Interview mit Deutschlands erstem e-Zigaretten Fachhändler

eSmokerShop – erster eZigaretten Fachhändler in Deutschland

Liquid-News im Interview mit Thorolf Leddin, Inhaber und Geschäftsführer des ersten E-Zigaretten Fachgeschäft das in Deutschland eröffnet wurde. Herr Leddin, einst selbst Raucher hat frühzeitig das Potenzial der eZigarette für sich selbst und andere Raucher erkannt.

Liquid-News:Der eSmokerShop war einer der ersten (der erste?) eZigaretten Shops in Deutschland. 2010 haben Sie die erste Filiale in Hannover eröffnet – davor hatten Sie 22 Jahre lang ein Geschäft für Videospiele. Wie kam es zu dem Umstieg?

Leddin: Wir waren zwar nicht der erste Shop, der E-Zigaretten angeboten hat – aber der erste Fachhändler in Deutschland.

eSmokerShop

Davor hatte ich tatsächlich 22 Jahre lang ein Fachhandelsgeschäft für Videospiele. Mein Hauptbeweggrund für den Wechsel war die Geburt meines ersten Sohnes. Ich habe 27 Jahre lang geraucht, zwei bis fünf Schachteln am Tag. 2008 bin ich in einem Chat auf einen User gestoßen, der immer wieder geschrieben hat ‚Ich dampf dann mal eine‘. Ich hatte das noch nie gehört – dampfen. Aber ich wollte schon lange mit dem Rauchen aufhören. Zum Glück war da gerade die Joye eGo auf den Markt gekommen, die habe ich als erste geholt und war zufrieden damit. Mit den Liquids allerdings weniger; die habe ich mir von überall bestellt und die haben oft einfach eklig geschmeckt. Das musste auch anders gehen. Also habe ich angefangen, meine eigenen Liquids zu entwickeln.

Erst einmal war da gar keine Geschäftsidee im eigentlichen Sinn – ich hatte einfach das Potenzial der E-Zigarette erkannt und wollte das Wissen und die Produkte gerne fachlich korrekt an meine bestehenden, zigaretten-nikotinsüchtigen Stammkunden im Videoladen weitergeben. Ich habe nicht missioniert, nur das Beispiel vorgelebt – meine Kunden kannten mich ja nur mit Zigarette in der Hand vor überquellendem Aschenbecher. Klar war eine Neugier da. Ich habe die E-Zigarette erklärt und zum Probieren angeboten. Das hat sich dann verselbstständigt. Immer mehr Kunden haben nachgefragt, wir mussten den Laden ständig erweitern und umbauen. Und die Videospielbranche war da sowieso gerade im Umbruch.

Dann kamen auch zunehmend Anfragen bezüglich meiner Liquids von anderen Händlern, Kiosken, Tankstellen. Ich wusste aber, diese würden keine Beratung anbieten – und das war und ist für mich essenziell. Gleichzeitig wuchs die Nachfrage von Kunden täglich um 200%, ohne Werbung, einfach aus dem Schneeballprinzip heraus. So habe ich schließlich 2010 den ersten eSmokerShop eröffnet.

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eSmokerShop GmbH Abfüllung Best Two

Liquid-News: Die Liquids „Best One“ und „Best Two“ sind exklusiv nur in eSmokerShops erhältlich. Wo werden die Liquids hergestellt? Sind Sie nach wie vor an der Herstellung und Entwicklung beteiligt?

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eSmokerShop GmbH Abfüllung Best Two

Leddin: Das Liquid Best Two wird zu 100% in Deutschland, das Liquid Best One wird zu 100% in China hergestellt. Selbstverständlich werden bei beiden Produktionen nur die hochwertigsten Zutaten verarbeitet. Unser Maschinen sind auf dem höchsten technischem Niveau. Ebenso selbstverständlich werden bei unserer Produktion alle geforderten Auflagen eingehalten – meist gehen wir darüber hinaus.

