Pseudowissenschaft in der E-Zigaretten-Politik

Pseudowissenschaft in der E-Zigaretten-Politik

Bild: Pseudowissenschaft (Flickr Creative Commons Image via Arallyn!)

Wie entlarve ich pseudo-wissenschaftliche Dampf-Kritik?

Eine Herausforderung in der Durchsetzung der E-Zigarette sind scheinbar wissenschaftliche Studien, die wahlweise deren Gefährlichkeit, Tödlichkeit oder Sucht-Potenzial belegen sollen. Diese stammen häufig von renommierten Organisationen, die sich in vielen Fällen seit Jahrzehnten um die Durchsetzung einer Anti-Tabak-Politik bemühen.

Letzteres macht die Sache umso komplexer: Je scheinbar untadeliger der Ruf des publizierenden wissenschaftlichen Magazins, beteiligten Forscherteams und der akademischen Einrichtung, desto ungehemmter stürzen sich die Mainstream-Medien auf das veröffentlichte Material und plustern es guten Gewissens zu einer unfehlbaren Wahrheit auf, die von genügend Menschen geglaubt wird.

Diese Autoritäts- und Mediengläubigkeit ist eine der zentralen Gründe, warum sich gleichzeitig mit einer steigenden Zahl an zufriedenen, vom Tabakkonsum genesenden Dampfern die öffentliche Meinung hinsichtlich der Risiken der E-Zigarette für Konsumenten, Unbeteiligte und Gesellschaft rapide verschlechtert.

Alarmglocken bei Studien, die politik-konform argumentieren

Leider sollte man ja grundsätzlich keiner Statistik bedingungslos glauben, die man nicht selber gefälscht hat. Das gilt für Aussagen über die Dampfe genauso wie über eine angebliche Islamisierung, der scheinbar gottgegebenen Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums, dem Klimawandel – sprich, bei jedem emotionalisierten Thema, bei dem die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass schon vorhandene bürgerliche Ängste durch ideologisch unterfütterte „Studien“ politik-konform geschürt oder kanalisiert werden sollen.

Woran aber lassen sich solche Instrumentalisierungen erkennen? Mit anderen Worten, wie lassen sich neutral beabsichtigte, bewusst falsifizierbare Untersuchungen von Pseudowissenschaft abgrenzen?

Hierzu hat Professor Bernd Mayer in seinem Blog einen ausgezeichneten englischen Artikel geschrieben, der nicht nur zur Enttarnung akademisch verbrämter E-Zigaretten-Lügen dienen kann, sondern auch ganz allgemein ein sehr nützliches Handwerkszeug ist, um sich schlicht nicht für dumm verkaufen zu lassen – und Bekannten argumentativ die Augen zu öffnen, die sich unglücklicherweise von den vermeintlichen Fakten pseudowissenschaftlicher „Studien“ bereits haben schwer beeindrucken lassen.

Netterweise stellt Professor Mayer uns seinen englichen Beitrag als Gastartikel zur Verfügung, den wir hier ins Deutsche übertragen haben. Der Artikel von Herrn Mayer sollte in Ruhe gelesen werden um das Ausmaß zu erfassen wie Politik und Öffentlichkeit bewusst manipuliert und belogen werden.

In Deutschland wurden 2010  ca. 24 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Tabak umgesetzt. Die Steuereinnahmen betrugen ca. 13 Milliarden (ca. 5% des Bundeshaushalts). Geld war und ist, wahrscheinlich seit dem Kaurigeld,  schon immer eine große Motivation um etwas in Bewegung zu setzen.

Je höher die Einstufung zur Gefährlichkeit der elektronischen Zigarette und dessen Flüssigkeiten ist, umso höher müssen  die Steuereinnahmen und Forschungsausgaben sein. Die Argumente dafür werden seit Anfang 2012 aufgebaut. Angefangen mit einem nicht wissenschaftlich durchgeführtem Selbstversuch der Stabsstellenleiterin der Deutschen Krebsforschung, bei dem angeblich Atemreizungen und Benommenheit auftraten. Eine wissenschaftliche Antwort darauf findet ihr im nachfolgendem Beitrag.

