US-Supermärkte sollen keine Zigaretten mehr verkaufen

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Zigaretten raus aus dem Supermarkt

US-Supermärkte nehmen Zigaretten aus dem Sortiment

Am 05. Februar 2014 hat die amerikanische Drogeriekette CVS Caremark mitgeteilt, ab dem 01. Oktober 2014 keine Zigaretten und anderen Tabakprodukte mehr in ihren Filialen zu verkaufen. Von der neuen Regelung sind US-weit mehr als 7.600 Geschäfte betroffen. In seiner diesbezüglichen Presserklärung nannte das Unternehmen die Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen seiner Kunden als Grund für den Schritt. Damit ist CVS Caremark die bisher erste Drogeriekette in den Vereinigten Staaten, die sich freiwillig dieser Regelung unterwirft. Larry J. Merlo, Präsident und CEO der Firma erklärte, dass der Verkauf von Tabakprodukten sich einfach nicht mit dem Unternehmenswerten vereinbaren ließe.

Er erläutert weiter „Nachdem sich die Gesundheitsfürsorge immer mehr in Richtung größeren Wohlbefindens, der Reduzierung von chronischen Krankheiten und Kostenkontrolle entwickelt, spielt CVS Caremark durch unsere Apotheker und praktizierenden Krankenschwestern [Anmerkung: In den USA sind Apotheken und Drogerien oft zu einem Mischunternehmen mit entsprechend geschultem Personal zusammengefasst] eine zunehmende Rolle in der Versorgung. Indem wir heute mit der Entfernung der Tabakprodukte aus unseren Regalen Verantwortung übernehmen, zeichnen wir uns noch deutlicher als ein Unternehmen aus, das Patienten, Klienten und Leistungserbringer im Gesundheitswesen unterstützt. Wir positionieren uns damit klar im zunehmenden Wachstumssektor Gesundheitsfürsorge.“

Das sind deutliche Worte, in denen nicht darum herum geredet wird, dass an der Entscheidung neben der Sorge um das Wohlergehen der Kunden (das allerdings seit Bekanntwerden der Gesundheitsgefährdung durch Zigaretten niemand besonders gestört zu haben scheint) klar die Marktpositionierung der Marke im Vordergrund steht. Gleichzeitig reagiert das Unternehmen auf die zunehmende Anzahl an Studien, die eine reduzierte Verfügbarkeit von Zigaretten zu einer der wirkungsvollsten Interventionsmaßnahmen bei Nikotinabhängigkeit erklären. Dass die Anzahl derjenigen, die mit dem Zigarettenrauchen aufhören, in den USA in den letzten zehn Jahren nicht wirklich zugenommen hat, erklären sich viele Konsumforscher mit der allzu leichten Erreichbarkeit der nächsten Packung. Daran glaubt auch der CVS Caremarks Chief Medical Officer Troyen A. Brennan, M.D., M.P.H.: „Den Verkauf von Zigaretten und Tabak zu stoppen, wird einen entscheidenden Unterschied bei der Bekämpfung der durch Tabak ausgelösten chronischen Krankheiten ausmachen.“

Dieser Ansicht ist offenbar auch die Politik, die das Beispiel der Drogeriekette nun zum nationalen Standard erheben will. Dazu haben sich Justizminister von insgesamt 20 Bundesstaaten zusammengetan und in einem soeben publik gewordenen Brief auch die anderen großen amerikanischen Drogerie- und Supermarktketten aufgerufen, Zigaretten und Tabakprodukte aus ihren Regalen zu nehmen. Eric Schneiderman, Justizminister im Bundesstaat New York, hat im besonderen Safeway, Walmart und Rite Aid aufgefordert, dem Beispiel ihres Mitbewerbers CVS Caremark zu folgen. Daneben sind auch alle anderen Vertriebsunternehmen gemeint, die Medikamente führen. Deren Verkauf sei mit dem Angebot von Tabakprodukten schlicht unvereinbar, so die schriftliche Argumentation. Im Brief wurden allerdings keine weiteren rechtlichen oder politischen Schritte erwähnt.

Mit diesem Schritt reihen sich die Justizminister ein in eine Reihe von laut gewordenen Stimmen so anerkannter Institutionen wie der American Medical Association, der American Heart Association, der American Cancer Society, der American Lung Association and der American Pharmacists Association. Sie alle hatten bereits Stellungnahmen gegen der Verkauf von Tabakprodukten in Drogerien und Apotheken veröffentlicht.

Zurück zu CVS Caremarks. Um sicher zu gehen, dass die Nachricht keinen plötzlichen Sturz der Unternehmensaktien ins Bodenlose nach sich zieht, macht CVS Caremarks in derselben Pressemetteilung auch gleich die entsprechende Rechnung auf – die sehr faszinierend ist. Obwohl das Unternehmen mit etwa zwei Milliarden Dollar Umsatzeinbußen (bei einem Gesamtumsatz von etwa 123 Milliarden Dollar) rechnet, bleibt es bei seinen Prognosen für das eigene positive Wachstum. Denn, so die Firma, man habe andere Geschäftsnischen entwickelt, die die Differenz auffangen können.

Und tatsächlich, kurz darauf verspricht das Unternehmen Millionen Amerikanern, sie bei der Bekämpfung ihrer Nikotinsucht aktiv zu unterstützen. Hierfür legt das Unternehmen ein umfassendes Programm auf, das dieses Frühjahr an den Start gehen wird. Darin sollen Informationen vermittelt und Behandlungen angeboten werden, die online sowohl als auch in den ebenfalls zum Konzern gehörenden MinuteClinic-Einrichtungen in Anspruch genommen werden können. Damit will das Unternehmen mit eigenen Worten die sieben von zehn Rauchern abholen, die mit dem Rauchen aufhören wollen und es bisher erfolglos versucht haben. Besonders hilfreich sollen dabei die insgesamt 26.000 beim Unternehmen angestellten Apotheker sein.

Es scheint also, als ob zumindest in den Staaten und in einer besonderen ökonomischen Konstellation das Geschäft mit der Sucht-Beendigung mindestens so lukrativ eingeschätzt wird wie das mit der Sucht an sich. CVS Caremarks hat nie eZigaretten verkauft. Deshalb stellt sich in diesem Fall die grundsätzliche Frage nicht, ob dieses Produktsegment von der Regelung ausgeschlossen werden sollte, weil es Nikotinsucht bekämpfen hilft – eine gerade in den USA momentan heiß debattierte Frage. Sollten andere Unternehmen aber tatsächlich nachziehen, wird genau dieses Thema aufkommen.

 

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