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Repression statt Rechtsstaat? US-Regierung geht hart gegen ausländische Studierende vor

Repression statt Rechtsstaat? US-Regierung geht hart gegen ausländische Studierende vor

Die US-Regierung geht zunehmend mit harten Mitteln gegen internationale Studierende vor. Jüngste Fälle wie die Festnahme der türkischen Doktorandin Rümeysa Öztürk und des palästinensischen Studenten Mahmoud Khalil werfen Fragen nach der Vereinbarkeit dieses Vorgehens mit dem amerikanischen Rechtsstaat auf. Die politische Rhetorik hochrangiger Regierungsmitglieder und das Vorgehen der Sicherheitsbehörden nähren dabei Zweifel, ob hier rechtsstaatliche Grundsätze noch uneingeschränkt gelten – oder ob die USA sich auf einem Weg in Richtung Autokratie befinden.

Visumsentzug als politisches Druckmittel

Zentrum der aktuellen Debatte ist der Umgang mit F-1-Visa, die für internationale Studierende ausgestellt werden. Laut US-Außenminister Marco Rubio wurden bereits „mehr als 300 Visa“ entzogen – mit der Begründung, die Betroffenen hätten „Unruhe gestiftet“. Rubio erklärte offen, dass dies eine tägliche Praxis sei: „Jedes Mal, wenn ich einen dieser Verrückten finde.“ Diese Aussage ist nicht nur entmenschlichend, sondern auch rechtsstaatlich problematisch, da sie auf eine pauschale und politisch motivierte Anwendung der Exekutivgewalt hindeutet.

Das US-Einwanderungsrecht erlaubt zwar grundsätzlich den Entzug eines Visums bei Verstößen gegen dessen Bedingungen. Doch eine Meinungsäußerung – etwa im Rahmen eines Artikels in einer Studentenzeitung – stellt keinen solchen Verstoß dar. Vielmehr ist die freie Meinungsäußerung durch den Ersten Verfassungszusatz geschützt, auch für Ausländer mit legalem Aufenthaltsstatus.

Der Fall Rümeysa Öztürk: Gerichtliche Anordnung ignoriert

Die Doktorandin Rümeysa Öztürk wurde auf offener Straße von Beamten des Heimatschutzministeriums in Zivilkleidung festgenommen. Obwohl ein Gericht in Massachusetts anordnete, dass sie nicht aus dem Bundesstaat verlegt werden dürfe, wurde sie in ein 2.500 Kilometer entferntes Gefängnis in Louisiana überstellt. Diese Maßnahme stellt eine klare Missachtung richterlicher Anordnungen dar – ein eklatanter Verstoß gegen die Gewaltenteilung.

Öztürk hatte einen Artikel mitverfasst, in dem ihre Universität zur Anerkennung eines möglichen Völkermords an Palästinensern und zum Divestment von israelbezogenen Unternehmen aufgefordert wurde. Eine solche Äußerung fällt eindeutig unter den Schutz der Meinungsfreiheit und darf nicht Grundlage für strafrechtliche oder verwaltungsrechtliche Maßnahmen sein.

Weitere Fälle: Politische Motive als Grundlage?

Ein ähnlich gelagerter Fall ist der des palästinensischen Studenten Mahmoud Khalil. Der Absolvent der Columbia University besitzt eine Greencard und ist mit einer US-Bürgerin verheiratet. Dennoch wird auch ihm die Abschiebung angedroht – unter dem Vorwurf, Flugblätter mit dem Logo der Hamas verteilt zu haben. Seine Anwälte bestreiten dies. Ohne eindeutige Beweise ist eine Ausweisung rechtlich nicht haltbar.

Der Verdacht drängt sich auf, dass politische Ansichten und ethnische Herkunft eine Rolle bei diesen Maßnahmen spielen. Das ist besonders besorgniserregend, weil es den Anschein erweckt, dass Kritik an bestimmten politischen Positionen – etwa zur US-Nahostpolitik – gezielt unterdrückt wird.

Auf dem Weg zur Autokratie?

Diese Entwicklungen werfen die Frage auf, ob sich die USA unter der Regierung von Präsident Donald Trump in Richtung einer autokratischen Staatsform bewegen. Merkmale wie:

  • die Einschränkung der Meinungsfreiheit,
  • die politische Instrumentalisierung der Verwaltung,
  • die Missachtung gerichtlicher Entscheidungen,
  • und die Polarisierung durch populistische Rhetorik

entsprechen klassischen Elementen eines demokratischen Erosionsprozesses. In funktionierenden Demokratien sind Gerichte, Medien, Universitäten und die Zivilgesellschaft zentrale Schutzmechanismen gegen Machtmissbrauch. Werden diese Institutionen systematisch geschwächt oder ignoriert, öffnet das Tür und Tor für autokratische Tendenzen.

Noch sind die demokratischen Institutionen der USA funktionsfähig – der öffentliche Protest gegen die Festnahmen und die Berichterstattung großer Medien zeigen, dass Widerstand möglich ist. Doch das Vorgehen der Regierung stellt eine ernstzunehmende Gefahr für den Rechtsstaat dar.

Fazit

Das gezielte Vorgehen gegen internationale Studierende aufgrund politischer Meinungsäußerungen, der Entzug von Visa ohne nachvollziehbare rechtliche Grundlage und die Missachtung gerichtlicher Anordnungen weisen auf eine Erosion rechtsstaatlicher Strukturen hin. Solche Entwicklungen sind nicht nur problematisch für die Betroffenen, sondern gefährden das Fundament der amerikanischen Demokratie. Wenn Grundrechte wie Meinungsfreiheit und der Anspruch auf ein faires Verfahren nicht mehr für alle gelten, ist die Demokratie selbst in Gefahr.