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News, Wirtschaft & Politik

Trump: Der eigentliche Papiertiger

Trump: Der eigentliche Papiertiger
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Trump nennt die NATO einen „paper tiger“ – doch wer hier zahnlos ist, wird bei näherer Betrachtung immer deutlicher.

Es war ein Interview mit dem britischen Telegraph, das am Mittwoch für Aufsehen sorgte. Donald Trump erklärte, er erwäge den Austritt der USA aus der NATO „absolut“ – und nannte das Bündnis einen „paper tiger“. Putin wisse das übrigens auch, fügte er hinzu. Nur wenige Stunden später legte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nach: Er werde in seiner Primetime-Anrede an die Nation seinen „Ekel gegenüber der NATO“ thematisieren. Starke Worte. Aber schauen wir genauer hin.

„Ich wusste immer, dass sie ein Papiertiger sind – und Putin weiß das übrigens auch.“

Donald Trump, Interview mit The Telegraph, 1. April 2026

Was den Zorn ausgelöst hat

Der unmittelbare Auslöser ist der seit Februar 2026 tobende Krieg gegen den Iran, den die USA gemeinsam mit Israel begonnen haben. Mehrere europäische NATO-Partner – darunter Spanien, Italien und Großbritannien – verweigerten US-Militärflugzeugen die Nutzung ihrer Basen für Angriffe auf iranisches Territorium. Spanien sperrte kurzerhand seinen Luftraum für entsprechende US-Einsätze. Italien verweigerte einer US-Maschine die Landeerlaubnis. Keir Starmers Großbritannien schloss sich den Offensivoperationen nicht an – und verwies darauf, dass dieser Krieg „nicht unser Krieg“ sei.

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Außenminister Marco Rubio formulierte die Konsequenz unverblümt: „Wenn NATO-Verbündete uns die Nutzung ihrer Basen verweigern, wenn wir sie brauchen – warum sind wir dann überhaupt noch in der NATO?“ Das klingt nach einer rhetorischen Frage. Es ist jedoch eine mit gewaltiger strategischer Sprengkraft – denn Rubio hat damit ungewollt das stärkste Argument gegen den NATO-Austritt selbst benannt.

Die Basen: Trumps unbemerkte Achillesferse

Was der Iran-Konflikt gerade mit aller Brutalität vorführt, ist eine Wahrheit, die in Washington oft verdrängt wird: Die USA brauchen ihre vorgeschobenen Stützpunkte in Europa weitaus dringender als umgekehrt. Ramstein in Deutschland ist das größte US-Luftwaffendrehkreuz außerhalb Amerikas – Schaltzentrale für Operationen in Europa, Afrika und dem Nahen Osten gleichermaßen. Sigonella auf Sizilien dient als Basis für Drohnen- und Überwachungsmissionen von Nordafrika bis zum Persischen Golf. Rota in Spanien ist Heimathafen für US-Zerstörer, die Mittelmeer und Atlantik kontrollieren.

Diese Basen beruhen zwar auf bilateralen Abkommen, nicht direkt auf dem NATO-Vertrag – sie fallen also nicht automatisch weg, sollten die USA austreten. Aber die politische Bereitschaft der Gastländer, US-Truppen weiterhin zu beherbergen, wäre nach einem Austritt massiv gefährdet. Was sich im Iran-Konflikt andeutet, wäre dann Normalzustand: Europa als Druckmittel, nicht als Verbündeter.

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Hinzu kommt ein oft übersehener ökonomischer Aspekt: Die Gastländer tragen erhebliche Teile der Betriebskosten. Deutschland etwa finanziert Infrastruktur, Energie und lokale Mitarbeiter auf US-Stützpunkten mit Milliardenbeträgen. Die USA erhalten strategische Weltpräsenz zu Subventionspreisen. Geographie ist nicht kaufbar – und genau das macht den Verlust dieser Positionen so schwer zu kompensieren.

