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China plant riesiges Radioteleskop-Array auf der Rückseite des Mondes

China plant riesiges Radioteleskop-Array auf der Rückseite des Mondes

Ein ambitioniertes Projekt soll den Blick in die früheste Epoche des Universums ermöglichen – fernab irdischer Störungen.

Wissenschaftler aus China haben ein wegweisendes Projekt vorgeschlagen, das der Weltraumforschung neue Perspektiven eröffnen könnte: den Bau eines ultralangwelligen Radioteleskop-Arrays auf der Rückseite des Mondes. Sollte es umgesetzt werden, wäre es das erste funktionierende Radioobservatorium auf dem Mond – und ein bedeutender Fortschritt in der internationalen Astronomie.

Radiowellen aus der Tiefe des Kosmos

Das geplante Teleskop-Array soll 7.200 schmetterlingsförmige Drahtantennen umfassen und sich über eine Fläche von rund 30 Kilometern Durchmesser erstrecken. Ziel ist es, extrem niederfrequente Radiowellen zu empfangen, die auf der Erde durch die Atmosphäre und technische Störungen kaum messbar sind. Diese Signale stammen aus der Frühzeit des Universums – insbesondere aus der Phase vor der Entstehung der ersten Sterne, dem sogenannten „kosmischen Dunkelzeitalter“.

Die Forscher von der China Academy of Space Technology in Xi’an und dem Shanghai Astronomical Observatory betonen die wissenschaftliche Relevanz: Das Array mit einer effektiven Sammelfläche von 0,1 Quadratkilometern könne eine Empfindlichkeit und Auflösung erreichen, die bislang unerreichbar war. Neben Erkenntnissen über die Frühgeschichte des Universums sollen auch neue Exoplaneten entdeckt werden.

Drei Phasen bis zur Vollendung

Das Projekt ist in drei Phasen gegliedert. In der ersten Phase sollen 16 Antennen in einer 4×4-Konfiguration durch die unbemannten Mondmissionen Chang’e-7 und Chang’e-8 platziert werden. Diese erste Einheit soll binnen ein bis drei Jahren vor allem den niederfrequenten kosmischen Radiohintergrund kartieren. Der Einsatz erfolgt entweder landerbasiert oder durch robotergestützte Montage.

In Phase zwei sollen rund 100 Antenneneinheiten installiert werden – mithilfe mehrerer Raketenstarts und bemannter Missionen. Astronauten würden die Antennen im Rahmen von Außenbordeinsätzen auf der Mondoberfläche ausfahren. Diese Ausbaustufe soll drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen und erlaubt erstmals tiefere Einblicke in die Prozesse der frühen Sternentstehung.

Die dritte Phase sieht die vollständige Stationierung aller Antennen mit Unterstützung der Internationalen Mondforschungsstation vor, die von China initiiert wird und bis 2035 Gestalt annehmen soll. Die Wissenschaftler rechnen mit einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren für die endgültige Fertigstellung des Arrays.

Technische Herausforderungen und strategische Bedeutung

Die Auswahl eines geeigneten Bauplatzes ist nicht trivial. Zwar bietet die Rückseite des Mondes eine weitgehend störungsfreie Umgebung, doch das Gelände – insbesondere nahe dem Mondsüdpol, wo die Forschungsstation geplant ist – ist zerklüftet und uneben. Daher schlagen die Forscher einen schrittweisen Aufbau vor, bei dem jedes Entwicklungsstadium wissenschaftliche Resultate liefert und neue Technologien erprobt werden.

Das Projekt ist laut den beteiligten Wissenschaftlern ein hochkomplexes Unterfangen, das Innovationen in vielen Bereichen – von Robotik über Kommunikation bis zur Logistik – notwendig macht. Es bietet jedoch nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch geopolitischen Mehrwert: Mit dem Radioteleskop-Array könnte China seine Position in der globalen Weltraumforschung erheblich stärken.

Internationale Konkurrenz: Nasa-Projekt mit ähnlichen Zielen

Auch die USA verfolgen ähnliche Pläne. Im Jahr 2021 schlugen Nasa-Ingenieure im Rahmen des Innovative Advanced Concepts Programms den Bau eines 1 Kilometer breiten Lunar Crater Radio Telescopes vor. Dabei sollte ein Krater auf der Mondrückseite mit einem Drahtnetz überzogen werden, das von kletternden Robotern gespannt wird.

Auf der Erde entstehen derzeit ebenfalls große Radioteleskop-Netzwerke wie das Square Kilometre Array (SKA). Diese sind zwar leistungsfähig, stoßen jedoch bei der Erfassung ultraniederfrequenter Signale an natürliche und menschengemachte Grenzen. Der Mond bietet hier eine ideale Umgebung, um diese Hindernisse zu umgehen.

Fazit

Mit dem geplanten Radioteleskop-Array auf der Rückseite des Mondes könnte China eine neue Ära in der astronomischen Forschung einläuten. Das ambitionierte Vorhaben soll nicht nur bahnbrechende Erkenntnisse über das frühe Universum liefern, sondern auch Chinas Rolle als führende Nation in der Weltraumwissenschaft festigen.


Titelbild: Nasa / Saptarshi Bandyopadhyay