Philip Morris verkauft jahrzehntelang defekte Filter

Philip Morris verkauft jahrzehntelang defekte Filter

Philip Morris verkauft jahrzehntelang defekte Filter

Eine der Rechtfertigungen für die nebulösen neuen eZigaretten-Regulierungen war ja die vermeintliche bisherige Abwesenheit von Regeln zur eZigarette. Tatsächlich unterlagen bisher weder die Hardwarekomponenten noch die Liquids nennenswerten Regulierungen hinsichtlich Bauweise oder Inhaltsstoffen, von Lebensmittelbestimmungen mal abgesehen. Sicherlich hat dies in Ausnahmefällen minderwertigere Qualität sowohl im Material, als auch in der Verbauung auf den Markt gebracht. Auch haben Tests immer mal wieder in in außereuropäischen Ländern hergestellten Liquids eine zu hohe Keimbelastung vorgefunden (Diese Gesundheitsgefährdungen sind übrigens nicht zu verwechseln mit individuellen Reizreaktionen. Manche Menschen etwa reagieren irritiert auf Propylenglycol, das aber an sich nicht toxisch, sondern ein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff ist. Diese sollten dann einfach auf Liquids mit reinem Glycerin umsteigen).

Dampfer sind besser informiert

In der Praxis aber sind Dampfer meist außerordentlich gut informiert, was die Qualitätskriterien ihrer Produkte angeht. Das unterscheidet sie essenziell von Zigarettenrauchern, die häufig nur eine diffuse Idee haben, welche Gefahren von ihren Zigaretten außer dem enthaltenen Nikotin

ausgehen könnten. In dieser Hinsicht ist das Verhältnis von Dampfern zu Rauchern vergleichbar mit dem von Veganern zu Fleischessern: Beide haben den Prozess einer bewussten Loslösung von einem Konsumverhalten durchlaufen und sind nun bestens informiert hinsichtlich der Parameter ihrer neuen Gewohnheiten (tierproduktloses Essen bzw. Dampfen). Dieses vom Konsumenten kommende Bedürfnis nach Transparenz und hochwertigem Konsumgut ist der wirklich wirksame Filter, der eine zunehmend hohe Qualität der Dampfprodukte gewährleistet – nicht die Regulierungswut der EU.

Das bedeutet auch: Dampfer sind einfach wesentlich weniger leicht aufs Glatteis zu führen als Raucher. Wie sehr sich die großen Tabakkonzerne das Verdrängungsbedürfnis und die Naivität von Zigarettenrauchern zu Nutze machen, zeigt das Beispiel Philip Morris. Es belegt auch, dass Zigaretten über Jahrzehnte an sämtlichen nationalen und supranationalen Qualitätstests vorbei produziert werden konnten – und, betrachtet man das Ausmaß an entsprechender Lobbyarbeit in EU-Korridoren – wahrscheinlich heute noch hergestellt werden.

Fehlerhafte Zigarettenfilter seit 1957

Dieser spezielle Fall stellt sich dar wie folgt. Im Jahr 1957, also sehr früh in ihrer Unternehmensgeschichte und bereits sieben Jahre, nachdem Filterzigaretten überhaupt eingeführt worden waren, wurde Philip Morris über deren potenzielle Gesundheitsgefährdung in Kenntnis gesetzt. In diesem Jahr lag dem Tabakkonzern ein Memo vor, dem zufolge inhalierte Filterpartikel Silikose (Staublunge) verursachen können. Es stammte von der Mitarbeiterin Anne C. Stubing und war an den damaligen Philip Morris Präsidenten O.P. Comas gerichtet. Darin wurde ein Treffen zwischen führenden Mitarbeitern der Tabakindustrie und Herstellern protokolliert. Während des Meetings wurden Sorgen hinsichtlich der Gefahren bei Nutzung von Celluloseacetat für die Filterherstellung laut. Das Memo führte aus, dass dieses, einmal geschnitten, immer Fasern abgeben würde, die automatisch inhaliert werden und dann in den Lungen des Rauchers zu Silikose führen können.

