Neue Studie: Einkauf beim Fachhändler erleichtert langfristigen Umstieg

Neue Studie: Einkauf beim Fachhändler erleichtert langfristigen Umstieg

Neue Studie: Einkauf beim Fachhändler erleichtert langfristigen Umstieg

Eine im März 2015 im International Journal of Environmental Research and Public Health veröffentlichte Studie mit dem Titel „Quit and Smoking Reduction Rates in Vape Shop Consumers: A Prospective 12-Month Survey“ beschäftigt sich mit einer faszinierenden Frage: Inwieweit hat die Verkaufsstelle von Dampf-Zubehör und das diesbezügliche Konsumverhalten von Rauchern einen Einfluss auf den Erfolg des Umstiegs? Oder, anders formuliert: Ist der Umstieg erfolgreicher und langfristiger, wenn Raucher in E-Zigaretten-Fachgeschäften beraten werden und dort einkaufen?

Die Studie wurde anhand von in Italien gemachten Beobachtungen durchgeführt und ist wissenschaftlich betrachtet sicher nicht repräsentativ. Aber sie setzt ein Zeichen – in eine neue Forschungs-, aber auch Denkrichtung. Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: Die Studie hat eine überdurchschnittlich hohe und nachhaltig erfolgreiche Umstiegsquote bei Rauchern festgestellt, die ihren ersten E-Zigaretten– und Liquid-Kauf im stationären Fachhandel getätigt haben.

Dabei befragten Dr. Riccardo Polosa und seine Kollegen Verbraucher beim ersten Shop-Besuch sowie ein Jahr später. Insgesamt wurde die Erhebung in sieben E-Zigaretten-Fachgeschäften in Catania durchgeführt, der mit 315.576 Einwohnern zweitgrößten Stadt Siziliens. Teilgenommen haben 71 Probanden, die zu Beginn der Studie allesamt Raucher waren. 69% der zu Anfang beobachteten Gruppe konnten über ein Jahr lang bis zum Ende begleitet werden. Bei den unterwegs ausgestiegenen Teilnehmern gehen die Wissenschaftler davon aus, dass diese weiter rauchen.

Umsteiger und drastische Tabak-Reduzierer lagen weit über dem generellen Durchschnitt

Als substanziell erfolgreich definierten die Forscher den Anteil der Teilnehmer, der nach Jahresfrist entweder ganz mit dem Rauchen aufgehört oder seinen Tabakkonsum um mindestens 80% reduziert hatte. 40,8% der verbliebenen Teilnehmer hatten nach einem Jahr mit dem Rauchen aufgehört; 15,5% hatten ihren Tabakkonsum substanziell reduziert. Kombiniert betrug die Anzahl der „erfolgreichen“ Verbraucher also 56,3%. Zusätzliche 10% hatten ihren Zigarettenverbrauch um mindestens 50% heruntergefahren. Nur etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmer hatten also keine drastische Reduzierung oder völlige Abstinenz vom Tabakrauchen umgesetzt.

Die Autoren der Studie stellen einen unmittelbaren Zusammenhang her zwischen der ausführlichen, kontinuierlichen Beratung und Auswahl sowie technischen Kompetenz im Fachgeschäft und dem überdurchschnittlich hohen Umstiegserfolg der Teilnehmergruppe. Tatsächlich lassen diese Zahlen nur sehr bedingt einen Rückschluss auf Raucher als homogene Gruppe zu – und sind keinesfalls verallgemeinerbar im Hinblick auf die generelle Effektivität von E-Zigaretten als Hilfe beim Rauch-Stop.

Denn um ein Fachgeschäft aufzusuchen, muss ein Raucher zumindest umstiegswillig sein – oder aber neugierig auf ein Genussmittel, dass viele der Nachteile des Rauchens umgeht und dennoch Nikotin zur Verfügung stellt. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein Raucher mit diesen Ausgangsvoraussetzungen mit dem Tabakrauchen aufhört, sind generell höher als im Falle von Tabakkonsumenten, der keinerlei derartige Ambitionen haben. Darüber hinaus scheint die Studie über keine Kontrollgruppe zu verfügen; die Teilnehmerzahl war zudem sehr begrenzt.

Dennoch lässt sich eine eingegrenzte Allgemeinaussage treffen: Ist ein Raucher motiviert, mit dem Tabakkonsum entweder aufzuhören oder diesem ein alternatives, weniger riskantes Genussmittel zur Seite zu stellen und erwirbt dieser Raucher seine erste (und die darauffolgenden) E-Zigaretten in einem Fachgeschäft, dann liegt die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Einstiegs und potenziellen Umstiegs deutlich über der langfristigen Quote, die ansonsten beobachtbar ist.

