Genussmittel und das Immunsystem

Genussmittel eZigarette und das ImmunsystemWie geht das Immunsystem mit E-Zigaretten-Dampf um?

Die Umstellung von Tabak- auf E-Zigaretten ist meistens gesundheitsmotiviert. Zum einen, weil der ‘Genuss’ des Rauchens nachweislich Krebs und andere Krankheiten sowie Zellgewebeschäden verursachen und verschlimmern kann. Zum anderen aber auch, weil Rauchen konstant den Organismus als Ganzes schwächt. Ansteckungen treten wesentlich schneller auf; der Körper erholt sich von allen Krankheiten deutlich schlechter. Dass sich diese Effekte beim Umstieg auf E-Zigaretten häufig verbessern, beobachten viele neuen Dampfer.

Natürlich schwächen auch andere Genussmittel wie Alkohol, Koffein und Zucker den Organismus – genauso wie Schlafentzug und Stress.

Tierversuche an Mäusen und In vitro-Versuche an menschlichen Zellen im Labor haben etwa gezeigt, dass Alkoholkonsum zwei körpereigene Funktionen blockiert, die das Immunsystem zum reibungslosen Funktionieren benötigt. Dabei handelt um den Protein-Rezeptor TLR4, der Abwehrkräfte mobilisiert und um Zykotine, die dem Körper beim Eindringen von infektiösen Keimen signalisieren, dass er sich zum Angriff rüsten soll. Diese Blockade scheint erheblich länger anzudauern als der Rausch durch den Alkohol selbst. Selbst wenn die Substanz Alkohol bereits wieder abgebaut ist, haben Zykotine ihre Funktionsfähigkeit noch nicht voll wiedererlangt.

Beim Rauchen sind die Folgen für das Immunsystem punktueller. Sie erstrecken sich hauptsächlich auf die Teile des Körpers, die unmittelbar mit dem inhalierten Zigarettenrauch in Berührung kommen. Dies gilt in erster Linie für die Bronchien und ihre Flimmerhaare. Diese können die wichtige Funktion der Eindringlingsabwehr und des Abtransportes von Bakterien und Viren, Schimmelpilzen und Dreckpartikeln nicht mehr vollständig ausführen. Der Rauch einer Zigarette reicht aus, um die Flimmerhaare vier Stunden lang in ihrer Funktion extrem zu beeinträchtigen. Hochgerechnet wird klar, dass sie sich selbst bei moderaten Rauchern (die etwa ein Pensum von vier bis fünf Zigaretten täglich nicht überschreiten) schlicht gar nicht mehr erholen können. Sie bleiben in einem Zustand konstanter Gereiztheit.

Die Schleimhaut reagiert auf diesen Notfall mit der kontinuierlichen Produktion zusätzlichen Schleims als Bakterien- und Virenfalle. Diese zunehmende Schleimschicht blockiert die Atemwege und fördert die Entzündungsbildung an den Bronchienwänden. Wird das Rauchen eingestellt, tritt zumindest in den Bronchien relativ schnell Besserung ein. Allerdings können sich, abhängig von Dauer und Intensität des Konsums, auch dauerhafte Einschränkungen der Abwehr entwickelt haben.

Zudem ist es schwierig bis unmöglich, bei gleichzeitigem Konsum von Zigaretten und Alkohol, zu wenig Schlaf und zu viel Stress das Immunsystem durch alternative Wege wieder aufzubauen – etwa durch gesundes Essen, Vitalstoffergänzung oder Bewegung.

Wie verhält sich nun das Immunsystem im Verhältnis zum Dampfen? Tatsächlich ist immer noch unerforscht, wie sich die Inhalation von reinem, unverbrannten Nikotin auf den Körper und sein Abwehrsystem auswirkt. In jedem Fall treten viele der durch die im verbrannten Zigarettentabak enthaltenen Zusatzstoffe wie Teer bedingten Nebenwirkungen zwangsläufig nicht auf. Allerdings kann sich der Dampf elektronischer Zigaretten durchaus auf vorhandene Bakterien auswirken. Bestimmte Keime werden im Wachstum durch den Nikotindampf angeregt und vermehren sich auf den Schleimhäuten schneller. Das kann zu Infektionen führen, weil das Immunsystem mit der plötzlichen Masse der Angreifer nicht mehr zurecht kommt. Dieses Phänomen ist auch vom Tabakzigarettenkonsum bekannt.

Der menschliche Körper wird von einer Vielzahl an Bakterien besiedelt, die ihm dosiert nicht schaden. Es ist ja exakt die Aufgabe des Immunsystems, die verschiedenen Keimkulturen des Organismus im Gleichgewicht zu halten. Es sorgt dafür, dass keine sich überproportional vermehrt. Dies kann es jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt tun: Werden ihm Substanzen zugeführt, die sie einerseits in ihrer Arbeit behindern, andererseits aber bestimmte Keime zum Wachstum anregen, kapituliert die menschliche Abwehr.

Dies ist etwa der Fall beim resistenten Keim Staphylococcus aureus (MRSA), der unsere Schleimhäute bewohnt. Bleibt er dort, vom Immunsystem in Schach gehalten, richtet er keinerlei Schaden an. Vermehrt er sich aber massenhaft, dann dringen die Bakterien in den Blutkreislauf ein und können lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Genau diesen Effekt haben amerikanische Forscher beobachtet: Der Dampf von E-Zigaretten führt zu einer erhöhten MRSA-Vermehrung. Zusätzlich ermöglicht er den Keimen eine Mutation. Sie verdicken ihre Biofilme und passen ihre Zelloberfläche so an, dass sich die Abwehrmoleküle des Körpers nicht mehr anlagern und sie deshalb weder isolieren noch zerstören können.

Das scheint nur eines der immun-relevanten Phänomene von E-Zigaretten-Dampf zu sein. Zusätzlich verändert er auch noch den pH-Wert der Schleimhaut und erleichtert so die Bakterienansiedlung. Allerdings: Bei Mäuseversuchen mit dem Dampf von E-Zigaretten potenzierte sich die Überlebensrate der MRSA-Keime zwar um ein dreifaches, bei Tabakzigaretten aber um ein vierfaches (wie genau das an den Mäusen gemessen wurde und ob diese dafür herhalten sollten, die Nebenwirkungen unserer Suchtmittel ertragen zu müssen, ist eine andere Frage). Zudem ist noch nicht klar, welche Dampfkomponenten eigentlich für die Infektionsförderung verantwortlich sind. Dass und in welchem Umfang es das Nikotin ist, ist nicht abschließend nachgewiesen.

Tatsache ist: Auch Dampfen schadet dem Immunsystem, aber im geringeren Maße als Rauchen. Unschön ist die Kombination mit anderen Genussmitteln, in der Hauptsache Alkohol. Gleichzeitig sollte dem Körper immer ausreichend Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung und ein ausgeglichener Lebensstil vergönnt sein. Ist dem so, dann könnte es sich herausstellen, dass der Körper zumindest in der Lage ist, die negativen Effekte des Dampfens zu kompensieren – was beim Rauchen von Tabakzigaretten schlicht ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Dieser Artikel ist eine Gegendarstellung zum Artikel des scinexx “Das Wissensmagazin” in dem mit reißerischer Aufmachung “E-Zigaretten machen Keime aggressiver” sofort ein negativer Eindruck und eine Abwehrhaltung zum Genussmittel eZigarette aufgebaut wird. Im Ergebnis ist der Artikel des Springer Verlag Unternehmens identisch, nämlich das e-Zigaretten beim Faktor 3 und Tabak beim Faktor 4 liegt.

 

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