E-Zigaretten: die Fehler in der neuen EU-Richtlinie für Tabakerzeugnisse entdeckt

 

E-Zigaretten: die Fehler in der neuen EU-Richtlinie für Tabakerzeugnisse entdeckt

Wissenschaftler klären in einem Brief an die Europäische Union auf

Mit einem Schreiben an den derzeitigen EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg weisen Wissenschaftler auf aktuelle medizinische Studien hin, die Widersprüche zur aktuell geplanten Verordnung aufweisen. In diesem Brief stehen die folgenden sechs Punkte im Mittelpunkt:

1. Empfohlener Nikotingehalt

In der derzeitig vorgeschlagenen EU-Richtlinie für Tabakerzeugnisse legt die Europäische Union die Maximaldosis von Nikotin in E-Zigaretten auf 20 Milligramm pro Milliliter E-Liquid fest. Bei dieser Bestimmung bezieht sie sich auf die Aussagen des Mediziners Dr. Farsalinos, der die Nikotinmenge einer herkömmlichen Zigarette auf 20 mg beziffert. Der Ansatz, dass eine E-Liquid Zigarette genauso viel Nikotin beinhalten sollte, wie eine herkömmliche Zigarette ist grundsätzlich als empfehlenswert zu betrachten. Allerdings wird bei der Verdampfung des E-Liquids weniger als ein Drittel der vorhandenen Nikotinmenge freigesetzt. Aus diesem Grund sind mindestens 50 mg/ml E-Liquid notwendig, um dieselbe Menge freigesetzten Nikotins zu erzeugen, wie bei einer Standardzigarette. Da viele starke Raucher nur auf eine schadstoffärmere E-Zigarette umsteigen werden, wenn sie mindestens dieselbe Nikotinkonzentration erreichen, ist die Begrenzung auf 20 mg/ml nicht sinnvoll.

2. Gesundheitliche Risiken bei hohen Nikotindosen

Die Annahme der EU, dass bereits 60 mg Nikotin für einen Erwachsenen gesundheitlich sehr bedenklich und sogar lebensgefährlich sind, beruht auf medizinischen Forschungspublikationen aus dem Jahre 1856. Aktuelle Studien zeigen, dass die meisten Erwachsenen erst bei der vierfachen Nikotindosis leichte Vergiftungserscheinungen, wie Übelkeit und Erbrechen, erleiden. Die Anzahl von Vergiftungen durch Tabak-Ersatzprodukte und E-Liquid-Präparaten sind zudem äußerst selten. Auch eine Überdosierung von Nikotin durch das Einatmen des E-Zigarettendampfes ist nicht möglich. Durch kindersichere Kappen bieten E-Zigaretten zusätzlichen Schutz.

3. Forderung nach konsistenter Nikotin-Abgabe

Die angestrebte Verordnung für E-Zigaretten legt auch fest, dass elektronische Zigaretten eine immer gleichbleibende Dosis an Nikotin abgeben sollen. Da jedoch der Konsum von Zigaretten vollkommen individuell erfolgt und Raucher auch den Anspruch haben, die Menge des gewünschten Nikotins selbst zu bestimmen, ist von der Forderung nach einer konsistenten Nikotin-Abgabe abzuraten.

4. Pflichtinformation über anstehende Produktänderungen

Ebenfalls sieht die neugestaltete EU-Richtlinie für Tabakprodukte vor, dass mindestens sechs Monate vor der Einführung eines neuen E-Zigaretten-Produkts bzw. bei einer wesentlichen Veränderung die entsprechende Information an die Europäische Union zu übermitteln ist (beispielsweise hinsichtlich veränderter Nikotingehalte). Da solch eine Vorgehensweise bei anderen Tabakprodukten keine Anwendung findet, empfinden viele Branchenexperten die Forderung nach vorzeitigen Pflichtinformationen als wettbewerbsverzerrend zum Vorteil der bestehenden Produzenten von Standardzigaretten.

5. Begrenzung der Refill-Behältergrößen auf 10 ml bzw. Patronen auf 2ml E-Liquid

Aufgrund der vermuteten hohen, gesundheitlichen Gefährdung des E-Liquids für elektronische Zigaretten möchte die EU das Fassungsvolumen von E-Liquid-Mehrwegbehältern auf 10 ml und von Patronen auf 2 ml festlegen. Da allerdings die Toxizität von E-Liquid teilweise wesentlich geringer ist, als die von einigen Haushaltsreinigern (wie Bleichmittel oder Klarspüler), ist es laut Sicherheits- und Gesundheitsexperten ausreichend mit kindersicheren Verschlüssen sowie entsprechenden Warnhinweisen zu arbeiten. Bisher ist ein Todesfall eines kleinen Kindes bekannt, welches unbeaufsichtigt Flüssigkeit von E-Zigaretten geschluckt hat. Die Zahl der Vergiftungen mit anderen Haushaltschemikalien bzw. herkömmlichen Zigaretten liegt weit höher.