Wie die Umsetzung der TPD2 in Deutschland auch aussehen mag, der Staat wird auf jeden Fall der Gewinner bleiben. Die nicht kleine Minderheit von bis zu ca. 25% der Bevölkerung wird allerdings zunehmender ins Abseits gestellt, weil sie ein neues Genussmittel, dass so gar nichts mit dem Rauchen zu tun hat, nur im stillen Kämmerlein geniessen darf. Bezahlt wird aber der Preis für eine Hotel Luxus Suite.


Pseudowissenschaft in der E-Zigaretten-Politik

von Prof. Dr. Bernd Mayer , übersetzt Liquid-News

Die Gesundheitsbehörden sind dabei, eine globale Kampagne zur Einschränkung oder sogar dem Verbot eines freien Marktes für E-Zigaretten umzusetzen. In Anbetracht des offensichtlichen Gewinns, den diese alternativen Nikotinprodukte für Raucher darstellen, scheint ein solches Vorhaben irrational – und außerdem konträr zum Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC). Doch leider steht die vorbildliche Absicht der Tabak-Risiko-Reduzierung im Widerspruch zu den finanziellen Interessen der Tabak- und Pharmaindustrie und der Finanzminister, die in der E-Zigarette sämtlich eine ernstzunehmende Gefahr ihres zukünftigen Wohlstands sehen.

Abgesehen von diesen handfesten und nachvollziehbaren finanziellen Interessen, spielen auch ideologische Motive eine tragende Rolle in dem Bemühen, alles auszumerzen, was einer Zigarette ähnelt und das Rauchen re-normalisieren könnte. Unabhängig von ihrer tatsächlichen Motivation benötigen Gesundheitsbehörden zur Rechtfertigung ihrer restriktiven Regulierungen jedoch handfeste Argumente, um Politiker und die Öffentlichkeit von den vermeintlichen Risiken der Elektronischen Zigarette zu überzeugen. Wie immer kommt dabei in Abwesenheit wissenschaftlicher Argumente, die Pseudowissenschaft zum Zuge. In diesem Beitrag werde ich zunächst einige charakteristische Eigenschaften der Pseudowissenschaft beschreiben und dann den spezifischen pseudowissenschaftlichen Hintergrund der E-Zigaretten-Kampagne offen legen.

Wie erkannt man Pseudowissenschaft?

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 Dies ist ein Foto meines jüngsten Sohns Bernhard, der gerade mit seinem Bobby-Car durch unser Wohnzimmer rast. Offensichtlich ähnelt seine Beschäftigung echtem Autofahren in vieler Hinsicht: Er sitzt auf einem Auto mit vier Rädern, er steuert mit einem Lenkrad, das Auto hat ein Nummernzeichen und (auch wenn es hier nicht sichtbar wird) er macht dazu die passenden Geräusche. Natürlich fährt Bernhard nicht wirklich Auto (er hat noch keinen Führerschein), aber er tut so, als ob. Genauso tut Pseudowissenschaft so, als wäre sie wissenschaftlich, ohne dabei die notwendigen Kriterien zu erfüllen. Natürlich ist die Sachlage noch wesentlich komplexer, aber diese einfache Definition sollte für den Anfang genügen.

Pseudowissenschaftliche Disziplinen werden aus den verschiedensten Gründen bejubelt. Einige davon sind Bildungsmangel, die Sehnsucht nach Mysterien, Realitätsverdrängung, Reduktionismus oder eine irrational, anti-wissenschaftliche Einstellung. Zusätzlich wird Pseudowissenschaft häufig dafür genutzt, gutgläubigen Menschen Geld abzuknöpfen, indem ihnen schwindlerische Produkte oder wirkungslose, magische Heilversprechen verkauft werden. Pseudowissenschaft kann auch zur Verbreitung politischer oder ideologischer Konzepte dienen. Pseudowissenschaft, die aus finanziellen, politischen, ideologischen oder anderweitig unwissenschaftlichen Motiven betrieben wird, wird auch oft als „Junk-Science“ bezeichnet.

