Die CDC eZigaretten Studie – Nikotinabhängigkeit bei Jugendlichen?

Die CDC eZigaretten Studie - Nikotinabhängigkeit bei Jugendlichen?

Führt die E-Zigarette doch zur Nikotinabhängigkeit bei Jugendlichen?

Nimmt man mal Abstand von den verworrenen Argumenten, die nationale und supranationale Autoritäten zur Überregulierung von E-Zigaretten konstruieren, dann bleiben eigentlich nur zwei Kernfragen übrig. Könnte es sein, dass das Rauchen von E-Zigaretten eine bestehende Nikotinsucht eher verlängert als zu beenden hilft? Und: Werden durch die freie Verfügbarkeit von E-Zigaretten Jugendliche zum Nikotinkonsum angeregt, die ansonsten nicht geraucht hätten? Wenn sich beide Fragen klar mit ‚Nein‘ beantworten lassen, sollte die E-Zigarette in meinen Augen tatsächlich unreguliert bleiben. Hierfür jedoch bedarf es Umfragen und empirischer Studien – theoretisch lassen sich beide Kritikpunkte nicht entkräften.

Nun wirft eine Studie, die sich mit dem Gebrauch von E-Zigaretten durch Jugendliche beschäftigt, entscheidende Fragen auf. Durchgeführt und publiziert haben sie die ‚Centers for Desease Control and Prevention‚, eine von der US-Regierung geführte Organisation und deshalb natürlich mit der entsprechenden Vorsicht zu genießen. Erschienen ist die Untersuchung in der Wissenschaftszeitung Nicotine and Tobacco Research.

Jugendliche mit eZigaretten

Die Studie zitiert statistische Erhebungen, nach denen 2013 mehr als 260.000 Jugendliche E-Zigaretten genutzt hätten, die vorher noch nie eine Zigarette geraucht haben – dreimal so viele wie noch 2011, als die Zahl bei 79.000 gelegen haben soll. Die Autoren behaupten auf der Basis von Umfragen weiterhin, dass Jugendliche, die bereits E-Zigaretten ausprobiert hätten, doppelt so wahrscheinlich die Absicht hätten, auch konventionelle Tabakzigaretten zu rauchen (die verschachtelte Ausdrucksweise ist nicht mir zu schulden, sondern direkt aus dem Report übernommen – doch dazu später mehr).

Die vergleichenden Daten stammen von den 2011, 2012 und 2013 durchgeführten National Youth Tobacco Surveys. Dort wurden nicht nur tatsächliche Erfahrungen mit E-Zigaretten, sondern auch die Absichten der Jugendlichen für die Zukunft abgefragt. Laut den Ergebnissen geben Jugendliche, die nie Tabakzigaretten, aber eCigarettes ausprobiert haben, doppelt so häufig eine Neigung zum zukünftigen Konsum von konventionellen Zigaretten an wie diejenigen, die zuvor keine elektrischen Zigaretten gedampft hatten. 43,9 Prozent haben der Studie zufolge die Intention, sogar im Laufe des folgenden Jahres konventionelle Zigaretten auszuprobieren; bei denjenigen, die bisher keine eCigarette-Erfahrung haben, sind es nur 21,5 Prozent.

Das sind erschreckende Zahlen. Schaut man sich allerdings das Kleingedruckte, also im Fall wissenschaftlicher Studien die Forschungsbedingungen und Auswertungskriterien, an, wird man hellhörig. Hier definieren die Forscher nämlich ihr Verständnis des Begriffes „Absicht“ und „Intention“.

Ergebnisoriente Erhebung der Studie

Tatsache ist, dass es bei diesen Erhebungen bereits ausgereicht hat, nicht explizit gegen das Rauchen von Zigaretten zu sein, um mit einer solchen Absicht gebrandmarkt zu werden. Mit anderen Worten: Nur solche Jugendliche, die angegeben haben, auf keinen Fall („definitely not“) im nächsten Jahr mit dem Rauchen anfangen zu wollen und auch unter keinen Umständen von Freunden angebotene Zigaretten zu akzeptieren, haben gemäß der Studie wirklich keine Absicht, zu rauchen. Alle anderen schon – selbst, wenn sie aussagen, wahrscheinlich (‚probably‘) nicht rauchen zu wollen. Die Forscher geben zur Begründung an, dass die Erfahrung gezeigt hätte, dass diese letztere Gruppe in der Praxis eben doch zur Zigarette greifen wird.

Hier liegt die eine große Schwäche der Studie. Die zweite geht in eine andere Richtung. Es ist unbestreitbar, dass Jugendliche auf Schritt und Tritt der Versuchung ausgesetzt sind, zu rauchen – schon allein auf der Grund der omnipräsenten Werbung. Hinzu kommt noch der Sozialisationsprozess, die Rebellion und der gleichzeitige Wunsch, schneller erwachsen zu werden. Jugendliche werden weiterhin zu Zigaretten greifen, selbst wenn sie mit dem Konsum irgendwann wieder aufhören.

Die Studie sagt aber nichts darüber aus, ob die Jugendlichen auch danach befragt wurden, ob sie zur E-Zigarette statt zur Tabakzigarette gegriffen haben – ob sie also selber der Ansicht sind, dass sie zwei gleichwertige Alternativen zur Auswahl hatten und sich dabei für die E-Zigarette entschieden haben. Wenn ich mich den Realitäten des Lebens stelle, zu denen das Ausprobieren von Suchtmitteln im jugendlichen Alter gehört, dann ist es mir in jedem Fall lieber, mein Kind dampft, als dass es raucht – auch wenn sich mir beim Gedanken an den Nikotinkonsum und dessen Folgen für die neuronale Entwicklung grundsätzlich der Magen umdreht.

Insgesamt scheint mir die Studie ein typisches Beispiel für eine Auftragsarbeit mit vorher feststehenden Ergebnissen zu sein – aber lesenswert bleibt sie trotzdem.

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