Solarlack: Wie Photovoltaik-Autolack Elektroautos effizienter macht
Was ist Solarlack – und warum spricht die Autoindustrie davon?
Solarlack, oft auch als Solarfarbe oder photovoltaischer Autolack bezeichnet, ist eine neuartige Beschichtung, die Karosseriebleche in aktive Solarflächen verwandelt. Statt klassischer Module auf dem Dach wird eine ultradünne Photovoltaik-Schicht direkt auf die Karosserie aufgetragen – ähnlich einer pastösen Farbe. Hersteller und Zulieferer testen derzeit Beschichtungen, die nur wenige Mikrometer dick sind, also deutlich dünner als ein menschliches Haar – und dennoch genug Energie liefern, um Bordverbraucher oder Teile der Traktionsbatterie zu versorgen.
Funktionsweise: Photovoltaik in der Lackschicht
Technisch besteht Solarlack aus einer aktiven PV-Schicht, die Sonnenlicht in Strom umwandelt, sowie einer darüberliegenden Schutzschicht mit Nanopartikeln. Diese Deckschicht lässt einen Großteil der Sonnenenergie zur Solar-Schicht hindurch und kann trotzdem in verschiedenen Farben getönt werden – das Fahrzeug behält also seine gewohnte Optik und Markenidentität.
Die Umwandlungseffizienz solcher integrierten Solarzellen liegt – je nach eingesetzter Technologie – im Bereich heutiger Standard-Solarmodule. Der erzeugte Strom kann entweder direkt Nebenverbraucher wie Bordelektronik, Klimatisierung oder Standheizung versorgen oder in der Hochvolt-Batterie gespeichert werden. Entscheidend aus Sicht der Hersteller: Das Fahrzeug produziert auch dann Energie, wenn es auf einem Firmenparkplatz oder an der Straße in der Sonne steht.
Zusätzliche Reichweite ohne Ladekabel
Je größer die beschichtete Fläche und je sonniger der Standort, desto stärker der Effekt. In Szenarienrechnungen zeigt sich, dass ein Elektrofahrzeug mit solaraktivem Lack mehrere hundert bis einige tausend Kilometer zusätzliche Reichweite pro Jahr gewinnen kann – abhängig von Fahrzeuggröße, Fahrprofil und Sonneneinstrahlung.
Für Flottenbetreiber, Carsharing-Anbieter und Logistiker kann das einen messbaren Unterschied machen:
- Weniger Ladezyklen und geringere Lastspitzen im Depot,
- leicht sinkende Stromkosten pro gefahrenem Kilometer,
- eine verbesserte CO2-Bilanz in Nachhaltigkeits- und ESG-Berichten.
Damit wird Solarlack zwar kein Ersatz für Schnelllader oder Hochleistungs-Batterien, aber ein potenziell spannender Effizienzbaustein – insbesondere in Märkten mit hoher Sonneneinstrahlung und hohen Strompreisen.
Abgrenzung: Solarlack für Kollektoren vs. Solarlack fürs Auto
Der Begriff „Solarlack“ ist in der Energiewelt nicht neu: In der Solarthermie bezeichnet er seit Jahren hitzebeständige, meist schwarze Beschichtungen für Metall- und Kunststoffkollektoren. Diese Lacke sind darauf optimiert, möglichst viel Sonnenenergie als Wärme zu absorbieren und Temperaturen von weit über 160 °C auszuhalten – etwa für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung.
Der automobile Solarlack verfolgt ein anderes Ziel: Hier geht es um die direkte Stromerzeugung durch integrierte Photovoltaik. Beide Ansätze eint jedoch dieselbe Grundidee – jede verfügbare Oberfläche zu einem Energielieferanten zu machen, egal ob auf dem Hausdach, an der Fassade oder auf der Fahrzeugkarosserie.
Chancen, Geschäftsmodelle und Herausforderungen
Für die Autoindustrie und ihre Zulieferer eröffnet Solarlack mehrere strategische Optionen:
- Produktdifferenzierung: Fahrzeugmodelle mit „Energy Skin“ oder „Solar Skin“ lassen sich als besonders effiziente, vernetzte Stromspeicher vermarkten.
- Neue Erlösquellen: Lizenzmodelle für Lacktechnologien, lang laufende Serviceverträge oder Upgrades im Aftermarket werden denkbar.
- ESG- und Regulierungsvorteile: Jede zusätzlich erzeugte Kilowattstunde hilft, Flottenemissionen zu senken und künftige CO2-Vorgaben zu erfüllen.
Dem gegenüber stehen jedoch klare Herausforderungen:
- Skalierung und Kosten: Die industrielle Fertigung solaraktiver Lacke mit gleichbleibender Qualität ist komplex. Erst bei hohen Stückzahlen sinken Material- und Prozesskosten.
- Lebensdauer und Robustheit: Die PV-Schicht muss über viele Jahre UV-Strahlung, Temperaturwechsel, Steinschlag, Waschanlagen und Chemikalien aushalten – ohne deutlich an Leistung zu verlieren.
- Integration in die Fahrzeugarchitektur: Elektrische Anbindung, Sicherheitskonzepte, Reparatur- und Lackierprozesse müssen neu gedacht und in bestehende Produktionslinien integriert werden.
Fazit: Nischenlösung oder Baustein im Energiesystem?
Ob Solarlack zum Massenphänomen oder eine hoch spezialisierte Nischenlösung wird, hängt weniger von der Physik ab als von Kosten, Regulierung und industrieller Umsetzung. Klar ist: In einer Welt, in der Fahrzeuge, Gebäude und Netze zunehmend vernetzt sind, gewinnen Oberflächen, die selbst Energie erzeugen, strategisch an Bedeutung.
Für OEMs, Zulieferer und Investoren ist Solarlack daher ein Thema, das man im Blick behalten sollte – nicht als singuläre Wundertechnologie, sondern als weiteren Baustein in einem Mobilitäts- und Energiesystem, in dem nichts mehr „nur“ Oberfläche ist.