Frustrierende Ersterlebnisse könnten verhindert werden

Gleichzeitig ist inzwischen bekannt (wenn auch noch nicht wissenschaftlich ausreichend belegt), dass viele Raucher aufgrund unbefriedigender Initialerlebnisse mit der E-Zigarette eine weitere Dampf-Biographie nicht in Erwägung ziehen. Die Gründe können viele sein: Ausgewählte Liquids haben nicht geschmeckt. Das genutzte Tabakaroma war befremdlich. Das haptische Erlebnis war unbefriedigend. Der Nikotin-Hit war aufgrund des Geräts (Einweg-E-Zigarette), der zu niedrig gewählten Dosis oder dem Zugverhalten enttäuschend. Die Befüllung erschien zu kompliziert.

Das psychologische Crux daran: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Es ist wesentlich leichter, einem Raucher beim ersten Versuch von den Vorteilen des Dampfens zu überzeugen, als ihn (oder sie) nach einem Scheitern wieder an Bord zu holen. Besonders tragisch daran ist (vor allem in Hinblick auf die vertane Chance eines gesünderen Lebens), dass ja keiner der genannten Gründe intrinsisch gegen die E-Zigarette spricht.

Natürlich sind Enttäuschungen nicht in jedem Fall zu vermeiden, auch bei einem Einkauf im Fachhandel nicht. Aber ein guter Verkäufer kennt die Risiken und potenziellen Fallstricke beim Einstieg und kann von Anfang an darauf hinweisen. Er (oder sie) kann im ersten Beratungsgespräch die Erwartungen und Präferenzen des Kunden heraus destillieren und eine individuell abgestimmte Empfehlung aussprechen.

Der Kunde kann sich in Ruhe mit verschiedenen Gerätetypen aller Generationen vertraut machen und diverse Liquids ausprobieren. Der Händler kann bei der ersten Befüllung helfen. Er kann deutlich machen, dass er auch in Zukunft eine direkte Anlaufstelle bei technischen und allen anderen Fragen sein wird. Bestenfalls kann er auch die Angst vor einigen der eventuellen, verhaltenspsychologisch typischen Phänomene nehmen, die der neue Dampfer vielleicht auf sich zukommen sieht.

Im politischen Angriff verdient der Handel Schützenhilfe vom Verbraucher

Übrigens ist dieses positive Beratungsszenario nicht notwendigerweise auf den stationären Handel beschränkt. Viele Online-Shops bieten detailliertes Hintergrundwissen zum Dampfen und telefonische Beratung an. Problematisch sehe ich viel eher zwei andere Einkaufsquellen: Warenhäuser, Kioske, Trinkhallen und andere Verkaufspunkte, an denen nur Einweg-E-Zigaretten und eine Liquidmarke angeboten werden. Hier stehen naturgemäß ungeschulte Verkäufer, es sei denn, sie hätte sich autodidaktisch fortgebildet (ich will niemand unterstellen, dies sei nicht der Fall). Sie haben weder das Wissen noch die Zeit, um Beratungsgespräche zu führen. Oder aber Online-Billigangebote, bei denen der Preis und nicht die Qualität der Ware das Angebot bestimmt.

In Anbetracht dieser ersten Studie sind die derzeitigen politischen Entwicklungen weltweit, in Europa und Deutschland noch besorgniserregender. Die Ratifizierung des durch die EU dekretierten TPD2 wird noch nicht vorhersehbare Einschnitte für den E-Zigaretten-Fachhandel mit sich bringen. Hinzu kommen willkürliche (weil nicht logisch nachvollziehbare) fiskalisch motivierte Schritte von Nationalregierungen wie etwa die Auslagerung des Verkaufs der E-Liquids an Trafiken in Österreich, um deren Umsatzeinbußen durch Rückgänge im Zeitungsverkauf und den abnehmenden Tabakkonsum zu kompensieren.

Umso wichtiger ist es, Freunde und Bekannte auf die unverzichtbaren Vorzüge der Vape-Shops hinzuweisen – oder sie einfach mal dorthin mitzunehmen, gerade dann, wenn sie bereits ein erfolgloses Dampfexperiment hinter sich haben. Auch positive Bewertungen bei Verbraucher-Bewertungsportalen können (wenn vielleicht auch nur minimal) helfen. Für Fachhändler wäre es eine Idee, intern Fragebögen auszulegen; vielleicht könnte auch eine der Dampfer-Interessengemeinschaften eine derartige Befragung initiieren, deren Material sich der Fachhandel dann herunterladen kann und die später deutschlandweit ausgewertet werden könnte.

Weiterführende Links

International Journal of Environmental Research and Public Health

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