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Robotaxis 2026: Der Wettlauf um das autonome Taxi-Zeitalter

Robotaxis 2026: Der Wettlauf um das autonome Taxi-Zeitalter

Robotaxis gelten als eine der größten technologischen Revolutionen seit dem Smartphone. Die Idee klingt einfach: Ein Auto fährt völlig autonom, holt Passagiere per App ab, bringt sie ans Ziel – und das ohne Fahrer. Doch hinter dieser scheinbar simplen Vision steckt eine der schwierigsten Aufgaben der modernen Ingenieurskunst: die vollständige Automatisierung des Straßenverkehrs. Heute dominieren drei Namen die Debatte: Waymo, Zoox und Tesla. Alle verfolgen das gleiche Ziel, aber mit radikal unterschiedlichen Strategien.

Foto: Waymo.

Waymo: Der pragmatische Marktführer

Waymo, eine Tochterfirma von Alphabet (Google), ist aktuell der unangefochtene Robotaxi-Pionier. Der Grund: Waymo betreibt bereits in mehreren US-Städten kommerzielle Dienste mit vollständig autonomen Fahrzeugen. Dazu zählen Metropolregionen wie Phoenix und die San Francisco Bay Area, aber auch Austin oder Los Angeles. Waymo hat damit einen entscheidenden Vorteil: Es sammelt seit Jahren reale Fahrdaten im Alltag – nicht nur Tests, sondern echte Kundenfahrten.

Waymos Ansatz ist pragmatisch. Das Unternehmen setzt auf Serienfahrzeuge, die umgerüstet werden. Statt ein komplett neues Auto zu entwickeln, nutzt Waymo vorhandene Plattformen und integriert Sensoren, Rechner und Software. Dieser Ansatz hat zwei große Vorteile: Erstens ist die Zulassung einfacher, weil es sich grundsätzlich um bekannte Fahrzeugtypen handelt. Zweitens kann Waymo die Flotte schneller erweitern, weil man keine komplette eigene Produktion hochziehen muss.

Technologisch setzt Waymo auf „Sensor Fusion“: LiDAR, Radar und Kameras arbeiten zusammen. Das System ist redundant aufgebaut – wenn eine Sensorart schwächelt (z.B. Kamera bei Nacht oder Regen), liefern andere Sensoren weiterhin Daten. Dadurch gilt Waymo als derzeit „sicherster“ Robotaxi-Ansatz.

electric Zoox Robotaxi in San Francisco

Foto: 9yz https://en.wikipedia.org/wiki/Zoox#/media/File:Zoox_Autonomous_Robotaxi_-_San_Francisco_May_2025_(4).jpg

Zoox: Das futuristische Robotaxi von Amazon

Zoox, seit 2020 Teil von Amazon, verfolgt einen ganz anderen Weg. Während Waymo Autos umrüstet, baut Zoox ein Robotaxi komplett von Grund auf. Das Fahrzeug sieht nicht mehr aus wie ein klassisches Auto, sondern wie ein kleiner, futuristischer Shuttle. Es ist symmetrisch gebaut, kann also in beide Richtungen gleich effizient fahren. Es gibt keinen Fahrerplatz, kein Lenkrad, keine Pedale. Der Innenraum ist auf Passagiere optimiert, mit gegenüberliegenden Sitzen wie in einer kleinen Lounge.

Zoox fährt derzeit vor allem in Pilotgebieten in den USA, insbesondere in Las Vegas und San Francisco. Die Flotte ist noch relativ klein und der Dienst befindet sich eher in der Phase „öffentliche Erprobung“ statt echter Massenbetrieb.

Der Vorteil von Zoox liegt in der langfristigen Vision. Ein speziell gebautes Robotaxi kann effizienter sein: leichter zu reinigen, besser für kurze Stopps, besser für den Stadtverkehr. Außerdem kann das Design die Sensoren optimal integrieren, statt sie wie bei umgebauten Autos „draufzupacken“. Auch Zoox setzt auf Sensorfusion mit LiDAR, Radar und Kameras.