An der Entwicklung und der Aromen-Auswahl sind wir maßgeblich beteiligt. Das hat auch von Anfang an den Markencharakter ausgemacht. Ich wollte immer nur natürliche Aromastoffe, die ich selber unbesorgt dampfen kann. Und die Liquids sollten einzigartig sein – wir nennen das „nicht match-bar“. Auch unsere Einzelaromen, wie etwa Erdbeere, werden aus Aromen mindestens dreier Hersteller gemischt. So können sie auch im Labor nicht kopiert werden.

Ich wollte vernünftige Preise kalkulieren, ohne aber auf Top-Qualität zu verzichten – denn ich habe ja immer für mich selbst als Konsumenten produziert. Anfänglich war das eine Herausforderung: Deutschland war zu teuer, die Chinesen wollten mir ihren Standard-Liquid verkaufen, ich aber keine Billigprodukte. Ich hatte dann das Glück, ziemlich schnell meinen in den Niederlanden lebenden, chinesischen Geschäftspartner kennenzulernen. Das macht Verhandlungen und die Auswahl von Produzenten sehr viel einfacher und sicherer. Wir sind 2009 das erste Mal selbst nach Shenzhen in China gereist und haben uns die Produktionsstätten angeschaut.

Ich war überrascht. In Deutschland hat „Made in China“ ja immer noch keinen guten Namen. Viele Kunden denken „Um Himmels willen“, wenn sie hören, dass Liquids aus China kommen. Tatsache ist aber einerseits: Wo „Made in Germany“ drauf steht, sind noch lange keine ausschließlich deutschen Produkte drin.

Andererseits gehen die chinesischen Hygienevorschriften gesetzlich weit über die deutschen Bestimmungen hinaus. Während zum Beispiel in Deutschland nur Kittel und Schutzbrille bei der Liquid-Herstellung getragen werden müssen, sind in China Ganzkörperanzüge Pflicht; dort darf überhaupt kein Hautkontakt mit der Ware stattfinden. Während in Deutschland nur ein bestimmter Luftreinigungsprozess vorgeschrieben ist, gibt es China komplette Entkeimungsanlagen. Das Problem sind also nicht die gesetzlichen Vorgaben, sondern deren Einhaltung. Hier setzen wir auf Produzenten mit nachvollziehbarem Qualitätsmanagement, die Kontrollen durchführen.

Es gibt ja Gründe dafür, dass 70% aller Weltwarengüter in China produziert werden, nicht zuletzt viele Teile etwa für Mercedes, einschließlich des Sterns. Ich würde sagen, 95% der chinesischen Produktion ist wirklich gut und nur 5% sind Ausreißer.

Liquid-News: Was halten Sie von einer unabhängigen Liquid-Zertifizierung?

Leddin: Eine unabhängige Liquid-Zertifizierung halten wir für sinnvoll, jedoch ist eine staatliche Kontrolle unabdingbar. Deshalb haben wir auch diesen Teil des TPD2 befürwortet. Der Schutz des Einzelnen ist wichtig. Wenn ich Alkohol kaufe, will ich auch nicht, dass der vielleicht im Hinterhof zusammen gepanscht wurde. Das gehört sich einfach nicht. Durch die Ratifizierung des TPD2 wird ein gesunder Auslese-Effekt eintreten. Das ist gut so – denn schlechte Produkte und billiger Nachbau, daran gehen Kunden der Branche für immer verloren. Ein Konsument, der so schlechte Ersterfahrungen mit dem Dampfen macht, dem wird auch die Möglichkeit genommen, rauchfrei zu sein.

Die anderen unsinnigen Regulierungen, wie etwa das Werbeverbot, werden auf Dauer nicht haltbar sein. Auch die Ansage, dass Verdampfer nicht manipulierbar sein dürften, ist im Prinzip hinfällig. Um die Liquid-Vorgaben einzuhalten, brauchen Verdampfer nun mal eine Adapterplatte. Ob der Konsument diese heraus nimmt und austauscht, darauf kann ich als Verkäufer keinen Einfluss nehmen. Die Einzelteile für Geräte dürfen ja sowieso unreguliert weiter vertrieben werden.