Im Folgenden ist eine Liste mit einigen der charakteristischen Eigenschaften pseudowissenschaftlicher Disziplinen zusammengestellt.

Politische, ideologische oder religiöse Motive

Beispiele: das kreationistische Konzept des „Intelligenten Designs“ (ID) ; die Ablehnung der mendelschen Genetik durch Lyssenkoismus ; das Eugenikprogramm während des zweiten Weltkrieges.

Aufstellen nicht falsifizierbarer Hypothesen (Hypothesen, die sich grundsätzlich nicht widerlegen lassen)

Beispiele: Intelligentes Design (ID), nicht messbare Felder oder Vibrationen (z.B. Erdstrahlung)

Vage und ambivalente Formulierungen

Beispiele: Wahrsager-Vorhersagen, Horoskope, Quacksalber und Wunderdoktoren (Selbstheilungskräfte, gesundheitsschädliche Schwingungen, Heilmittel, die auf der Basis von Vibrationen funktionieren sollen etc.)

Missbrauch wissenschaftlicher Begriffe (wie Energie, Information oder Quantenverschränkung)

Beispiele: Patient-Practitioner-Remedy (PPR) in der „Quantum-Homäopathie

Selektive Bezugnahme auf scheinbar zu ähnlichen Resultaten kommende Studien

Ignoranz widersprüchlicher Beweise

Verweise auf veraltete Befunde

Erwartung, dass andere eine Behauptung widerlegen, statt sie selbst zu belegen (Umkehrung der Beweislast)

Behauptung, dass bis dahin noch unentdeckte Effekte in der Zukunft entdeckt werden könnten

Fehlinterpretation von Studien und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate

Im Anbetracht dieser (unvollständigen) Liste fallen sofort diverse, von öffentlichen Gesundheitsvertretern zur Diskreditierung elektronischer Zigaretten genutzte Strategien auf. Unglücklicherweise neigen die Medien zu einer unkritischen Übernahme und Weitergabe dieser von ideologisch voreingenommenen Gesundheitsexperten zur Verfügung gestellten Fehlinformationen.

Im Folgenden findet sich eine Auswahl derartiger Behauptungen, sortiert nach obigen pseudowissenschaftlichen Kategorien. Aussagen, die mehr als einer Kategorie zugeordnet werden können, werden in der am ehesten zutreffenden gelistet. Die meisten sind bereits als fehlerhaft entlarvt worden; in diesen Fällen sehe ich von einer Wiederholung der Begründung ab und verweise stattdessen auf Links zu weiteren Informationen.

Umkehr der Beweislast

Die Sicherheit von elektrischen Zigaretten konnte noch nicht bewiesen werden.

Diese Aussage ist eine ewige Wahrheit, die auf absolut alles angewendet werden kann und daher absolut sinnfrei ist. Wie im Artikel „Electronic cigarettes and the Loch Ness Monster” bereits erläutert, kann eine garantierte Gefahrenlosigkeit („absence of harm“) niemals nachgewiesen werden. Deshalb können elektrische Zigaretten solange als sicher angesehen werden, wie kein Beweis für erfolgte Schäden erbracht ist.

 

Warnungen vor Auswirkungen, die auftreten könnten (aber bis jetzt noch nicht aufgetreten sind)

Gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe könnten in E-Liquids nachgewiesen werden.

Einer meiner Favoriten. Wie ich schon in einem Forums-Beitrag geschrieben habe, könnte absolut alles in einem E-Liquid entdeckt werden, einschließlich winziger rosa Elefanten.

Wenn sie inhaliert werden, könnten als Lebensmittelaromen zugelassene Chemikalien schädlich sein.

