Formaldehyd beim Dampfen?

Formaldehyd im Genussmittel

Formaldehyd beim Dampfen? Wissenschaftler sind sich nicht einig

Dampfen belastet die Gesundheit weniger, als das Rauchen herkömmlicher Zigaretten: Über diesen Fakt sind sich die Wissenschaftler einig. Darüber hinaus bieten die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen ein recht gemischtes Bild. Das Fraunhofer-Institut wurde in Bezug auf Formaldehyd in E-Zigaretten nicht fündig – andere Untersuchungen ergaben unterschiedliche Konzentrationen des Stoffes. Aber – was ist Formaldehyd und welche Wirkungen hat er auf den menschlichen Körper?

Formaldehyd – ein vielseitiger Stoff

Man möchte es kaum glauben: Der menschliche Körper stellt in seinem Stoffwechsel täglich 50g Formaldehyd als körpereigenes Zwischenprodukt her – einen sehr reaktionsfreudigen, gasförmigen toxischen Stoff, der sich in der Luft bei höheren Konzentrationen durch stechenden Geruch bemerkbar macht.

Entdeckt wurde Formaldehyd im Jahre 1855 von dem Russen Alexander Michailowitsch Butlerow. Zwölf Jahre später erfand der deutsche Chemiker August Wilhelm von Hoffmann eine Methode, Formaldehyd aus Methanol herzustellen. Ab Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts stieg der Bedarf an Formaldehyd beträchtlich. Der Stoff wurde in großem Umfang für die Produktion von Harnstoffharzen und Phenolharzen benötigt. Auch heutzutage dient Formaldehyd als organischer Grundstoff für viele industrielle Produkte: als Klebstoff für Sperrholz- und Spanplatten in der Holzverarbeitung, bei der Wärmedämmung, zur Herstellung knitterarmer und pflegeleichter Textilien, als Konservierungsmittel in der Nahrungsmittelindustrie, als Desinfektionsmittel, zur Herstellung von Farben, Lacken und Teppichböden. Sogar in Kosmetika kann Formaldehyd enthalten sein.

Entstehung, Gewinnung und Wirkungen auf den menschlichen Körper

Formaldehyd entsteht praktisch bei allen unvollständigen Verbrennungsvorgängen. Autoabgase und Tabakrauch bilden heutzutage die wesentlichen Emissionsquellen von Formaldehyd, nachdem der Grenzwert für Innenräume auf 0,1 ppm (0,123 mg/m³) festgesetzt wurde und die Emissionswerte beispielsweise von der Holz verarbeitenden Industrie drastisch reduziert werden mussten. Über den Verdauungstrakt aufgenommen ist Formaldehyd unschädlich, weil der Körper ihn verstoffwechselt. Die Aufnahme von Formaldehyd über die Atemwege hingegen ruft Reizungen der Schleimhäute hervor. Hohe Konzentrationen des Stoffes können zu schweren Lungenschäden führen. Zudem steht Formaldehyd im Verdacht, krebserregend zu sein. Industriell gewonnen wird der Stoff durch zwei Formen katalytischer Oxidation von Methanol. Als Katalysatoren in diesem Herstellungsprozess dienen entweder Silber oder Metalloxide.

Entsteht beim Dampfen Formaldehyd?

Diese Frage stand auf der Agenda mehrerer renommierter wissenschaftlicher Institute. Das Fraunhofer-Institut hat sich der Frage angenommen, in welcher Weise die Raumluft durch das Dampfen belastet wird und ob ggf. Dritte passiv „mitdampfen“. Im Test des Fraunhofer-Institutes wurden unterschiedliche E-Zigaretten eingesetzt, jedoch sämtlich mit demselben Liquid befüllt. Der Dampf wurde analysiert und zusätzlich in eine Glaskammer von 10 Litern eingeleitet: Formaldehyd wurde in diesem Test im Dampf der E-Zigaretten nicht nachgewiesen.

