Martin Sellner

Martin Sellner

Martin Sellner: Vom rechtsextremen Aktivismus zur Kontroverse

Frühe Jahre und politische Prägung

Martin Michael Sellner, geboren am 8. Januar 1989 in Wien, wuchs in einer Familie mit akademischem Hintergrund auf. Sein Vater war Homöopath, seine Mutter Englischlehrerin. Nach dem Wehrdienst im österreichischen Bundesheer begann Sellner in Wien Philosophie zu studieren, welches er mit einem Bachelor abschloss. Das Rechtswissenschaftsstudium brach er jedoch ab. Bereits in seiner Jugend kam Sellner mit der Neonazi-Szene in Berührung, unter anderem beeinflusst durch den verurteilten Holocaustleugner Gottfried Küssel.

Aufstieg in der rechtsextremen Szene

Sellners Weg führte ihn schnell in die vordersten Reihen der rechtsextremen Bewegung in Österreich. Er beteiligte sich an Aktionen wie der Platzierung von Hakenkreuz-Aufklebern und entwickelte sich zu einem wichtigen Akteur innerhalb der Identitären Bewegung Österreichs (IBÖ), deren Sprecher er von 2015 bis 2023 war. Seine Aktivitäten und Ansichten, die sich durch Rassismus, Völkertum und Antisemitismus auszeichnen, brachten ihm Einreiseverbote in mehrere Länder, darunter Großbritannien, die Vereinigten Staaten und zuletzt Deutschland.

Mediale Präsenz und politische Kampagnen

Sellner nutzte verschiedene Plattformen, um seine Botschaften zu verbreiten. Nachdem er von sozialen Medien wie Instagram und Twitter verbannt wurde, wich er auf Telegram und die Videoplattform Rumble aus. Hierbei unterstützte ihn auch seine Ehefrau, die US-amerikanische Vloggerin Brittany Pettibone, eine prominente Figur der Alt-Right-Bewegung. Sellners politische Kampagnen fokussierten sich auf Themen wie den „Großen Austausch“, eine Theorie, die eine systematische Ersetzung der europäischen Bevölkerung durch nicht-europäische Migranten postuliert.

Kontroversen und Rechtsstreitigkeiten

Sellners politische Laufbahn ist von Kontroversen und juristischen Auseinandersetzungen geprägt. Besonders brisant war die Enthüllung, dass er eine Spende von Brenton Tarrant, dem Attentäter von Christchurch, erhalten hatte. Obwohl Sellner jegliche Verbindung zu dem Anschlag von sich wies, führten diese Enthüllungen zu intensiven Untersuchungen und prägten das öffentliche Bild von ihm und der Identitären Bewegung.

Kritik und Einordnung

Sellners Ansichten und Aktionen haben sowohl national als auch international Kritik und Besorgnis hervorgerufen. Experten für Rechtsextremismus sehen in ihm ein Beispiel für die Verbindung von jugendlichem Extremismus und strukturierter rechtsextremer Aktivität. Trotz juristischer Rückschläge und öffentlicher Gegenreaktionen bleibt Sellner eine zentrale Figur in der rechtsextremen Szene, deren Einfluss und Aktivitäten weiterhin Gegenstand intensiver Beobachtung und Kontroversen sind. Im Verfassungsschutzbericht 2020  (Seite 78) wird er als „identitäre Leitfigur“ beschrieben.


Titelbild: C.Stadler/Bwag