Zigaretten im Wandel

Frau mit elektrischer Zigarette

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Endlich scheint dieser berühmte Ausspruch von Victor Hugo (der übrigens ein passionierter Raucher war und solche Aphorismen prägte wie ‚Tabak verwandelt Gedanken in Träume‘) auch auf die elektronischen Zigaretten zuzutreffen.

Dass es sich beim Dampfen um eine exzellente Idee handelt, dessen war sich schon der Erfinder des heutigen E-Zigarettenprinzips, der Chinese Hon Lin, 2002 bewusst. Seitdem bestätigen dies Tausende von ehemaligen Tabakzigarettenkonsumenten, deren Lebensqualität und Erwartung sich durch den Umstieg aufs Dampfen entscheidend verbessert haben.

Dennoch ist es ein faszinierendes Phänomen, dass das Dampfen mit seinem offensichtlichen Potenzial zu einer positiven Revolution, erst an einen Tipping Point kommen musste, um allgemeine Akzeptanz zu erfahren. Ein Tipping Point bezeichnet einen Moment, an dem eine öffentliche Meinung plötzlich in ihr Gegenteil umschlägt – und ein zuvor geächtetes Phänomen mit einem Mal positiv bewertet wird oder umgekehrt. Während letzteres der Tabakzigarette vor allem in den USA in den letzten Jahren widerfahren ist, scheint nun der zum Glück umgekehrte Akzeptanz-Zeitpunkt für die E-Zigarette gekommen zu sein.

Dass ein Tipping Point auftritt, zeigt sich durch eine ganze Reihe von gleichzeitig auftretenden Symptomen, die so etwas wie eine Gesamtatmosphäre erzeugen. Im Fall des Dampfens scheinen wir momentan tatsächlich an einem solch revolutionären Moment teilzuhaben. Da ist einmal die Aufnahme der E-Zigaretten in das Vertriebssortiment von Lekkerland, mit 60.000 Abnehmern der führende Großhändler von Tabakprodukten.

Positive Berichterstattungen zur eZigarette

Dann zeigt sich eine erstaunliche positive Bewertung der eCigarette durch die großen, übernationalen Medien. Die ‚Bild‘, nicht immer zum Vorteil der Allgemeinbildung das prägende Meinungsmagazin des Landes, hatte sich zuvor hauptsächlich durch Schocker-Nachrichten über explodierende Dampfgeräte hervorgetan. Nun hat das Blatt nicht nur negativ über Nikotinersatzstoffe geschrieben, sondern auch die eZigarette explizit gelobt.In seiner Ausgabe 22/2014 hat das Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘ einen exzellenten und ermutigenden Artikel zum Thema eCigarette und den Vorteilen des Dampfens gebracht. Er enthält eine der präzisesten psychologischen Analysen hinsichtlich der Motivation von Dampfkritikern, die ich je gelesen habe. Tatsächlich ist es ja so, dass sich Tabakgegner mit einer ähnlichen Vehemenz wie Dampfer, dafür aber zusätzlich seit Jahrzehnten, in einem Kampf gegen mächtige Drogenkartelle (denn nicht anderes sind die Tabakkonzerne) aufgerieben haben. Ihre Zielsetzung war immer klar: Weg mit der Tabakzigarette, totale Abstinenz vom Nikotinkonsum.

Nun kommt die E-Zigarette als nikotinhaltige Alternative, die auch an der Tabakindustrie vorbei produziert werden kann und bringt dieses in Stein gemeißelte schwarz-weiss Bild gehörig ins Wanken. Plötzlich geht es nicht mehr um die Selbstdisziplin des kalten Entzugs und einer heroischen Abwendung von der Sucht. Nun bietet sich die Option eines Nikotinkonsums, der unter Umständen (genau wissen wir es ja noch nicht) nicht tötet, sondern ähnlich moderat ins Leben integrierbar ist wie Alkohol oder Koffein. Die Möglichkeit dieses lebenswerten Kompromisses bringt Fundamentalisten natürlich auf die Palme – denn er bringt ihr komplettes Weltbild ins Wanken.

