Sinkende Produktionszahlen trotz positiver Signale: Die ambivalente Lage der deutschen Industrie

Sinkende Produktionszahlen trotz positiver Signale: Die ambivalente Lage der deutschen Industrie
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Rückläufige Trends und skeptische Prognosen

Die deutsche Industrie steht auch 2024 vor großen Herausforderungen. Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wird die Produktion im verarbeitenden Gewerbe erneut um 1,5 Prozent zurückgehen. Der BDI-Präsident Siegfried Russwurm betonte zum Auftakt der Hannover Messe die negativen Aussichten und verwies auf das dritte Minusjahr in Folge. Nach einem Rückgang um 0,2 Prozent im Jahr 2022 und um 1,2 Prozent im Jahr 2023 spiegelt diese Entwicklung einen fortgesetzten Abwärtstrend wider, der bereits seit 2018 andauert.

Lichtblicke in der Chemieindustrie

Trotz des allgemeinen Pessimismus gibt es vereinzelte Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung in bestimmten Branchen. Insbesondere in der Chemieindustrie, bekannt für ihre Fluktuationen, gab es im Februar einen leichten Anstieg der Auftragseingänge um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Diese Entwicklung könnte ein erstes Zeichen der Erholung sein. Ralph Solveen, Ökonom bei der Commerzbank, hebt hervor, dass die Nachfrage nach chemischen Produkten häufig als Indikator für die allgemeine Konjunktur dient. Die jüngsten ifo-Geschäftserwartungen für die Branche bestätigen diesen Trend: Der Indikator verbesserte sich im März deutlich von -14,9 auf -2,9 Punkte.

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Die Rolle der Energiepreise

Ein weiterer positiver Aspekt ist der Rückgang der Energiepreise, der insbesondere energieintensive Sektoren wie die Chemieindustrie entlastet. Im Februar verzeichnete dieser Bereich den zweiten Produktionsanstieg in Folge, was das Ende eines über zwei Jahre andauernden negativen Trends markiert. Experten zufolge könnte die günstigere Energiekostensituation dazu beitragen, dass die chemische Industrie als eine der ersten Branchen eine Wende zum Besseren erlebt.

Bedeutung der Bruttowertschöpfung

Eine weitere wichtige Kennzahl, die ein etwas anderes Licht auf die Situation wirft, ist die Bruttowertschöpfung der Industrie. Sie zeigt, dass der tatsächliche Mehrwert der Industrieproduktion weniger stark gesunken ist als die Produktionszahlen vermuten lassen. Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei DWS, erklärt, dass diese Kennzahl besser geeignet sei, um den wirtschaftlichen Beitrag der Industrie zu beurteilen. Trotz eines Rückgangs seit dem Hochpunkt Anfang 2018 um etwa fünf Prozent, ist der Rückgang weniger drastisch als bei der reinen Produktionsmenge.

Zinspolitik der EZB und ihre Auswirkungen

Ein entscheidender Faktor für die zukünftige Entwicklung wird die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sein. Marktexperten erwarten, dass die EZB im Juni mit Zinssenkungen beginnen könnte, was der Industrie einen weiteren positiven Impuls geben dürfte. Allerdings sind nicht alle Analysten dieser Meinung. Eric Heymann von der Deutschen Bank beispielsweise ist skeptisch und rechnet mit anhaltenden negativen Auswirkungen der Zinserhöhungen aus dem Vorjahr.

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Ausblick

Obwohl die Prognosen für das Jahr 2024 gedämpft sind, könnte sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren. Insbesondere der weltweite industrielle Aufschwung, signalisiert durch einen Anstieg des Einkaufsmanagerindex, könnte auch Deutschland zugutekommen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die deutsche Industrie sich tatsächlich erholen kann oder ob die negativen Trends sich weiter fortsetzen.

 

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