Liquid-News: Wie viele E-Zigaretten und wie viele Flaschen Liquid verkaufen Sie monatlich – und wie hat sich Ihr Unternehmen bis heute entwickelt? Inwieweit bekommen Sie die zunehmende Konkurrenz on- und offline zu spüren?

Leddin: Wir verkaufen monatlich ca. 2700 E-Zigaretten und 90.000 Liquids in Deutschland. Unser eigener Laden in Hannover beschäftigt elf Festangestellte. Nehmen wir aber die Inhaber und das Personal aller anderen Shops hinzu und addieren noch die Produktion, dann sind durch die Marke etwa 200 Arbeitsplätze entstanden.

Wir denken nicht so sehr im Sinne von „Konkurrenz“. Andere Händler sind für uns Mitbewerber, die eine gesunde Vielfalt ausmachen – und die belebt schließlich das Geschäft. Je mehr kompetente Beratung auf fachlich hohem Niveau stattfindet, desto besser. Wir selbst wollen weiterhin unsere Fachhandelsfilialen in Deutschland ausbauen und dabei unserer Linie selbstverständlich treu bleiben. Wichtig ist, dass es weiter unabhängige Anbieter gibt und das Geschäft nicht in die Hände der Tabakindustrie übergeht. Ich hatte selbst Ende 2012 das erste Mal ein Angebot, an einen großen Zigarettenkonzern zu verkaufen und habe es nicht getan – mit teils recht unangenehmen Folgen. Dafür kann mir morgens im Spiegel weiter selbst in die Augen schauen.

Generell mache ich mir um die E-Zigaretten der Tabakkonzerne aber wenig Sorgen. Sie können nur Einsteigerprodukte anbieten, danach ist für die Schluss. Der Konsument will sich aber weiterentwickeln. Da kann die Zigarettenindustrie nicht mitgehen. Deshalb landet er schlussendlich doch bei uns – auch in Zukunft.

 

Liquid-News: Wo liegt bei Ihren Kunden die Motivation, zur E-Zigarette zu greifen?

Leddin: Der Hauptgrund, warum Kunden zur E-Zigarette greifen, ist ganz klar der Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören. Vor allem, wenn alle anderen Methoden wie z.B. Nikotinpflaster, Kaugummi, Spray oder Akupunktur nicht funktioniert haben, probieren sie die oft von Freunden erfolgreich angewandte E-Zigarette. Die hohe Preisersparnis gegenüber normalen Zigaretten ist natürlich auch kein unerheblicher Beweggrund.

Liquid-News: Auf Ihrer Webseite steht: „Alle eSmokerShop Filialen sind autark und arbeiten in eigener Verantwortung. Die Betreiber der einzelnen Shops sind für Ihr Handeln verantwortlich.“ Wie sind Ihr Filialnetz und Ihre Geschäftsform strukturiert? Gibt es ein Franchise-System?

Leddin: Wir sind kein Franchise-Unternehmen im herkömmlichen Sinne. Wir vergeben unseren Namen so wie alles andere kostenlos und sorgen für Gebietsschutz. Als Gegenleistung erwarten wir nur, dass unsere Liquids exklusiv und unsere zertifizierten, zugelassenen Produkten mit fachlicher Kompetenz weiter vertrieben werden.

Dafür suchen wir uns unsere Handelspartner sehr genau aus. Es ist mir ein echtes Anliegen, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die die Produkte mit Idealismus und Herzblut verkaufen und dabei eine hervorragende, sachliche Beratung anbieten. Gute Produkte sollten auch so behandelt und nicht einfach verramscht werden. Im Prinzip läuft diese Zusammenarbeit nach wie vor auf Handschlagbasis – komplizierte Verträge gibt es nicht.

