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Kaufkraftverluste Deutschland: Reale Verarmung trotz sinkender Inflation seit 2020

Kaufkraftverluste Deutschland: Reale Verarmung trotz sinkender Inflation seit 2020

Die Inflation ist gesunken. Die Preise sind es nicht. Das ist der Unterschied, der im politischen Diskurs gerne verwischt wird.

Der Verbraucherpreisindex lag 2024 bei 119,3 Punkten (Basis 2020 = 100). Das bedeutet: Was 2020 hundert Euro kostete, kostete 2024 im Schnitt 119,30 Euro. Eine kumulative Verteuerung von fast 20 Prozent in vier Jahren.

Für Menschen unterhalb der Armutsgrenze hat diese Verteuerung besonders hart zugeschlagen. Ihr mittleres Einkommen lag 2020 bei 981 Euro monatlich — kaufkraftbereinigt waren es 2024 nur noch 921 Euro. Nominell bekamen sie durch Anpassungen etwas mehr. Real hatten sie weniger.

Lebensmittelpreise stiegen in der Spitze um 20 bis 30 Prozent. Energiekosten explodierten 2022 und blieben auf erhöhtem Niveau. Mieten in Ballungsräumen legten weiter zu. Diese drei Posten machen den Großteil des Budgets einkommensschwacher Haushalte aus — und alle drei stiegen überproportional.

Die Inflationsrate liegt 2026 bei 2,8 Prozent — angetrieben durch den Energiepreisschock des Iran-Kriegs. Das klingt moderat. Aber auf ein Preisniveau das bereits 20 Prozent über 2020 liegt, addiert sich auch eine moderate Inflationsrate spürbar.

Gleichzeitig steigen Sozialversicherungsbeiträge. Der Rentenversicherungsbeitrag klettert ab 2028. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Krankenkassen stieg von 0,83 Prozent (2015) auf 2,89 Prozent (2025). Nettolöhne wachsen langsamer als Bruttolöhne.

Die stille Verarmung ist keine Einzelerscheinung. Sie ist ein struktureller Trend mit mehreren Treibern — die alle gleichzeitig drücken.