Rechtlich: Ein Präsident ohne Schlüssel

Doch selbst wenn Trump alle strategischen Nachteile ignoriert – kann er den Austritt überhaupt vollziehen? Die Antwort ist: wahrscheinlich nicht alleine. 2023 verabschiedete der Kongress ein Gesetz, das einen NATO-Austritt an eine Zweidrittelmehrheit im Senat knüpft. Selbst wenn alle Republikaner geschlossen zustimmen würden, bräuchte Trump mindestens 14 demokratische Senatoren – ein nahezu unmögliches Szenario. Senator Thom Tillis, führender Republikaner in der parteiübergreifenden NATO-Beobachtergruppe des Senats, formulierte es auf den Punkt: „Der Präsident kann nicht aus der NATO austreten. Aber er kann die Allianz vergiften. Er kann sie faktisch kaputt machen, wenn er will.“

Das Rubio-Paradoxon

  • 2023 sponserte Rubio als Senator das Gesetz, das einen NATO-Austritt ohne Senatsabstimmung verbietet
  • Das Gesetz wurde parteiübergreifend verabschiedet und von Präsident Biden unterzeichnet
  • 2026 fordert Rubio als Außenminister die „Neubewertung“ der NATO – gegen sein eigenes Gesetz
  • Chuck Schumer zitierte Rubios eigenes Statement von 2023: „Kein Präsident sollte die USA alleine aus der NATO herausziehen können“

Das eigentliche Eigentor

Wer hat nun Recht – Trump mit seiner „paper tiger“-Diagnose, oder die Fakten? Die Antwort ist ungemütlich für das Weiße Haus. Die NATO ist in ihrer Kernfunktion – kollektive Verteidigung des Bündnisgebiets – nach wie vor das robusteste Militärbündnis der Geschichte. Was sie nicht ist: ein Instrument für US-Offensivoperationen außerhalb des Bündnisgebiets. Europa verweigerte die Beteiligung am Iran-Krieg nicht aus Feigheit, sondern weil der NATO-Vertrag kollektive Verteidigung vorsieht, nicht kollektive Aggression.

Trumps eigentliches Problem ist also nicht die NATO – es ist die Erwartung, dass Verbündete automatisch jeden Krieg mitführen, den Washington beginnt. Diese Erwartung hat mit dem Wesen eines Verteidigungsbündnisses nichts zu tun. Und indem Trump öffentlich seine Verbündeten als Feiglinge beschimpft, den internen Zusammenhalt torpediert und mit Austritt droht, schwächt er die USA strategisch – nicht die NATO.

Putin dürfte das wissen. Er dürfte es sogar genießen.

„Der Präsident kann die Allianz nicht verlassen. Aber er kann sie vergiften.“

Senator Thom Tillis (Republikaner), ABC News, März 2026

Fazit: Wer ist der Papiertiger?

Trump droht lautstark, kann aber rechtlich nicht alleine handeln. Er inszeniert sich als starken Mann, braucht aber die europäischen Basen für seine eigenen Kriege. Er wirft der NATO Versagen vor, weil sie seinen Offensivkrieg im Iran nicht mitträgt – dabei ist genau das kein Versagen, sondern die Logik eines Verteidigungsbündnisses. Und sein Außenminister entlarvt täglich die innere Widersprüchlichkeit dieser Drohpolitik.

Die NATO ist nicht ohne Schwächen. Aber ein Papiertiger ist sie nicht. Die Frage, wer hier am Ende zahnlos bleibt, stellt sich mit jedem weiteren Tweet neu.

 

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2. April 2026
Schlagworte: NATO, Trump Administration
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https://liquid-news.com/wp-content/uploads/2026/04/Trump-Der-Papiertiger.jpg 320 710 Redaktion https://liquid-news.com/wp-content/uploads/2025/05/LNMagazin.jpg Redaktion2026-04-02 18:51:572026-04-02 18:51:57Trump: Der eigentliche Papiertiger
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