Frankreich macht Front gegen Tabak und Dampfer

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Frankreich macht Front gegen Tabak und Dampfer

Es scheint fast so, als teilten sich die Gesundheitsbehörden auf diesem Planeten gerade in zwei Parteien auf. Da sind jene, die E-Zigaretten bei aller Vorsicht für ein legitimes und nachweisbar wirksames Mittel

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zur Nikontinentwöhnung halten, weil sie sich der Milliarden an eingesparten Gesundheitskosten bewusst sind, die mit einer derartigen Pro-Dampf-Politik einher gehen würden. Und da sind die anderen, für die elektrische Zigaretten mit Nikotinliquids nur ein neues Gesicht des Teufels „Tabak“ und eine potenzielle Einstiegsdroge sind und genauso rigoros bekämpft werden müssen.

Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Touraine gehört zu letzterer Fraktion. Sie hat soeben ein Gesetz ausgearbeitet, das im Zuge einer allgemeinen Beschränkung des Zigarettenmarketings auch einige wesentliche Einschränkungen für E-Zigaretten vorsieht. Es ist exakt diese automatische Gleichstellung von Tabakrauchen und Dampfen, die so problematisch wie unaufgeklärt ist. Denn inzwischen gibt es ausreichend Studien, die die essenziellen Unterschiede zwischen diesen beiden Formen des Nikotingenusses deutlich machen, nämlich die Anzahl der enthaltenen Zusatzstoffe und die Folgeerscheinungen des Verbrennens versus des Inhalierens von Dampf.

Dessen ungeachtet, will Marisol Touraine ein generelles Dampfverbot an öffentlichen Plätzen durchsetzen. In der Praxis würde damit schlicht das bereits in Frankreich bestehende Verbot des Tabakzigarettenrauchens in der Öffentlichkeit auf elektrische Zigaretten ausgedehnt werden. Damit wäre Frankreich das erste europäische Land mit einem derartigen Verbot, ungeachtet der etwa 73.000 französischen Raucher, die jedes Jahr an zigarettenbedingten Erkrankungen sterben.

Touraine orientiert sich mit dem Gesetzesentwurf an der Stadt New York, in der seit Ende April diesen Jahres das Rauchen von Tabakzigaretten und E-Zigaretten an öffentlichen Plätzen genauso wie in der Gastronomie und selbst am Strand gleichermaßen untersagt ist. Begründen tut Touraine ihren Vorstoß mit dem bekannten Nachahmer-Argument. Ihrer Meinung nach würde die „Geste des Rauchens“, die mit den E-Zigaretten einhergeht, wieder Lust auf das Rauchen an sich machen und so auch den Tabakkonsum erneut in die Höhe treiben. Verlässliche statistische Zahlen hierfür liefert die Gesundheitsministerin aber nicht.

Gleichzeitig, so deuten es französische Medienberichte an, will Touraine auch die E-Zigaretten dem strikten Werbeverbot unterstellen, das Tabakzigaretten heute schon trifft. Auch dem Packaging von Tabak- und elektronischen Zigaretten solle es kollektiv an den Kragen gehen. Touraine plant ein Verbot von Zigarettenschachteln und eCigarette-Verpackungen unter Nutzung der Markenlogos und einer werberischen, farblich ansprechenden Design. Stattdessen sollen zumindest Tabakzigaretten, wie bereits in Australien, in absolut neutralen Packungen abgegeben werden, auf denen lediglich die von der EU zur Einführung in 2016 beschlossenen Schockbilder zu sehen sein sollen. E-Zigaretten Verpackungen sollen zu einem hohen Prozentsatz ebenfalls diesen Regulierungen entsprechen.

Ziel dieser Maßnahme: Vor allem Jugendliche sollen nicht mehr von der visuellen Umsetzung des positiven Brand-Images einer Marke wie etwa Marlboro zum Rauchen animiert werden. Umfragen haben allerdings ergeben, dass dies sowieso äußerst selten der Fall ist. Von jugendlichen Rauchanfängern hat nur ein verschwindend geringer Prozentsatz die Attraktivität der Aufmachung und die Werbung als Auslöser des ersten Griffs zur Zigarette angegeben. In den meisten Fällen gab der Kontakt zu anderen rauchenden Jugendlichen den Ausschlag.

Die renommierte französische Tageszeitung „Der Figaro“ will außerdem in Erfahrung gebracht haben, dass das Gesundheitsministerium durch eine entsprechende Anpassung der momentanen Gesetzgebung Schadenersatzsammelklagen gegen Tabakhersteller leichter machen möchte. Auch hierbei orientiert sich Touraine klar am amerikanischen Vorbild. Ob diese Möglichkeit auch für die Hersteller von E-Zigaretten und vor allem Liquid gilt, ist noch nicht ganz klar. Dies allerdings wäre fatal, vor allem für kleinere Hersteller, für die schon die Anwaltskosten zur Klageabwehr ein Konkursgrund sein könnten.

Auf einen besonders paradoxen Aspekt der neuen Vorlage weist der Verband der französischen Tabakhändler hin. Trotz der offensichtlichen Bemühungen, E-Zigaretten und Tabakzigaretten im Hinblick auf die gesetzlichen Einschränkungen gleichzustellen, profitiert nicht mal die einzige mögliche Berufsgruppe von dieser logischen Absurdität. Pascal Montredon, Präsident des Verbandes der französische Tabakhändler, beklagt, dass elektrische Zigaretten trotz der Gleichstellung mit Tabak nicht exklusiv nur von Tabakhändlern angeboten werden dürften – ein Vorschlag, der ihrer Meinung nach auch rein logisch in die neue Legislative mit hätte aufgenommen werden sollen, aber schlicht ignoriert wurde. Die geschätzten eine Million französischen Dampfer könnten so seiner Meinung nach die Insolvenzen und die zunehmende Arbeitslosigkeit vieler ehemaliger Tabakhändler aufhalten helfen, die unter der rasant steigenden Tabaksteuer extrem zu leiden haben.

Dieser Aussage stehen natürlich die der vielen französischen Online-eCigarette-Shops gegenüber, deren Existenz durch eine solche Regulierung ebenfalls gefährdet wäre. Sie machen sich aber viel mehr Sorgen über die Konsequenzen des Dampf-Verbots in der Öffentlichkeit – nicht zuletzt, weil sie selber häufig einen E-Zigaretten-Vertrieb an Bars, Restaurants, Clubs und Hotels betreiben. So sagt etwa Darren Moon, Betreiber von Vapshop.fr voraus, dass er etwa 20% seines gegenwärtigen Geschäfts durch die neue Regelung verlieren würde und er deshalb selbst Vertriebsmitarbeiter gehen lassen müsste.

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