Das Nebelfluid Propylenglykol, das beim Dampfen die (sichtbare) Illusion des Rauchens erzeugt, kann jedoch beim Einatmen auch Reizungen hervorrufen. Im Gesamtergebnis zeigt die Studie des Fraunhofer Institutes, dass E-Zigaretten deutlich weniger Emissionen erzeugen als Tabakrauch. Insofern ist natürlich auch ein passives „Mitdampfen“ weniger schädlich als bei Tabakrauch. Erscheinungen wie die Raucherlunge sind beim Dampfen von E-Zigaretten nicht zu erwarten, denn die entscheidenden Inhaltsstoffe Teer und Kohlenmonoxid, die bei der Verbrennung des Tabaks freigesetzt werden, fehlen hier komplett.

Auf die Wahl des Liquids kommt es an

Interessanterweise kommen andere Studien zu abweichenden Ergebnissen: Eine Schweizer Untersuchung beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der Untersuchung der Liquide. Es wurden aromatisierte Liquide mit und ohne Nikotin getestet. Die Grundstoffe – Glycerin und Propylenglycol – sind bei allen Liquiden ähnlich, der Unterschied liegt in den zugesetzten Aromastoffen. Von Tabak bis Erdbeere bietet sich hier für jede Vorliebe das Passende. Leider lässt die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe bei einigen Herstellern zu wünschen übrig. Zudem wurden in dieser Studie unterschiedliche Konzentrationen von Formaldehyd im Dampf festgestellt. Die Menge des Formaldehyds bewegt sich bei fünfzehn Atemzügen (eine Zigarette) je nach Liquid zwischen 0,5 mcg und 10 mcg. Im Vergleich dazu weist der Rauch einer herkömmlichen Zigarette eine bis zu 60 mal höhere Konzentration an Formaldehyd auf. Auch diese Studie lässt keinen Zweifel daran, dass das Dampfen deutlich weniger gesundheitsschädlich ist als Tabakrauch.

Der Umsatz von E-Zigaretten und Zubehör stieg im Jahr 2010 von 650 Millionen – um satte 40 % – auf 1,8 Milliarden im Jahre 2013. Immer mehr Menschen steigen vom Tabakkonsum auf E-Zigaretten um, deshalb hat sich auch Zeitschrift Ökotest des Themas angenommen. Die Versuchsanordnung umfasste hier sechs verschiedene E-Zigaretten und zwölf Liquids – mit und ohne Nikotin. Bei dieser Untersuchung wurde in allen Dämpfen u. a. auch Formaldehyd nachgewiesen. Auch diese Studie belegt jedoch klar, die Konzentrationen von Formaldehyd liegen deutlich unter denen des Tabakrauchs. Bemängelt wurde in dieser Studie die teilweise unklare oder fehlende Kennzeichnung der Inhaltsstoffe seitens der Hersteller.

Formaldehyd unter Verdacht

Formaldehyd steht – wie viele andere Stoffe – im Verdacht, krebserregend zu wirken. Der Nachweis dieser Vermutung ist jedoch nicht zweifelsfrei belegt. Natürlich ist das Inhalieren von Chemikalien mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Daran besteht kein Zweifel. Allerdings bedeutet das Umsteigen auf die E-Zigarette für viele starke Raucher eine wesentliche Minimierung der gefährlichen Stoffe, beispielsweise von Teer und Kohlenmonoxid, die bei der Verbrennung des Tabaks entstehen. Auch, wenn geringe Mengen Formaldehyd im Dampf enthalten sind, ist die E-Zigarette als deutlich gesünder einzuschätzen als das Rauchen herkömmlicher Zigaretten. Im Übrigen ist die Quelle des Aldehyds beim Dampfen noch nicht schlüssig geklärt – es wird vermutet, dass Formaldehyd durch das Verdampfen des Glycerins entsteht. Das Zusammenspiel verschiedener Aromastoffe könnte u.U. auch eine Ursache sein: Die unterschiedlichen Konzentrationen von Formaldehyd im Dampf verschiedener Produkte sind starke Indizien für diese Vermutung.

Alle Mitglieder der „Genussmittelfamilie“ – auch das Rauchen und Dampfen – sind mit Bedacht zu genießen. Wie bei allen guten Dingen des Lebens ist die Dosierung entscheidend für den Genuss.

Weiterführende Links
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