Dennoch muss man dieser messerscharfen Analyse noch etwas hinzufügen. Ohne die unermüdliche Arbeit radikaler Anti-Tabakgegner, die auch Dampfern jetzt vorübergehend das Leben schwer machen, wäre die gegenwärtige positive Ausgangssituation für E-Zigaretten vielleicht nie möglich geworden. Es ist außerdem zu beobachten, dass auch ehemalige Hardliner nun umschwenken – ein ganz typisches und elementares Symptom, dass ein Tipping Point erreicht ist.

Aus dem Herzen der Anti-Tabakbewegung

So kommt eine der erstaunlichsten Wendungen aus dem Herzen der Anti-Tabak-Bewegung (die unlogischerweise das Dampfen bisher eingeschlossen hatte), nämlich von einer führenden Mitarbeiterin des Deutschen Krebsforschungszentrums, Frau Martina Pötschke-Langer. Sie hat die eZigarette lange Zeit schlichtweg für eine Gefahr für die Menschheit erklärt. Nun ist sie in einem im Mai 2014 mit der ‚Deutschen Welle‚ geführten Interview umgeschwenkt. Dort bestätigt sie, es sei ’sonnenklar‘, dass die E-Zigarette für „starke Raucher, die es absolut nicht schaffen aufzuhören und die deswegen verzweifelt sind“ eine empfehlenswerte Alternative darstelle. Der Grund: „Bevor ein starker Raucher das Giftgemisch einer Tabakzigarette zu sich nimmt, ist die E-Zigarette tatsächlich mit einer Risikoreduzierung verbunden.“

Zwar relativiert sie dies Aussage durch die noch unwiderlegbare Argumentation, dass Dampfer an einem „Langzeitversuch mit ungewissem Ausgang teilnehmen“. Es sei einfach noch zu wenig über die Folgen von E-Zigaretten Dauerkonsum für das Bronchialgewebe und den menschlichen Organismus bekannt. Für den Kurzzeitgebrauch sind ihrer Aussage nach E-Zigaretten aber sogar ungefährlich – nur für den Langzeitgebrauch sei Vorsicht geboten, bis entsprechende Studien vorlägen. Und sie fügt hinzu, dass es ein vordringliches Anliegen von Industrie und Gesetzgeber sein muss, für reine Produkte ohne Krebs erzeugende Substanzen zu sorgen. Dies sind jedoch ganz andere Töne als die, dass nikotinhaltige E-Zigaretten per se schädlich seien. Stattdessen sind es gemäßigte und absolut unterstreichbare Aussagen, die offensichtlich der eCigarette den Weg zu einer gangbaren Alternative zur krebserzeugenden Tabakverbrennung ebnen – genau die Aussagen also, die man von einem Krebsforschungsinstitut auch erwarten können sollte.
Die Frage stellt sich nun: Woher kommt dieser unerwartete Stimmungswandel? Wie wir wissen, werden die großen Tabakkonzerne voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte mit ihren Produkten auf dem Markt erscheinen. Wer notwendiger-, weil meistens zutreffenderweise daran gewohnt ist, hinter jeder Wahrnehmungsveränderung des Tabakproduktemarktes die emsige Arbeit der Tabaklobbyisten zu sehen, wird hier einen Zusammenhang vermuten.

Ich aber glaube nicht daran. Das ist vielleicht naiv bis über-optimistisch, aber ich halte es mehr mit der Beitragsüberschrift: Nicht ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Nicht, weil die E-Zigarette und alle Dampfer es verdient hätten, dass ihr nun schon jahrelanges Hinreden an ihr Umfeld und ihr Versuchskaninchenstatus sich endlich auszahlen. Das natürlich auch. Ich denke aber eher, es handelt sich hier um ein systemisches Phänomen: Wenn etwas funktioniert, bedingen die evolutionären Kräfte eines Systems, dass dieses den neuen Mechanismus integriert. Das kann dauern: Paradigmen wehren sich gegen die eigene Zerstörung. Aber sie halten der normativen Wucht des Faktischen eben auch nicht auf ewig stand. Und Fakt ist nun mal: Dampfen rettet Leben – und macht das Leben schöner. Willkommen in der Realität.

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