Warum Amazon Zoox gekauft hat, ist strategisch klar: Amazon denkt in Plattformen. Ein Robotaxi-Netzwerk wäre nicht nur ein Taxi-Dienst, sondern könnte langfristig auch Logistikaufgaben übernehmen. Ein autonomes Fahrzeug, das Menschen transportiert, kann prinzipiell auch Pakete transportieren. Zoox könnte somit irgendwann Teil eines gigantischen Amazon-Transport-Ökosystems werden – ähnlich wie AWS heute die digitale Infrastruktur vieler Unternehmen stellt.

Tesla: Die radikale Wette auf KI und Kameras

Tesla ist der polarisierendste Akteur. Während Waymo und Zoox auf Sensorfusion setzen, verfolgt Tesla den Ansatz „Vision Only“. Tesla glaubt, dass Kameras ausreichen – ähnlich wie Menschen nur mit Augen fahren. LiDAR bezeichnete Elon Musk lange als „Krücke“. Tesla setzt darauf, dass eine leistungsfähige KI aus Kamerabildern die Welt rekonstruieren kann: Abstände, Objekte, Geschwindigkeit und Situationen sollen allein durch neuronale Netze erkannt werden.

Teslas Vorteil ist gigantisch: Millionen Fahrzeuge sammeln täglich Fahrdaten weltweit. Keine andere Firma verfügt über so viele reale Verkehrssituationen in so vielen Ländern. Das macht Tesla zu einem potenziell extrem gefährlichen Konkurrenten – falls die KI den Durchbruch schafft.

Doch Tesla hat auch das größte Risiko. Kameras sind anfällig für Gegenlicht, Dunkelheit, Nebel, Regen und ungewöhnliche Szenen. In einem privaten Auto kann ein Fahrer im Notfall eingreifen. Ein Robotaxi darf das nicht. Deshalb ist die regulatorische Hürde für Teslas Ansatz besonders hoch. Tesla kündigt zwar seit Jahren ein Robotaxi-Netzwerk an, aber ein flächendeckender Level-4-Betrieb ohne Fahreraufsicht ist bislang nicht in der Breite Realität.

Der Kernunterschied: „Geofencing“ vs. „Weltweit sofort“

Waymo und Zoox arbeiten stark mit sogenannten Geofenced Areas. Das bedeutet: Sie definieren bestimmte Stadtzonen, kartieren diese extrem genau, testen sie intensiv und lassen Robotaxis nur dort fahren. Das ist technisch und rechtlich leichter kontrollierbar.

Tesla dagegen verfolgt das Ziel, dass das System überall funktioniert – ohne vorherige Kartierung. Das ist die „große KI-Wette“. Wenn Tesla Erfolg hat, wäre das ein globaler Durchbruch. Wenn nicht, könnten Waymo und Zoox Schritt für Schritt die Städte erobern, während Tesla weiterhin im Entwicklungsmodus bleibt.

Europa und Deutschland: Warum es noch dauert

In Deutschland gibt es bisher vor allem Pilotprojekte mit autonomen Shuttles oder Testflotten. Ein echter Robotaxi-Dienst wie in den USA ist noch nicht etabliert. Gründe sind strengere Regulierung, Haftungsfragen, Datenschutz und höhere Anforderungen an Sicherheitsnachweise. Realistisch könnte Europa ab Ende der 2020er Jahre stärker Robotaxis sehen – zunächst in Pilotregionen.

Fazit: Wer hat die besten Chancen?

Waymo ist aktuell der Marktführer, weil es bereits echte Robotaxi-Dienste betreibt.
Zoox ist technologisch am futuristischsten und könnte langfristig die effizienteste Robotaxi-Flotte aufbauen – Amazon hat die Mittel, das zu skalieren.
Tesla ist die riskanteste, aber potenziell größte Wette: Wenn Vision-only funktioniert, könnte Tesla Robotaxis weltweit in Massen ausrollen.

Kurz gesagt: Waymo gewinnt heute, Zoox könnte morgen gewinnen, und Tesla versucht den Jackpot.