Das (tragbare) Risiko von Nikotin ist längst ausreichend erforscht

Jeder Raucher, der vom Tabak auf E-Liquid mit Nikotin wechselt, stellt sich dieselbe Frage: Komme ich damit nicht vom Regen in die Traufe? Vielleicht verringere ich mein Risiko, an den Folgen des Tabakkonsums zu erkranken, aber ist das Nikotin im E-Liquid nicht langfristig vielleicht ebenso gefährlich?

Das Risiko von Nikotin ist längst ausreichend erforscht

E-Liquid mit Nikotin: Lebensrettend oder nur dasselbe Gift im neuen Gewand?

 

Diese Sorge ist verständlich, haben doch Bundesregierung, Gesundheitsbehörden und Medien alles dafür getan, dass Nikotin auch für sich allein genommen als riskante Substanz wahrgenommen wird.

Wer die in der Presse und von Gesundheitsorganisationen zitierten Berichte zur physiologischen Wirkung von Nikotin allerdings genauer liest, dem fällt auf: Hier wird erstaunlich oft der Konjunktiv genutzt. „Könnte“, „wäre“, „ist nicht auszuschließen, dass“ sind semantische Zeugen einer unwiderlegbaren Tatsache: Es gibt keine belastbaren Nachweise der Wirkung von Nikotin auf den lebenden menschlichen Organismus als System.

Alle vorhandenen Studienergebnisse beziehen sich auf entweder auf die Wirkung von Nikotin auf humanes Zellgewebe in Petri-Schalen (oder ähnlich künstlichen Laborumgebungen); oder aber auf Tierexperimente, meist an Mäusen, bei denen diese Nikotin Konzentrationen ausgesetzt waren, die mit realistischen Bedingungen beim E-Zigaretten-Konsum nichts zu tun hatten.

Allerdings fällt schon hier auf: Je realitätsgetreuer Tests die Wirkung von verdampftem, inhaliertem E-Liquid mit Nikotin auf menschliche Lungen- und Bronchienzellen imitieren, desto geringer fällt die beobachtete Schädlichkeit aus. Nach Expositionsvergleichen mit den verschiedenen einzelnen Inhaltsstoffen von E-Liquid mit Nikotin werden zudem die enthaltenen Aromen für die (in jedem Fall geringen) zytotoxischen Schäden als Ursache verantwortlich gemacht – und nicht das Nikotin selbst.

Es existieren extensive Langzeitstudien zum Konsum von Nikotin

Konfrontiert mit diesen wissenschaftlich ermittelten Daten antworten Nikotin Kritiker regelmäßig: Das möge vielleicht sogar sein, aber all diese Studien bezögen sich lediglich auf wenige Stunden bis maximal einige Wochen der Bedampfung von Zellen mit E-Liquid mit Nikotin. Über die Langzeitfolgen des Konsums von reinem Nikotin sei indessen nichts bekannt. Deshalb würden es die schlechten Erfahrungen mit dem Tabakrauchen sowie das Präventionsprinzip notwendig machen, Nikotin solange scharf zu regulieren, bis eine Entwarnung auch wissenschaftlich vertretbar sei.

Tatsächlich ist eine derartige wissenschaftliche Basis für die realistische Einschätzung des Risikos von E-Liquid mit Nikotin für den menschlichen Körper aber längst vorhanden.

Denn es gibt sehr wohl Langzeitstudien hinsichtlich der Wirkung von Nikotin auf den menschlichen Körper gibt, wenn dieses nicht in Verbindung mit Tabakrauch konsumiert wird. Sie wurden in dem Land durchgeführt, das Nikotin Konsum zum EU-weit anerkannten Kulturgut erhoben hat, nämlich in Schweden – und zwar im Zusammenhang mit dem Genuss von Snus, dem typisch skandinavischem „Oraltabak“, der eher gelutscht (manche sagen boshaft „genuckelt“) als gekaut wird.

Snus

Schwedischer Snus: Nikotin zum „Lutschen“ in Form aromatisierter Tabakpäckchen

Da es sich beim Snus um eine Jahrhunderte alte Technik des Nikotin Konsums handelt, liegen zu seinen Folgen auch bereits mehr als 150 klinische Untersuchungen und Studien vor, die in Schweden an Universitäten, in Forschungslaboren und an Kliniken über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren durchgeführt worden sind. Auch die Anzahl der „Versuchsobjekte“ ist beeindruckend: Mehr als 100.000 Konsumenten haben insgesamt an diesen Untersuchungen teilgenommen.
Aufgrund der Relevanz dieses Themas für die Nikotin Forschung und die Gesundheitsrisiken für die schwedische Bevölkerung wurden außerdem diverse, umfassende Meta-Analysen der vorhandenen Datenmengen durchgeführt.

Nikotin Konsum durch Snus erhöht das Erkrankungsrisiko nicht messbar

Die diesbezüglichen Ergebnisse sind kongruent. Sie zeigen, dass Snus-Konsumenten sich langfristig und durchschnittlich im selben Gesundheitszustand befinden wie Ex-Raucher, die vollständig mit dem Nikotin Konsum in jeglicher Form aufgehört haben.