6. E-Zigaretten als Einstieg in die Nikotinsucht

Gemäß des sogenannten Gateaway-Effekts zielt die EU in ihrer neuen Verordnung darauf ab, die Werbemaßnahmen für e-Zigaretten stark einzuschränken. Dieser restriktive und gesetzlich regulierte Marketingansatz dient dazu, dass die Wahrnehmung des Rauchens nicht zum Nachahmen animiert bzw. als normal betrachtet wird. Das ist laut der Gateaway-Theorie eine wichtige Ursache für den Beginn einer Nikotin- bzw. Rauchsucht.

Gemäß aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen bei E-Zigaretten zeigt sich dieser Effekt wesentlich geringer. Eine Studie aus den USA erwies beispielsweise, dass keins von den befragten Kinder, die mit E-Zigaretten experimentierten, danach regelmäßig rauchten. Studien aus Europa mit Standardzigaretten zeigen ein vollkommen anderes Bild. Fast neun von zehn Menschen, die als Kinder oder Jugendliche eine Zigarette probierten, haben weitergeraucht.

Der Unterschied zwischen beiden Arten des Rauchens liegt unter anderem in der höheren Sicherheit und schwereren Zugänglichkeit von E-Zigaretten. Diese Tatsache lässt unter Umständen einen größeren Werbefreiraum für E-Zigaretten, stets unter der Prämisse einer strengen Überwachung des Konsumentenverhaltens, zu. Ebenfalls bieten E-Zigaretten die wichtige Chance, den Tabakkonsum stark zu minimieren und somit die Entstehung bestimmter Krankheiten bzw. zahlreiche Todesfälle zu verhindern. Eine Überregulierung der Marktpräsenz und Werbung könnte diese positiven Auswirkungen verhindern.

Interessierte Bürger können hier an der Europäischen Bürgerinitiative für ein freies Dampfen teilnehmen.
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Die original englische Version hier

 Referenzen und Quellenangaben

1) Europäische Kommission (2013) Merkblatt E-Zigaretten  http://ec.europa.eu/health/tobacco/docs/fs_ecigarettes_en.pdf

2) Farsalinos et al. Bewertung der elektronische Zigarette Use (Vaping) Topographie und Abschätzung der Flüssigkeitsverbrauch. Int J Environ Res Public Health. 2013, 10: 2500-14.

3) Farsalinos et al. Auswertung Nikotingehalt Auswahl und Muster der elektronischen Zigarette Einsatz in einer Gruppe von “Vapers”, die vollständige Substitution des Rauchens erreicht hatte. Drogenmissbrauch: Forschung und Behandlung. 2013, 7:139-146.

4) Farsalinos K. et al. Nikotin-Resorption aus elektronischen Zigarette Verwendung: Vergleich zwischen der ersten und der neuen Generation Geräte. Präsentiert bei der FDA, 19. Dezember 2013 (zur Veröffentlichung eingereicht).

5) Farsalinos K. et al. Nikotin-Resorption aus elektronischen Zigarette Verwendung: Vergleich zwischen erfahrenen und naiven Nutzern. Präsentiert bei der FDA, 19. Dezember 2013.

6) Vansickel AR, Eissenberg T. Elektronische Zigaretten: Nikotin Effektive Liefer nach akuter Gabe.  Nicotine & Tobacco Research  2012.

7) Hajek P, Goniewicz M, Phillips A, Myers-Smith K, West O, McRobbie H. Nikotinaufnahme von elektronischen Zigaretten und Wirkung der Praxis: Bericht an die MHRA. London: Wolfson Institute of Preventive Medicine, Queen Mary University of London 2013.

8) Dawkins L, C orcoran O. Eine nette elektronische Zigarette Verwendung: Nikotin Lieferung und subjektiven Wirkungen in regelmäßigen Nutzern. Psy chopharmacology (Berl). 20 Jan 14, 231 (2) :401-7.

9) Nides MA, Leischow SJ, Bhatter M, M. Simmons Nikotinblutspiegel und Kurzzeit-Rauchen Reduktion mit einer elektronischen Nikotin Delivery System.  American Journal of Health Behavior  2014 38 (2): 265-74.

10 ) Etter, JF & Bullen, C. (2011) Elektronische Zigarette: Profil des Benutzers, Nutzung, sa  friedenheit und wahrgenommene Wirksamkeit, Sucht, 106, 2017-28.

11) SCENIHR Wissenschaftliche Ausschuss 2010 p 29  http://ec.europa.eu/health/scientific_committees/opinions_layman/tobacco/documents/addictiveness_and_attractiveness_of_tobacco_additives.pdf

12) Christensen LB, van’t Veen T, Bang J. Drei Fälle von Selbstmordversuch durch die Einnahme von Nikotinflüssigkeit in E-Zigaretten, Klinische Toxikologie verwendet. 2013, 51: 290.Clinical Toxikologie vol. 51-Nr. 4 2013

13) Mayer B. Wie viel Nikotin tötet ein Mensch? Rückverfolgung des allgemein anerkannten tödliche Dosis zu zweifelhaften Selbstversuchen im neunzehnten Jahrhundert. Arch Toxicol. 2014 Jan; 88 (1) :5-7.