Es gibt keine Nachweise für schädliche Wirkungen inhalierter Aromen und auch keinen Grund, von solchen auszugehen. Die Aussage, dass die Inhalation von Aromen für die Atemwege (oder was auch immer) heilsam sei, ist ganz genauso zulässig.

Passiv Dampfen könnte schädlich sein.

Das Argument, ausgeatmeter Dampf „könnte“ für Dritte schädlich sein ist genauso zulässig wie die genau gegenteilige Behauptung, dass nämlich Dampf heilsam sein „könnte“.

Die „fruchtige“ Verpackung von E-Liquid-Flaschen könnte auf Kinder anziehend wirken.

Das mag vielleicht stimmen, aber niemand widerspricht der Verpflichtung, Kinder vor dem Missbrauch von nikotinhaltigen Produkten (wie auch vor dem Missbrauch von alkoholischen Getränken, Toilettenreinigern, Messern, Streichhölzern und viele anderen, potenziell gefährlichen Produkten des täglichen Lebens) zu schützen.

 

Verweise auf bereits widerlegte oder veraltete Befunde

Elektronische Zigaretten sind eine Einstiegsdroge zum Zigarettenrauchen und torpedieren den Rückgang der Verbreitung von Tabakkonsum.

Gesundheitsaktivisten fehlinterpretieren veröffentlichte Umfragen konsequent und ignorieren alles Datenmaterial, das diese Behauptung widerlegt. Für weitere Informationen siehe: tobaccoanalysis .

Behauptung: Kanzerogene Nitrosamine wurden in E-Liquids nachgewiesen.

Diese Behauptung basiert auf dem Nachweis von Spurenmengen tabakspezifischer Nitrosamine in einigen Liquids. Es wurde dabei jedoch ganz bewusst unter den Teppich gekehrt, dass Lebensmittel viel höhere Mengen an Nitrosaminen enthalten und dass die folgenden Analysen von E-Liquids alle negativ getestet wurden. Im Zuge jüngster toxikologischer Liquid-Untersuchungen habe ich zertifizierte Analysen Dutzender von Liquids gesehen, von denen keines nachweisbare Mengen an Nitrosaminen enthielt. Für weitere Informationen siehe: ecigarette-research e-cigs-nitrosamines

 

Selektive Bezugnahme auf unterstützende Daten und Ignoranz widersprüchlicher Beweise

Behauptung: Nikotin ist eine extrem suchterzeugende Droge.

Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass Tabakabhängigkeit durch die kombinierte Wirkung von Nikotin und anderen Bestandteilen des Tabakrauchs, insbesondere Monoaminoxidase-Hemmern, verursacht wird. In Abwesenheit von Tabak induziert Nikotin keine Sucht. Raucher, die auf elektronische Zigaretten umstellen, mögen von der Nikotin-Inhalation abhängig bleiben, aber es ist unklar, ob dies die Aufrechterhaltung einer Drogensucht darstellt oder die Abhängigkeit von anderen Belohnungssystemen wie der Empfindung beim Inhalieren („Throat-Hit“) oder verhaltens-psychologischen Gewohnheiten (Hand-zu-Mund-Bewegung, das Ausatmen von Dampf). Unabhängig hiervon ist Nikotin in jedem Fall keine extrem süchtig machende Droge. Für weitere Informationen siehe: The-myth-of-nicotine-addiction

Behauptung: Nikotin ist hochgiftig. 50 mg verschlucktes Nikotin töten einen Erwachsenen.