Darüber hinaus scheint Snus das Risiko keiner spezifischen Erkrankung statistisch signifikant zu erhöhen – mit der Ausnahme von Schleimhautreizungen und Veränderungen in der Mundhöhle. Die risiko-sensibelsten Studien messen eine Lebenszeitverkürzung von sechs Wochen durch Snus-Gebrauch – im Vergleich zu den zehn Jahren, die schwere Raucher statistisch betrachtet zu befürchten haben.

Alles in allem scheinen die Risiken des Snus-Konsums in etwa mit dem des Kaffeetrinkens vergleichbar zu sein – wie ja auch Nikotin und Koffein in Hinsicht auf Wirkung und messbares Risiko nach gegenwärtigem Kenntnisstand unmittelbar vergleichbar sind (allerdings scheint exzessiver Kaffeekonsum auf eine höhere Lebenszeitverkürzung hinzudeuten).

Koffein

Wahrscheinlich stellt sich heraus: Nikotin und Koffein gehören zur selben Risikogruppe

Schon vor der Erfindung der E-Zigarette gab es unter Anti-Tabak-Experten den Begriff des „Schwedischen Wunders“. Die Regierung Schwedens hat das Snus-Phänomen selbst statistisch durchleuchtet und die Daten öffentlich gemacht. Trotz – tatsächlich wohl eher aufgrund von – Nikotin Genuss in „Lutsch-Form“ sterben in Schweden deutlich weniger Menschen an den Folgen des Rauchens als in anderen entwickelten Ländern. Im Vergleich mit allen anderen EU-Staaten verzeichnet Schweden nur die Hälfte an rauch-induzierten Todesfällen. Diese Daten lassen sich ebenfalls auf tabakbedingte Erkrankungen übertragen, von denen das schwedische Gesundheitssystem die niedrigste Rate in der ganzen EU aufweist. Für die Pharmaindustrie ist Schweden eine Katastrophe. Medizinische Entwöhnungsmittel verkaufen sich ausnehmend schlecht im Vergleich zu anderen Märkten.

Was sagen diese Beobachtungen nun über das Gesundheitsrisiko von Nikotin aus? Es ist nachvollziehbar, dass ein Langzeitgebrauch von E-Liquids mit Nikotin nicht riskanter sein kann als ein Langzeitkonsum von Snus. Natürlich kommt hier der Faktor des Dampfens als spezifischer Darreichungsform mit ins Spiel; und damit speziell die Auswirkungen von Nikotin Kontakt (und Zusatzstoffen) mit Lungengewebe. Dazu kommen wir später.

Konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf die grundsätzliche Wirkung von Nikotin auf den gesamten Organismus sowie auf die häufigste Behauptung, Nikotin würde unter Umständen Krebs verursachen können oder bereits bestehende karzinogene Zellveränderungen beschleunigen.

Die Daten zum Snus-Konsum sind tatsächlich die einzige Datenmenge zum Langzeitkonsum und der dauerhaften Wirkung von Nikotin ohne Tabakinhalation weltweit. Natürlich wurde auch die Wirkung von Nikotin Ergänzungsmitteln extensiv untersucht, allerdings in wesentlich geringerem Umfang und über einen wesentlich kürzeren Zeitraum. Zwar werden diese Nikotin Präparate bereits seit Jahrzehnte genutzt, durchgängige Studien gibt es jedoch nur für einen Zeitraum von etwa fünf Jahren (warum, ist allerdings ein Rätsel), was zwanzig Jahre unter dem für Snus liegt.

Deshalb bezieht sich auch die Pharmaindustrie in ihrer Argumentation für die Sicherheit ihrer Nikotin – Ergänzungsprodukte wie Pflaster oder Kaugummis auf den schwedischen Datenpool (die Ironie ist offensichtlich). Nikotin Ergänzungsprodukte sind auf dauerhafte Nutzung angelegt; daran haben schon die Pharmakonzerne ein wirtschaftliches Interesse. Aus zulassungsrechtlicher Sicht muss dieser Dauerkonsum zu rechtfertigen sein. In den entsprechenden Gutachten der Pharmakonzerne für (erfolgreich durchgewunkene) Zulassungen oder Zulassungsverlängerungen ihrer Nikotin Ergänzungsprodukte tauchen die schwedischen Snus-Daten immer wieder als Argument auf.

Im Zuge eines dieser Genehmigungsverfahren hat die englische Arzneimittel-Zulassungsbehörde MHRA Nikotin bereits 2010 als eine „sehr sichere Droge“ bezeichnet. In der 2015 veröffentlichten Zusammenfassung „E-cigarettes: an evidence update“ bestätigt die britische Gesundheitsbehörde „Public Health England“ diese Einschätzung des Risikos und der Wirkung von Nikotin im E-Liquid nochmals.

Tatsächlich kann anhand der Snus-Daten eines unmissverständlich festgestellt werden: Der reine Nikotin Konsum stellt keine klinisch nachweisliches Gesundheitsrisiko dar. Eigentlich wären in dieser Hinsicht auch weltweit keine weiteren Studien nötig – vor allem nicht an Mäusen mit lächerlich hohen Nikotin Dosen. Denn das Nikotin in allerhöchster Konzentration kontinuierlich eingenommen toxisch ist, ist seit langem bekannt. Nichts anderes gilt für Koffein, Industriezucker oder Salz.

