Working Poor Deutschland 2025: Warum Arbeit nicht mehr vor Armut schützt
Arbeit schützt vor Armut. Das war lange ein Grundsatz des deutschen Sozialmodells. Er gilt nicht mehr uneingeschränkt.
6,5 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland gelten als armutsgefährdet. Bei Teilzeitbeschäftigten steigt dieser Wert auf 9,6 Prozent. Das Phänomen hat einen Namen: Working Poor — Menschen, die arbeiten und trotzdem arm sind.
Die Armutsgefährdungsgrenze liegt 2025 bei 1.446 Euro netto für Alleinlebende. Wer weniger als 60 Prozent des Median-Äquivalenzeinkommens verdient, gilt als armutsgefährdet. Bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern liegt die Grenze bei 3.036 Euro — eine Schwelle, die viele Haushaltsmit Mindestlöhnen und Teilzeitverträgen nicht erreichen.
Der Mindestlohn wurde 2022 auf 12 Euro angehoben — mit messbarer Wirkung. Die Erwerbsarmutsquote sank von 8,6 Prozent (2021) auf 6,5 Prozent (2024). Das ist ein Erfolg. Er zeigt aber auch: Ohne diese Anhebung wäre die Situation noch deutlich schlechter.
Das strukturelle Problem bleibt. Niedriglohnbranchen wie Einzelhandel, Gastronomie, Pflege und Reinigung beschäftigen Millionen Menschen in Deutschland — oft in Teilzeit, oft mit befristeten Verträgen, oft ohne Aufstiegsperspektive. Wer 20 Jahre Teilzeit gearbeitet hat, erhält eine Rente unterhalb der Grundsicherung.
Hinzu kommt die Mietbelastung. Als überbelastet gilt, wer mehr als 30 Prozent des Einkommens für Wohnen aufwendet. Unter armen Haushalten sind es 37 Prozent. In Ballungsräumen deutlich mehr.
Die Inflation der Jahre 2022 bis 2024 hat die Situation verschärft. Der Verbraucherpreisindex stieg kumulativ um fast 20 Prozent gegenüber 2020. Wer knapp oberhalb der Armutsgrenze lebte, rutschte darunter — nicht weil das Einkommen sank, sondern weil die Kaufkraft es tat.
Working Poor ist kein Randphänomen. Es ist das Ergebnis einer Lohnstruktur, die für viele Menschen nicht trägt.