14) Siehe die Literatur auf den Folien 10 und 11 bei  http://www.e-cigarette-forum.com/infozone/Dr-Jacques-Le-Houezec

15)  JF Etter.  L Evels von s aliva Cotinin in elektronische Zigarette Benutzer, Sucht. 8. Januar 2014.

16)  Polosa R, Rodu B, P Caponnetto, Maglia M, Raciti C. Ein neuer Blick auf Tabak Schadensminderung: der Fall für die elektronische Zigarette. Harm J. Reduct 4. Oktober 2013, 10 (1): 19.

17) Winer S (2013). Die Polizei untersucht den Tod des Kleinkindes vom Nikotin Überdosierung  Times of Israel , den 29. Mai.

18) Douptcheva N, Gmel G, Studer J, Deline S, Etter JF. Die Verwendung von elektronischen Zigaretten unter den jungen Schweizer Männer. J Epidemiol Community Health. 2013, 67: 1075-1076.

19) Aktion Rauchen und Gesundheit (2013). ASH Blatt über die Verwendung von E-Zigaretten in Großbritannien (London, ASH). http://www.ash.org.uk/information/facts-and-stats/ash-briefings

20), CDC (2013). Hinweise aus dem Bereich: elektronische Zigarette Verwendung unter den mittleren und High-School-Studenten – USA, 2011-2012, MMWR Morb Mortal wchtl Rep ., 62, 729-30  http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/ mm6235a6.htm

21) Die 2011 ESPAD-Bericht. Substanzgebrauch unter Studenten in 36 europäischen Ländern. http://www.espad.org/Uploads/ESPAD_reports/2011/The_2011_ESPAD_Report_FULL_2012_10_29.pdf

22) US Department of Health and Human Services.  Verhindern Tabakkonsum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Ein Bericht des Surgeon General.  Atlanta, GA: US Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Chronic Disease Prävention und Gesundheitsförderung, Büro Rauchen und Gesundheit 2012.  http://www.cdc.gov/tobacco/data_statistics/fact_sheets/youth_data/tobacco_use/index.htm

Unterzeichner
Professor Jean-François Etter , PhD,
Associate Professor, Privat Dozent,  Institut de santé globale, Faculté de médecine, Université de Genève, Schweiz.

Dr. Konstantinos Farsalinos, MD
Researcher, Onassis Cardiac Surgery Center, Athen, Griechenland
Forscher, Universitätsklinikum Gathuisberg, Leuven, Belgien.

Professor Peter Hajek, PhD
Wolfson Institute of Preventive Medicine, Barts und The London School of Medicine und Zahnmedizin Queen Mary University of London, London, Großbritannien.

Dr. Jacques Le Houezec, PhD
Consultant in Public Health, Tabakabhängigkeit, Rennes, Frankreich
und  Honorardozent, UK Centre for Tobacco Control Studies, University of Nottingham, UK.

Dr. Hayden McRobbie, MB ChB PhD
Reader in Public Health Interventionen, Wolfson Institute of Preventive Medicine, Queen Mary University of London, UK.

Professor Chris Bullen, MBChB, PhD
Director, The National Institute for Health Innovation, der Universität von Auckland, Auckland, Neuseeland.

Professor Lynn T. Kozlowski, PhD
Dean, School of Public Health und Health Professions, Professor für Community Health und Gesundheitsverhalten, University at Buffalo, State University of New York, USA.

Dr. Mitchell Nides, PhD
Präsident, Los Angeles Clinical Trials, Direktor, Bild Kündigen, der Unterhaltungsindustrie, Quit Smoking Programm, Burbank, CA 91505, USA.

Professor Dimitris Kouretas, MD
Professor und Vizerektor der Universität von Thessalien, Griechenland.

Professor Riccardo Polosa, MD, PhD
Direktor des Instituts für Innere Medizin und Klinische Immunologie, Universität Catania, Italien.

Dr. Karl Fagerström, PhD
Präsident, Fagerström Consulting AB, Vaxholm, Schweden.

Professor Martin Jarvis, Dsc
Emeritierter Professsor für Gesundheitspsychologie, Institut für Epidemiologie und Public Health, University College London, UK.

Dr. Lynne E. Dawkins, PhD
Dozent für Psychologie, School of Psychology, University of East London, Stratford, London, UK.

Dr. Pasquale Caponnetto, Assistent Professor, Forscher
Centro per la Prevenzione e del Cura Tabagismo, Azienda Ospedaliero-Universitaria “Policlinico-V. Emanuele “, Università di Catania, Catania, Italien.

Professor Jonathan Foulds PhD
Professor of Public Health Sciences & Psychiatrie, Penn State University, College of Medicine, Cancer Institute, Cancer Control Program, Hershey, PA 17033-0850, USA.

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