Neue Studien zeigen: Verdampfter E-Liquid mit Nikotin belastet ähnlich wie Umgebungsluft

Konzentrieren sollten sich die Untersuchungen jetzt auf die Wirkung von Nikotin, wenn es verdampft wird. Die entscheidende Frage ist, ob sich die Risikoquote von Snus-Konsum direkt auf inhaliertes E-Liquid mit Nikotin übertragen lässt. Wäre dem so, würde der Konsum von
E-Zigaretten rein statistisch gesehen 1 – 5% des Risikos von Tabakzigarettenkonsum darstellen – denn das sind die Zahlen, die sich je nach Lesart aus den Snus-Studien ergeben.

An dieser Frage scheiden sich die Geister noch. Einige Epidemiologen und andere Mediziner vermuten, dass E-Liquid mit Nikotin sogar noch sicherer als Snus ist, da es gar kein Tabak mehr enthält. Andere halten dagegen, dass E-Liquid mit Nikotin inhaliert wird und seine Inhaltsstoffe als Dampf eben doch eine relative Belastung für das menschliche Gewebe darstellen.

Das Problem mit der Erhebung von entsprechenden Daten zur Einschätzung des Risikos von E-Liquid mit Nikotin für den menschlichen Körper waren bisher die Versuchsanordnungen. In den letzten zwei bis drei Jahren jedoch gelingt es immer erfolgreicher, mit Hilfe von „dampfenden Robotern“ einerseits und dem Aufbau von körperanalogen Zellgewebestrukturen, reale Dampf-Szenarien nachzustellen. Hierbei zeigt sich, dass das Zellgewebe unter der Exposition von nikotinhaltigem E-Liquid-Dampf nur sehr marginale Veränderungen zeigt, analog zu denen durch unsere tägliche Umweltbelastung in großen Städten.

Gefährlichkeit von E-Liquids mit NikotinEs wäre unverantwortlich von den Gesundheitsbehörden der EU und Deutschlands, anhand dieses Datenmaterials aus dem Snus-Konsum Schwedens und des zunehmenden Studienmaterials neuere Studien weiterhin auf einer Gefährlichkeit von E-Liquids mit Nikotin zu bestehen.

Natürlich hat Nikotin Risikofaktoren. Auch diese sind gut erforscht. Aber sie bestehen eben nur für Risikogruppen, die bereits erkrankt sind oder unter chronischen Schwächungen des Organismus leiden. Auch auf dieses Risiko für den Nikotin Konsum hat die schwedische Regierung mit Verweis auf die Snus-Forschung extensiv hingewiesen. Menschen mit chronischer Bronchitis und anderen chronischen Lungenkrankheiten können zwar, falls sie Raucher sind und auf Nikotin nicht verzichten möchten, wenig besseres tun als auf E-Zigaretten zu wechseln, wie zahllose Patienten bereits bestätigt haben. Dennoch ist die Inhalation jedweder Substanz, also auch E-Liquid mit Nikotin, ein mögliches Risiko für sie. Bei schweren Lungenkrankheiten sollte tatsächlich jede Inhalation ausgeschlossen werden, da sie das Risiko einer Lungenentzündung mit sich bringt. Dies liegt jedoch nicht an der spezifischen Wirkung von Nikotin oder am E-Liquid mit Nikotin, sondern an der generellen Wirkung inhalierter Fremdstoffe auf angegriffenes Lungengewebe.

Gleiches gilt für Patienten mit schwerwiegenden Herzerkrankungen. Auch sie sollten versuchen, ihren Nikotin Konsum möglichst einzuschränken. Von dieser Empfehlung betroffen sind auch Personen mit ererbter Herzschwäche oder einer genetischen Unverträglichkeit von Nikotin – eine seltene, aber existierende Disposition.

In allen diesen Fällen jedoch gilt für den Konsum von E-Liquid mit Nikotin das gleiche wie etwa für andere Substanzen, gegen die eine ererbte Unverträglichkeit oder eine Allergie vorliegt oder die aufgrund einer Vorerkrankung vom Immunsystem oder dem Organismus nicht mehr verstoffwechselt oder ausgeglichen werden können.

Hinzu kommt, dass die Verträglichkeit von Nikotin von Mensch zu Mensch verschieden ist. Hierzu gibt es noch so gut wie keine Studien. Allerdings ist das Phänomen in E-Zigaretten Foren extensiv diskutiert worden. Hier liegt also keine grundsätzliche körperliche Aversion gegen Nikotin vor, sondern nur eine Differenzierung im Umgang des Körpers mit unterschiedlichen Dosierungen – wie es etwa auch bei der Verträglichkeit von Gluten, Koffein oder Milcheiweiß zu beobachten ist. Der Vorteil beim E-Liquid mit Nikotin liegt hier offensichtlich im ebenfalls individuell dosierbaren Nikotinanteil.

Weiterführende Links
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