Rüstungshaushalt 2026: 100 Milliarden Euro — was Verteidigung im Sozialstaat verdrängt
100,9 Milliarden Euro. So viel ist im Bundeshaushalt 2026 für Verteidigung und Sicherheit veranschlagt. Das sind 28,7 Milliarden mehr als im Vorjahr. Der stärkste Ausgabenanstieg in einer einzelnen Haushaltskategorie seit Jahrzehnten.
Die Verfassungsänderung machte es möglich: Verteidigungsausgaben über einem Prozent des BIP sind von der Schuldenbremse ausgenommen. Das Ergebnis ist eine neue fiskalische Realität. Deutschland nimmt 2026 Nettokredite von rund 98 Milliarden Euro auf. Der Bruttoschuldenstand steigt auf über 67 Prozent des BIP.
Das Problem liegt nicht im Ob der Rüstungsausgaben — geopolitische Realitäten haben sich verändert. Das Problem liegt im Was-nicht-mehr-geht. Jeder Euro für Rüstung ist ein Euro, der nicht für Infrastruktur, Bildung, Pflege oder soziale Sicherungssysteme zur Verfügung steht.
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute warnen in der Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 ausdrücklich vor langfristigen Risiken für die Stabilität der Staatsfinanzen und erheblichen Konsolidierungserfordernissen zum Ende des Jahrzehnts. Mit anderen Worten: Was jetzt ausgegeben wird, muss irgendwann eingespart werden.
Die Sparoptionen sind begrenzt. Rüstungsausgaben werden nicht gesenkt solange die geopolitische Lage anhält. Rentenausgaben sind gesetzlich garantiert. Zinslasten sind nicht verhandelbar. Was bleibt, sind Sozialleistungen, Bildung, Infrastruktur.
Hinzu kommt der aktuelle Inflationsdruck durch den Iran-Krieg: Die Gemeinschaftsdiagnose erwartet für 2026 eine Inflationsrate von 2,8 Prozent — primär getrieben durch Energiepreise. Das entzieht Haushalten Kaufkraft, während der Staat gleichzeitig die Neuverschuldung ausweitet.
Sicherheit kostet. Aber Sicherheitspolitik ohne Verteilungsdiskussion ist unvollständig.









