Der Popcorn-Lunge-Mythos

Der Popcorn-Lunge-Mythos Teil I: Offener Brief an die deutsche Presse

bild.de: “Von E-Zigaretten kriegt man eine Popcorn-Lunge”
focus.de: „Popcorn-Lunge droht: Harvard-Forscher warnen vor E-Zigaretten
t-online: „Bei E-Zigaretten droht die Popcorn-Lunge“
Cosmopolitan: „Von E-Zigaretten kriegt man eine Popcorn-Lunge“
Augsburger Allgemeine: “Popcorn-Lunge: E-Zigaretten sind unerwartet gefährlich”
Galileo: “Achtung, Popcornlunge: E-Zigaretten können unheilbare Lungenkrankheit auslösen”

Der Popcorn-Lunge-MythosKürzlich untersuchten Wissenschaftler der Harvard T.H. Chan School of Public Health 51 E-Liquids auf Diacetyl, Acetyl Propionyl und Acetoin. Ausgewählt hatten die Forscher nach eigenen Angaben Liquids von Tabakkonzernen und großen unabhängigen Herstellern, die hinsichtlich Namen und Geschmacksrichtung besonders Minderjährige ansprechen.

In 92% der Proben fanden sie mindestens einen der genannten Stoffe, in 76% bzw. 39 Proben Diacetyl in unterschiedlicher Konzentration – darunter auch in Liquids, deren Hersteller nach Angaben der Forscher schriftlich zugesichert hatten, diese seien Diacetyl frei.

Die Werte variierten stark; in einigen Liquids lagen die Diacetyl-Spuren unterhalb einer präzisen Messbarkeit, in einer Probe wurden 239 Mikrogramm nachgewiesen.

Viele größere und einige kleinere Medien publizierten die Studienergebnisse.

 Die Berichterstattung war durch die Bank unter allem journalistischen Niveau.

Hier liegt ein grundsätzliches Problem: Schlechte Presse ist im Fall der E-Zigarette nicht nur ärgerlich, sondern lebensbedrohlich. Den einzelnen Journalisten ist dies seltenst klar; und wenn doch, verdrängen sie es. Ich habe in den letzten Wochen versucht, mir ein Bild von diesem schwierigen Verhältnis der Medienlandschaft zur E-Zigarettenbranche zu machen, das 2015 noch ganz andere Tiefpunkte erlebt hat – von dem die ZDF-Sendung Frontal 21 vom ZDF am 14.04.2015 nur einer der besonders finsteren war.

Ich habe viele Gespräche mit Journalisten und Redakteuren geführt. Denn eines ist klar: 2016 muss sich etwas ändern, wenn die E-Zigarette die vor ihr liegende, legeslativ bedingte Durststrecke überleben soll. Ohne ein Umschwenken der wichtigen, aber bisher unsichtbaren oder ferngesteuerten Stakeholder in diesem Prozess geht es nicht – Medienschaffende und Ärzte sind dabei entscheidend.

Media_PuppetsLiebe Journalisten, habt doch bitte etwas mehr Selbstrespekt.

Tatsächlich gelesen hat von Euch keiner die Havard-Studie zur Popcorn-Lunge. Ihr seid intelligent. Euch wäre schnell klar geworden: Die Autoren hüten sich, einen direkten Kausalzusammenhang zwischen E-Zigaretten-Konsum und Popcorn-Lunge herzustellen. Sie sagen lediglich: In vielen E-Liquids scheint sich, undeklariert und ohne dass der Käufer sich dessen bewusst wäre, dieselbe Substanz zu befinden, die in einem Arbeitsumfeld über viele Jahre der Exposition bei Angestellten zum Popcorn-Lungen-Symptom geführt hat. Deshalb ist eine diesbezügliche Sensibilisierung der Verbraucher, der Branche und der Legislative wichtig; deshalb bedarf die Verwendung von Diacetyl in E-Liquids weiterer wissenschaftlicher Analyse.

Ihr werdet nicht einen einzigen Wissenschaftler finden, der behauptet:
E-Zigarettenkonsum kann zum Popcorn-Lungen-Syndrom führen.