Das Unternehmen unternahm jedoch keinerlei Anstrengungen, aufgrund dieser Aussage ihre Produkte zu optimieren oder aber die Öffentlichkeit über dieses Risiko aufzuklären. Dies heißt aber nicht, dass der Konzern hinsichtlich des Themas untätig geblieben wäre. Zwischen 1961 und 1999 veranlasste Philip Morris sogenannte „Fall-out“-Studien, in denen es explizit um die austretenden Fasern von Zigarettenfiltern ging. Dies geht aus einer Untersuchung hervor, die leitende Wissenschaftler des renommierten Roswell Park Cancer Institute in Buffalo, N.Y. vorgelegt haben.

Bei diesen Studien handelte es sich explizit weder um das Aussehen der Zigarette noch um ihre Funktion; genug Grund, um davon auszugehen, dass Philip Morris das Ausmaß der potenziellen Schädigungen durch die Fasern getestet und dieses dann kontinuierlich über Jahre Konsumenten verschwiegen hat, so John Pauly, der leitende Wissenschaftler der Untersuchung. Mitautor Michael Cummings, Vorsitzender der institutseigenen Abteilung zur Krebsvorsorge fügt hinzu, dass absolut keine Anstrengung unternommen wurde, die notwendigen Änderungen am Filter vorzunehmen.

PMI streitet ab

Auf Anfragen äußerte ein Sprecher des Konzerns, dass ihm keinerlei Datenmaterial vorläge, welches auf eine von den Filtern ausgehende Gefahr hindeuten würde. Den Roswell Park Wissenschaftlern lagen allerdings 61 interne Philip Morris – Memoranden vor, die von 1957 bis 1994 datiert waren und sich alle mit dem Filter-„Fall-out“ beschäftigen – ein Begriff, den das Unternehmen extra erfand, um die Celluloseacetat-Fasern in allen Zigarettenfiltern und das spezifisch in Aktivkohlefiltern vorkommende Aktivkohlegranulat zu beschreiben. Die Forscher schlossen hieraus, dass auch alle anderen großen Tabakfirmen sich der potenziellen Risiken bewusst sein mussten.

Pikanterweise begannen die Studien genau zu der Zeit, als Philip Morris seine neuen Filter mit der Botschaft bewarb, dass sie Zigaretten sicherer für Konsumenten machen würden – von der das Unternehmen auch nie abgerückt ist. Brendan McCormick, in den 1990ern Media Relations Manager beim Konzern, gab zwar zu, dass Partikel tatsächlich aus dem Filter ‚fallen‘. Er fügte aber hinzu, dass nur wenige davon tatsächlich inhaliert werden und dass Studien keine entsprechende Penetration der Lunge aufzeigen würden. Filter seien also den Erkenntnissen des Konzerns nach keine zusätzliche Gesundheitsgefahr für Konsumenten. Tatsächlich wurden aber bei diversen Lungenkrebspatienten Faserreste in den Lungen gefunden. Gleichzeitig wurden in den letzten vierzig Jahren diverse internationale Patente angemeldet, die Zigarettenfilter wenn auch teurer, dann doch viel sicherer machen würden. Philip Morris jedoch produzierte bis Ende der 1990er dieselben Filter wie vierzig Jahre zuvor.

40 Jahre wurde defekte Zigaretten-Filter als gesundheitsschonend vermarktet

Zusammenfassend wusste der Konzern (und die ganze Tabakindustrie mit ihm) vierzig Jahre lang, dass die als gesundheitsschonend vermarkteten Filter ein Gesundheitsrisiko darstellen, ohne etwas dagegen zu tun (obwohl die entsprechende Technologie zur Verfügung gestanden hätte) oder dies der Öffentlichkeit mitzuteilen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies nur symptomatisch für den tatsächlichen Wissensstand der Tabakkonzern hinsichtlich der Gefährlichkeit ihrer Produkte ist, ist groß. Das Problem daran: Raucher fragen auch viel seltener nach, analysieren ihr Produkt selbst zu wenig und sind einer mächtigen Lobby ausgesetzt, die bewusst und mit viel Geld im Rücken Fehlinformationen streut – alle essenzielle Faktoren, die sie von Dampfern im Kern unterscheiden. Nicht nur deshalb führen Dampfer das gesündere Leben – und sollten Tabakkonzerne noch mehr als bisher zur Rechenschaft gezogen und kontrolliert werden.

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