Aber mir sind ein paar Prinzipien heilig, an die sich auch unsere Händler halten müssen. Jugendschutz etwa: Wir verkaufen in keinem Laden an unter 18-Jährige, auch wenn das bei nikotinfreien Liquids und der Hardware grundsätzlich legal wäre. Ebenso wichtig war mir schon immer der Umweltschutz. Energie wird gespart und Müll getrennt entsorgt, wo immer möglich.

Liquid-News: Welche Geräte empfehlen Sie am liebsten – vor allem auch für Neueinsteiger? Haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, selbst Hardware auf den Markt zu bringen?

Grundsätzlich empfehlen wir alle Geräte, die qualitativ hochwertig sind. Für Neueinsteiger ist das Starterset Maxi der Firma ‚Just Fog‘ am empfehlenswertesten. Selbst Hardware auf den Markt zu bringen, ist für uns durchaus denkbar, aber bisher aus zeitlichem Gründen noch nicht realisiert worden.

Liquid-News: Sie haben in einem Interview aus dem Jahr 2011 gesagt: „Ich will in drei Jahren keine einzige Zigarette mehr sehen, obwohl mir die Lobby das Leben schwer macht.“ Ganz so ist es ja nicht gekommen. Wie sehen Sie nun die Entwicklung in den nächsten Jahren – und wer steht Ihrer Ansicht nach einer weiteren Verbreitung der E-Zigarette am meisten im Weg, hier in Deutschland wie auch international?

Leddin: Die Aussage in meinem Interview 2011 wäre durchaus so eingetroffen, wenn nicht die Tabaklobby sowie unsere Politik durch die gezielte Hetzkampagne gegen die E-Zigarette dem Wachstum Steine in den Weg gelegt hätte. Das gilt hier in Deutschland und auch international. Daneben tragen auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) mit ihrer radikalen Einstellung sowie die Pharmalobby einen großen Teil der Verantwortung.

Ich beobachte auch, dass Kunden durch die Medien verunsichert werden. Zu mir kam eine Stammkundin in den Laden, die aufs Dampfen umgestiegen war und auf einmal wieder nach Zigaretten roch. Ich habe sie gefragt „Wieso rauchst Du denn wieder?“ Sie hatte einen Artikel in der BILD-Zeitung darüber gelesen, wie gefährlich E-Zigaretten doch eigentlich seien – und tatsächlich sofort ihre ganze Dampfausstattung in die Tonne geworfen. Ich habe dann zu ihr gesagt „Sag mal, selbst wenn alle drei unserer Liquid-Zutaten giftig wären (was sie ja nicht sind), was ist das denn im Vergleich zu den 4.000 toxischen Inhaltsstoffen im Tabak?“ Das ist einfach eine unverantwortliche Berichterstattung – aber natürlich geht es hier um Steuergelder. Dem Staat gehen mit den E-Zigaretten Milliarden Euros an Tabaksteuer verloren.

Liquid-News: Wie sehen Sie die Dampferszene in Deutschland? Könnte da mehr an der Basis passieren – und wenn ja, was? Meinen Sie, zentralisierte Vereinigungen oder Verbände könnten Lobbymacht entwickeln?

Leddin: Es könnte durchaus mehr an der Basis passieren, um das Dampfen voranzubringen. Hilfreich wäre es wie gesagt schon, wenn es mehr Fachgeschäfte geben würde, die mit Idealismus betrieben werden, sowie zum Beispiel unsere Handelspartner es machen. Das Problem von Korruption und Interessenkonflikten ist natürlich immer gegenwärtig, wenn Verbände zu groß werden und sich kaufen lassen. Aber eine Interessengemeinschaft oder ein Verband des E-Zigarettenhandels kann durchaus Lobbymacht entwickeln, wenn diese von wirklichen Enthusiasten geführt werden.

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