige Hoffnungen in den Markterfolg des neuen Produktes, dass es seinen Firmennamen zu „Ruyan“ wechselte, im Chinesischen gleichbedeutend mit „dem Rauchen ähnelnd“. 2005 begann Ruyan mit dem globalen Export der e-Cigarette und meldete 2007 das erste internationale Patent darauf an. Seitdem gab es für den weltweiten Siegeszug der elektronischen Zigaretten keine Halten mehr. Diverse weitere Patente auf verbesserte Technologien wurden registriert – die meisten davon von englischen oder amerikanischen Erfindern. Interessanterweise kamen viele dieser Technologien auf den Markt, bevor sie patentiert wurden. Ein aktuelles Beispiel ist die Integration des Lufterwärmers in die Flüssigkeitskammer, die sich bereits seit 2007 verbreitet hat, aber erst 2013 in Großbritannien registriert wurde.

E-Zigaretten werden zum ökonomischen Marktfaktor

wirtschaftliche Lage - WirtschaftslageAuch in ökonomischer Hinsicht hat sich der e-Zigaretten-Markt deutlich verlagert. Zum einen haben die Tabakfirmen selbst erkannt, dass sie die Verbreitung und Beliebtheit der elektronischen Zigaretten nicht länger aufhalten können. In Konsequenz arbeiten viele der herkömmlichen Zigarettenhersteller mit hoher Investitionsbereitschaft daran, in den e-Zigarettenmarkt einzusteigen. Entweder kaufen sie E-Zigarettenfirmen vollständig auf oder sie sichern sich die Rechte an den entsprechenden Technologien. Letztere Strategie fuhr etwa Imperial Tobacco, die Hon Liks ursprüngliches Patent und seine Weiterentwicklungen für 75 Millionen US-Dollar erworben haben.

Nachdem ein offensichtlicher Markt für e-Zigaretten bestand, mussten schließlich auch Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen auf den neuen Trend reagieren. Die Weltgesundheitsorganisation waren die erste internationale Institution, die eine entsprechende öffentliche Erklärung abgab. Aufgrund nach wie vor noch nicht vorhandener Langzeitstudien zum gesundheitlichen Effekt der e-Zigaretten auf Dampfer und Umgebung nahm sie jedoch keinen Bezug auf Gesundheitsrisiken oder Vorteile. Die WHO wies lediglich darauf hin, dass sie elektronische Zigaretten nicht offiziell als Rauchentwöhnungsmittel akzeptieren würde. Das tat ihrer steigenden Beliebtheit allerdings keinen Abbruch, initiierte aber einen seit spätestens 2009 beginnenden und immer noch anhaltenden Strom von Untersuchungen über die tatsächlichen gesundheitlichen Parameter des Dampfens. Faszinierend sind dabei die oft sehr widersprüchlichen Ergebnisse, die sich stark an den Positionen der jeweiligen Auftraggeber zu orientieren scheinen.

Mit Volldampf in die Zukunft

Frau mit elektrischer ZigaretteTrotz der ungeklärten medizinischen Situation waren viele Länder erstaunlich schnell in ihrem Verbot der e-Zigarette. Australien und Kanada machten mit einem Generalverbot den Anfang. Andere Länder, wie die USA selbst, verboten etwa die ungeregelte Einfuhr. Das führte zu einer Flut von Eingaben und Berufungen durch eZigaretten-Firmen vor den jeweiligen Gerichten des Landes. Deutschland macht hier keine Ausnahme – allein 2012 und 2013 wurden diverse Gerichtsurteile gesprochen, die sich speziell mit der Frage beschäftigten, ob e-Zigaretten und Liquids unter das Arzeneimittelgesetz fallen beziehungsweise ob sie als Tabakprodukte eingestuft werden sollten. Das sich elektrische Zigaretten nicht mehr bannen lassen, ist allerdings offensichtlich – „historisch“ betrachtet hat ihre Geschichte wohl gerade erst richtig begonnen.

 

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