In dem Beitrag „Elektronische Zigaretten und Nikotinvergiftung“, habe ich darauf hingewiesen, dass weder der Konsum noch der Umgang mit E-Liquids mit einem maßgeblichen Gesundheitsrisiko verbunden ist. Wie ich auch in einer aktuellen Veröffentlichung beschrieben habe, wurde die berühmte tödliche Dosis von 50 mg vor mehr als 100 Jahren auf der Grundlage höchst zweifelhafter, in der Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführter Selbstversuche angenommen. Dokumentierte Fälle von Nikotinvergiftung lassen vermuten, dass die tatsächliche tödliche Dosis mindestens 0,5 bis 1,0 g beträgt. Für weitere Informationen siehe:  Springer

 

Absichtliche Fehlinterpretation von Studien

Briefe von Dr. Stanton Glantz an die FDA

Dieser Ansatz wird herausragend veranschaulicht von einem Kommentar von Dr. Stanton Glantz gegenüber der FDA. In diesem betont er betont das kardiovaskuläre Risiko von Nikotinkonsum. Um die Überschrift „Nikotin stellt ein signifikantes, kardiovaskuläres Gesundheitsrisiko dar“ zu rechtfertigen, bezieht Glantz sich auf eine kürzlich veröffentlichte Meta-Analyse, in der die Autoren zu folgendem Ergebnis gekommen sind (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24323793 ):

„Als wir schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Vorkommnisse untersucht haben, fanden wir eine schützende Wirkung im Fall von Bupropion (RR 0,45; 95% CI, 0,21-0,85) und keine klaren Hinweise auf eine Schädigung im Fall von Vareniclin (RR 1,34; 95% CI, 0,66-2,66) oder einer Nikotinersatztherapie (RR, 1,95; 95% CI, 0,26-4,30) „. So unbekümmert schreibt Glantz „keine klaren Hinweise auf eine Schädigung“ um insignifikante kardiovaskuläre Gesundheitsrisiken„!

In Reaktion auf eine Stellungnahme von 53 Wissenschaftlern und E-Zigaretten-Unterstützern, schickte Dr. Glantz einen ähnlich voreingenommenen, offenen Brief an die FDA , in der – seltsam genug – die Beteiligung der Tabakindustrie als Schlüsselargument gegen elektronische Zigaretten angeführt wird. Beachtenswert ist, dass Glantz‘ Brief nicht von Wissenschaftlern, sondern mit“Gesundheits- und medizinische Behörden“ unterzeichnet war.

Es ist faszinierend, den evidenzbasierten, von renommierten Wissenschaftlern mit dokumentierter Kompetenz in der Nikotinforschung unterzeichneten Brief mit dem ideologisch unterfütterten, pseudowissenschaftlichen Dokument zu vergleichen, das von Gesundheitsbehörden und selbsternannten Experten unterzeichnet ist, von denen die meisten nicht aktiv in der Forschung tätig sind und wissenschaftliche Reputation vermissen lassen. Für weitere Informationen siehe: Anti-THR Lies and related topics

Behauptung: Propylenglykol verursacht eine Reizung der Atemwege.

Die mantra-artige Wiederholung dieser Aussage macht sie nicht wahrer. Die Behauptung basiert auf einer einzigen Studie; diese verzeichnet einen geringen Anstieg des Atemwegswiderstands bei der Inhalation von Dampf aus Liquids, die Propylenglycol (PG) und Nikotin enthalten. Das Hauptproblem dieser Studie ist das Fehlen geeigneter Kontrollparameter. Statt das Einatmen von PG mit und ohne Nikotin zu vergleichen, verglichen die Autoren die Inhalation von PG und Nikotin mit Atemluft und definierten dann das PG als Ursache dieses Effektes.

Nikotin ist dafür bekannt, moderate Bronchokonstriktion und eine Atemwegsempfindung („throat-hit“) auszulösen, ein harmloses Phänomen, das zur Tabakabhängigkeit beitragen kann. Somit liefert diese Studie keinerlei Beweise für eine mögliche Atemwegsreizung durch PG. Dennoch beharren Gesundheitsaktivisten verbissen auf dieser ungerechtfertigten Behauptung.

Die Studie wurde veröffentlicht unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22194587
Mehr zur Wirkung von Nikotin auf die Atemwege: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17137814
Mehr zur Wirkung des Throat-Hit: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15996724

 

Einfach nur Schwachsinn

Behauptung: Die Inhaltsstoffe von E-Liquids sind unbekannt

Diese Unsinnigkeit dieser Behauptung macht jede weitere Diskussion überflüssig.