(Obwohl es mal eine interessante Stichprobe wert wäre, Frau Dr. Pötschke-Langer vom DKFZ nach ihrer Meinung zu befragen. Diese Medizinerin operiert inzwischen ungefähr auf dem Sachniveau Eurer Überschriften. Eine ernst gemeinte Empfehlung: Informationen zur E-Zigarette, die vom DKFZ stammen, verdienen am Arbeitsplatz jedes verantwortungsvollen Journalisten einen festen Platz: Die Tonne).

Tatsache ist: Ihr habt gar keine Zeit, Euch die Originaldokumente durchzulesen, die den auf Euren Desktops aufpoppenden Pressemitteilungen zu Grunde liegen. Ihr habt schon gar nicht die Zeit, selbst zu recherchieren. Sonst wärt ihr schon 2014 auf eine vergleichbare Studie des Mediziners Dr Konstantinos Farsalinos gestoßen. Diese hättet Ihr selber finden müssen; wurde Euch nicht zugespielt, da sie ein E-Zigarettenbefürworter durchgeführt hat.

Apropos “zugespielt”: Der Gleichklang Eurer Überschriften und Artikel lässt auf das reine Kopieren des genauen Wortlautes einer Pressemitteilung schließen. Diese undifferenzierte Eilfertigkeit ist immer dann besonders ausgeprägt, die von einer Quelle mit Abdruckgarantie stammt – meist sind dies die Pressestellen der Bundesregierung oder bundesnaher Institute wie DKFZ oder BfR. Eine Mitteilung der Agenturen wie Reuters oder dpa wäre neutraler und inhaltlich präziser gewesen.

Liebe Journalisten, Ihr steht unter Druck, Reißerisches zu liefern. Das muss Euch aber nicht zu Handlangern einer tödlichen Ideologie machen.

Wenn Ihr über Eurer Bringschuld Euer journalistisches Ethos vergesst, das Euch zu Wahrheit und Unabhängigkeit verpflichtet, dann könnt Ihr auch gleich Pornos drehen – dabei schadet Ihr zumindest nicht Millionen von Menschen und verdient ordentlicher.

Stattdessen lasst Ihr Euch zu Marionetten einer staatlichen Anti-E-Zigaretten-Propaganda degradieren, die Leben kostet. Dass dem so ist, mag Euch nicht vollständig bewusst sein, deshalb sei es hier noch einmal betont: Raucher, die E-Zigaretten kennen und diese dennoch nicht ausprobieren, tun dies zu 90% aufgrund negativer Medienberichterstattung – das haben alle diesbezüglich durchgeführte Umfragen weltweit ergeben (die restlichen 10% werden von Freunden demotiviert; ratet mal, wo die ihre Informationen beziehen).

Dabei gehören E-Zigaretten zu den spannendsten Themen, die sich ein Journalist wünschen könnte.

Liebe Cosmopolitan, wie wäre es 2016 mal mit einem Beitrag, wie sexy E-Zigaretten eigentlich sind…sie retten Partnerschaften, erhöhen die Libido, potenzieren die Chancen beim Dating, sind exzellente Chat-up-Einsteiger und außerdem extrem stylische Gadgets.

Liebe Galileo-Redaktion, stünde es Euch nicht besser an, über E-Zigaretten als disruptive Technologie mit der bedeutendsten (und unterschätztesten) therapeutischen Wirkmacht seit Erfindung des Antibiotikums zu senden?

Liebe Focus-Journalisten, hättet Ihr nicht mal wieder Lust auf echte investigative Berichterstattung? Der Kampf um die E-Zigarette bietet mehr als genug politische Brisanz: David gegen Goliath (Tausende kleine Unternehmen gegen die Tabakkonzern-Lobby); die Bereitschaft der „Quit-or-Die“-Seilschaften in Politik und Wirtschaft, Millionen von Menschen wissentlich eine lebenserhaltende Technologie bzw. deren optimale Entwicklung vorzuenthalten; die absurden, persönlich motivierten Verschwörungstheorien einzelner Multiplikatoren in staatsfinanzierten oder globalen Institutionen.

Liebe Augsburger Allgemeine, wie wäre es mit einem Porträt lokaler Entrepreneure und Dampf-Einzelhändler in Eurer Gegend, die Geschichte ihrer Start-Ups und die Wirkung der kommenden politischen Legislaturen auf ihre Existenzgründung?

