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Erich Kästner, Briefe an mich selber

Erich Kästner: Briefe an mich selber

Briefe an mich selber (Januar 1940)

Autor: Erich Kästner
Epoche: Neue Sachlichkeit

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Inhaltsangabe, Analyse und Interpretation

Erster Brief

In Erich Kästners „Briefe an mich selber“, insbesondere im ersten Brief, setzt sich der Autor mit seinen Erfahrungen und Gedanken während des Zweiten Weltkriegs auseinander. Geschrieben in einem Café am Kurfürstendamm am 19. Januar 1940, reflektiert Kästner über die Rolle seiner Bücher und Gedichte und die Erwartungen, die er an sie und ihre Wirkung auf die Menschen hatte.

Kästner erkennt, dass seine Hoffnung, durch seine Werke die Menschen zu einem besseren Leben zu bekehren, vergeblich war. Er vergleicht seine Bemühungen mit dem Versuch, Fische dazu zu bringen, an Land zu gehen oder Raubtiere in Vegetarier zu verwandeln – ein Unterfangen, das er als absurd und anmaßend bezeichnet. Er stellt fest, dass die Menschen sich nicht vorwärts, sondern im Kreis bewegen, nur um nicht stillzustehen. Diese Einsicht führt ihn zu dem Schluss, dass es eine Anmaßung sei, die Welt oder die Menschen verbessern zu wollen.

Kästner äußert auch Besorgnis um sein eigenes Leben, da seine Bücher verbrannt wurden und er unter Schreibverbot stand. Er reflektiert über das Scheitern großer Philosophen, die Menschheit zur Vernunft zu bringen, und betont die Notwendigkeit von Grenzen und Beschränkungen, die Menschen benötigen, um sich sicher zu fühlen.

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Der Kern des Briefes liegt in der Erkenntnis, dass man bei dem Versuch, die Menschen zu ändern, bei sich selbst beginnen und auch bei sich selbst aufhören sollte. Kästner erkennt, dass Selbstreflexion und die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen der Schlüssel zur persönlichen Entwicklung sind, anstatt zu versuchen, andere zu ändern.

Trotz seiner Enttäuschung zeigt Kästner Verständnis für die „Beschränktheit“ der Menschen, die seiner Meinung nach ihre eigenen Schranken benötigen. Er sieht, dass sich die Menschen seinen Besserungsversuchen nicht aus Bosheit, sondern aus Unfähigkeit entziehen. Die Hauptursache für das Scheitern dieser Anstrengungen liegt in der menschlichen Natur selbst.

Zweiter Brief

Im zweiten „Brief an mich selber“ setzt Kästner seine tiefgründige Selbstreflexion fort, die er im ersten Brief begonnen hatte. In diesem Brief, der in einem Kontext des Zweiten Weltkriegs geschrieben wurde, reflektiert Kästner über die Wirkungslosigkeit seiner eigenen literarischen Bemühungen, die Welt zu verbessern oder die Menschen zu einem besseren Leben zu bekehren.

Kästner erkennt, dass seine Versuche, durch seine Bücher oder Gedichte die Menschen zu einem besseren Leben zu bekehren, naiv waren. Er vergleicht seine Bemühungen mit dem Versuch, Fische zum Laufen zu bringen oder Raubtiere in Vegetarier zu verwandeln, und stellt fest, dass solche Versuche absurd und anmaßend sind. Kästner kommt zu dem Schluss, dass es eine Anmaßung ist, die Welt oder die Menschen veredeln zu wollen, da die Menschen sich seit Jahrtausenden gegen solche „Engelmacher“ wehren.

Darüber hinaus äußert er Besorgnis um sein eigenes Leben, angesichts der Tatsache, dass seine Bücher verbrannt wurden und er unter Schreibverbot stand. Er reflektiert über die Unfähigkeit großer Philosophen, die Menschheit zur Vernunft zu bringen, und betont die Bedeutung von Grenzen, die die Menschen benötigen, um sich sicher zu fühlen.

Der Kern des Briefes liegt in der Erkenntnis, dass Veränderung bei sich selbst beginnen und enden sollte. Kästner betont die Bedeutung der Selbstreflexion und erkennt, dass es wichtiger ist, sich selbst zu verstehen und zu verbessern, als andere zu ändern. Er zeigt Verständnis für die Beschränktheiten der Menschen und erkennt, dass diese nicht aus Bosheit, sondern aus Unfähigkeit seinen Besserungsversuchen widerstehen.

Reflexion und Realisierung: Die Entwicklung von Selbstkritik und Perspektive in Erich Kästners ’Briefen an mich selber

Der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten „Brief an mich selber“ von Erich Kästner liegt hauptsächlich in der Entwicklung von Kästners Selbstreflexion und der Vertiefung seiner Themen.

  1. Fokus und Inhalt:
    • Im ersten Brief konzentriert sich Kästner auf die Reflexion über seine früheren Werke und die Erkenntnis, dass seine Bemühungen, durch seine Literatur die Welt zu verbessern, vergebens waren. Er behandelt die Grenzen seiner Einflussnahme und die Einsicht, dass es nicht in seiner Macht steht, die Menschheit zu verändern oder zu „veredeln“.
    • Der zweite Brief vertieft diese Reflexionen und stellt eine weitere Auseinandersetzung mit der menschlichen Natur und den Grenzen des individuellen Einflusses dar. Kästner erkundet hier die Komplexität der menschlichen Verhaltensweisen und die Unfähigkeit, fundamentale menschliche Eigenschaften und die Gesellschaft insgesamt zu ändern.
  2. Ton und Perspektive:
    • Im ersten Brief wirkt Kästner teilweise nachsichtig gegenüber seinen früheren Ansichten, reflektiert über seine Irrtümer und die Naivität seiner Hoffnungen.
    • Im zweiten Brief ist der Ton möglicherweise etwas resignierter und introspektiver. Kästner zeigt ein tieferes Verständnis der menschlichen Natur und akzeptiert mehr die Grenzen seiner Fähigkeit, Veränderungen zu bewirken.
  3. Thematische Entwicklung:
    • Der erste Brief befasst sich mit Kästners früheren Erwartungen und der Realisierung, dass diese möglicherweise zu idealistisch waren.
    • Im zweiten Brief entwickelt er diese Gedanken weiter und beschäftigt sich intensiver mit der Idee der Akzeptanz und des Verständnisses der inhärenten Beschränkungen der menschlichen Natur.
  4. Persönliche Reflexion und Selbstkritik:
    • In beiden Briefen zeigt Kästner eine tiefgehende Selbstkritik und Reflexion. Der erste Brief legt den Grundstein für diese Selbstbetrachtung, während der zweite Brief diese Gedanken weiter ausarbeitet und vertieft.

Titelbild: Grete Kolliner

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