Behauptung: Elektrische Zigaretten sind Tabakprodukte, weil sie aus Tabakpflanzen gewonnenes, gereinigtes Nikotin enthalten.

Die Isolierung einer Chemikalie aus einer bestimmten Quelle impliziert nicht notwendigerweise eine identische Klassifizierung von Quelle und Produkt. Praktisch alle synthetischen organischen Chemikalien, einschließlich Arzneimittel und Lebensmittelaromen, werden aus Ausgangsmaterialien hergestellt, die aus Mineralöl gewonnen werden. Trotzdem würde niemand Aspirin oder aromatisiertes Eis zu Erdölprodukten erklären, nehme ich an.

 

Ideologie

Behauptung: Elektronische Zigaretten könnten das Rauchen re-normalisieren.

Dies ist ein häufig gegen das Marketing von elektronischen Zigaretten vorgebrachtes Argument. Zur Eindämmung der unbestrittenen Gesundheitsrisiken von inhalierten Tabakrauch, erklären die WHO, CDC und andere Gesundheitsorganisationen dem Rauchen seit Jahrzehnten den Krieg. Nun erscheint plötzlich ein neues Produkt auf dem Markt, dessen Gebrauch dem Rauchen im Hinblick auf Hand-zu-Mund-Bewegungen und Produktion von „Rauch“ optisch ähnelt. Jetzt sind die Gesundheitsaktivisten mit einem rauch-ähnlichen Verhalten konfrontiert, das jedoch nicht mit dem Gesundheitsrisiko echten Rauchens verknüpft ist. Statt die sich daraus ergebenden, offensichtlichen Vorteile zu preisen, setzen sie den Kampf fort – außerstande zu sehen, dass an Stelle des ursprünglichen Feindes ein freundlicher Begleiter getreten ist.

Gesundheitsorganisationen versuchen, die Öffentlichkeit von ihrem eigentlichen, ideologischen Ziel abzulenken, indem sie immer und immer wieder die angeblich hohe Toxizität und Suchteigenschaften des Nikotins betonen. Wäre dies ihre wahre Sorge, würde die Inhalation nikotinfreier Liquids begrüßt werden.

Stattdessen propagieren diese Gesundheitsaktivisten nicht vorhandene Risiken im Zusammenhang mit der Inhalation von Propylenglykol, Glycerin Aromastoffen in E-Liquids. Die Tatsache, dass auch inhalative Medizinprodukte (einschließlich von der FDA für die Rauchentwöhnungstherapie zugelassene Nikotin-Sprays ) Propylenglykol enthalten, wird großzügig ignoriert. Glycerin ist eine gutartige endogene Verbindung, und es gibt keinen Grund zu glauben, dass zum Kochen verwendete Aromen nur durch Inhalation zu gefährlichen Giftstoffen werden.

Somit ist die Sorge um die öffentliche Gesundheit nichts als ein Vorwand, um politische Ideologie zu verkleiden. Ähnlich wie Religionskriege, ist die Kampagne gegen elektrische Zigaretten irrational und ihrer Natur nach anti-wissenschaftlich. Gesundheitsbehörden beurteilen harmloses, unschädliches Verhalten als politisch unerwünscht – ein meiner Meinung nach erschreckender Eingriff in die grundlegenden Menschenrechte.

Weiterführende Links
Englischer Originalbeitrag von Prof. Mayer
WHO Framework Convention on Tobacco Control

Bild: Flickr Creative Commons Image via Arallyn!

Weitere Themen
Interview mit Prof. Dr. Bernd Mayer, Universität Graz
Offener Brief an die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
Offener Brief an Bundesjugendministerin Manuela Schwesig und Bundesernährungsminister Christian Schmidt
Umsetzung der TPD2 in Deutschland: Die Prognose!

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