Liebe Redaktionen, das seid Ihr den Relikten der investigativen Neugier schuldig, die in Euch allen schlummern: Reißt Euch vom Karren der anachronistischen Abstinenz-Ideologie los, vor den Euch unsere Bundesregierung spannt.

Manche von Euch glauben tatsächlich, der Menschheit etwas Gutes zu tun. Falls ja, dann lasst uns etwas klarstellen: Die deutsche Bundesregierung hat eine E-Zigaretten-Agenda. Im Falle der Diacetyl-Frage ist die dahinter stehende Motivation, E-Zigaretten-Aromen durch die Bank endgültig und so schnell wie möglich zu verbieten. Mit der breiten Streuung der vorliegenden (und vergleichbarer) Studienergebnisse, die sich alleinig mit den Aromen der E-Zigarette unabhängig von ihrem Nikotingehalt beschäftigen, will sie das entsprechende pseudowissenschaftliche Klima schaffen, um dieses legislativ schwer durchzusetzende Verbot schmackhafter zu machen. Ihr Ziel: Die E-Zigarette de facto zu dem zu machen, was sie dem Gesetz nach nicht sein dürfte – ein Medikament für den Rauch-Stopp, ein genussfreies Entwöhnungsmittel.

So jedenfalls denken sich die zuständigen Ministerin sich das in ihrer verbraucher-entfremdeten Verblendung. Die Wirklichkeit sieht völlig anders aus. Tatsache ist, dass der Online-Bezug von
E-Liquids aus dem Ausland schon 2016 als Reaktion auf das neue Tabakgesetz sprunghaft zunehmen wird, etwa gleichauf mit der Zahl der Selbermischer (schließlich ist es unmöglich, die einzelnen Bestandteile eines E-Liquids, sprich: zugelassene Lebensmittelaromen, und deren Handel zu verbieten). Das bedeutet: Unregulierte, unkontrollierte Ware wird in einem regen Schwarzhandel weiter in minderjährige Hände und deutsche Lungen gelangen, während engagierte mittelständische Unternehmer in die Insolvenz getrieben werden. Hunderttausende von Rauchern werden sich vom Produkt E-Zigarette desinteressiert abwenden und damit der mörderischen Quit-or-Die Politik zum Opfer fallen.

Liebe Journalisten, lasst uns doch noch mal ganz von vorne anfangen. Berichtet über die E-Zigarette mit demselben Anfängergeist wie über Nanotechnologie oder 3D-Druck – sie verdient es und sie gibt es her. Hier unser Angebot: Ihr braucht Themen, Daten, Ansprechpartner? Kontaktiert uns.

Wäre es nicht aufregender, an der Speerspitze jener Visionäre zu stehen, die in der E-Zigarette frühzeitig das Potenzial zur einer der spannendsten Erfindungen des 21. Jahrhunderts gesehen haben… statt sich vor Peinlichkeit auf dem Boden winden zu müssen, wenn bei der Silvesterparty 2024 die eigene Überschrift „Von E-Zigaretten kriegt man eine Popcorn-Lunge“ noch vor “Ufo-Sekte will jetzt Hitler klonen“ den Preis für den absurdesten Titel des letzten Jahrzehnts gewinnt.

Na also.

Weiterführende Links
Flavoring Chemicals in E-Cigarettes: Diacetyl, 2,3-Pentanedione, and Acetoin in a Sample of 51 Products, Including Fruit-, Candy-, and Cocktail-Flavored E-Cigarettes
ENVIRONMENTAL HEALTH PERSPECTIVES
E-Zigaretten-Warnung-vor-Chemiecocktail

Teil 2 E-Zigarette, Popcorn-Lunge und das Ende der Aromenvielfalt

Aktiv dabei sein
Mailaktion – E-Zigaretten Retten Leben
Anfechtungsklage gegen Artikel 20 der EU Tabakrichtlinie

1 comment

  1. Wie immer und überall ist es nur eine Frage des Geldes ganz klar. Die Tabakindustrie hat Millionen oder gar Milliarden an Gelder eingenommen und setzt diese natürlich auch dazu ein das der Geldfluss nicht abreist!

    Da werden dann falsche Studien veröffentlicht, falsche Behauptungen in die Welt gesetzt usw.
    Auch hier lautet das Stichwort: Lobbyismus!

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