Kaffeeanbau in Afrika

Kaffee aus Afrika und die wirtschaftliche Situation

Afrikas Kaffeebohnen haben einen guten Ruf – nein, eigentlich ist der Ruf des afrikanischen Kaffees sogar hervorragend! Nicht umsonst hat sich der „schwarze Kontinent“ in den letzten Jahren weltweit zum Kaffeeproduzenten Nummer 6 gewirtschaftet. Doch noch immer stehen Kaffeebauern in Äthiopien und Co. vor einer schwierigen Aufgabe: Es fließt nicht genug Kapital in den Anbau.

Sowohl beim 5. African Coffee Sustainability Forum als auch bei der 12. African Fine Coffee Conference & Exhibition in Nairobi letzten Monat stand dieses Problem nun im Vordergrund. Ansinnen ist es, den Kaffeeanbau weiter zu fördern und auszubauen – auch und gerade zum Vorteil der Kaffeebauern, die sonst eher leer ausgehen. Hierbei sollte die Schere der Verhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und abgeschöpftem Kapital geschlossen werden.

Dafür reiste der Executive Director der internationalen Kaffeeorganisation ICO, Herr Roberio Oliveira Silva, persönlich nach Afrika, um sich sowohl mit Kaffeebauern, wie auch mit Investoren und Regierungsoffiziellen zu treffen. Im Zuge seines Besuchs betonte Silva, dass die Wirtschaft Afrikas in den letzten zehn Jahren stark gewachsen sei und damit auch die Kaufkraft der Einwohner. Die Kaffeeproduktion in Afrika hat innerhalb der letzten zehn Jahre 3 % zugelegt – pro Jahr, und erreichte damit insgesamt eine Produktionskapazität von 5,1 Millionen Kaffeesäcken im Jahr 2014.

Silva betonte, dass sich dadurch für die Afrikaner ein Alternativmarkt bildet, der gerade den lokalen Bauern die Sicherheit gibt, ihren Kaffee zur Not auch im Inland anbieten zu können. Zudem solle sich Afrika weiter auf Spezialitätenkaffees und den nachhaltigen Anbau konzentrieren, da dort seine besonderen Stärken lägen, sagte Silva bei der Konferenz in Nairobi.

Zusammentreffen aus Investoren und Anbau-Experten

Bei dem eintägigen Workshop, der im Zuge des 5. Afrikanischen Kaffee Nachhaltigkeitsforum, angeboten wurde, kamen sowohl Größen aus der Wirtschaft und damit potenzielle Investoren, wie auch verschiedene Bauernverbände und Händler zusammen. Kernthema war dabei, nach nachhaltigen Lösungen zu suchen, wie man sowohl die Produktion weiter ankurbeln und darüber hinaus ebenso das Einkommen der Bauern langfristig sichern kann.
Während des Workshops wurden verschiedene Modelle ausgearbeitet, über die Afrika neue Anreize für Investoren schaffen könne und damit den Fluss von Geldern seitens dieser Investoren zu intensivieren. Ziel ist es in der Zukunft, neue, nachhaltige Methoden beim Anbau in die Realität umsetzen zu können – denn Nachhaltigkeit liegt international hoch im Trend, wenn es um Anbaumaßnahmen geht. Diese Modelle sollen in diesem Zuge auch auf andere afrikanische Länder übertragen und dort Anwendung finden.

Einer der Organisatoren des Events, Ian Lachmund, Projektleiter der „Kaffee Partnerschaft für Tansania“, die von der deutschen DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH gemanagt wird, zeigt sich positiv gestimmt. Die Investoren zeigen starkes Interesse an den entwickelten Modellen. Das ließe darauf schließen, dass diese Modelle schon bald regional von Kaffeebauern- und Händlern in Afrika angewendet werden können – in der Startphase zumindest punktuell – denn das Potenzial, um Investoren anzuziehen, sei definitiv vorhanden.

Die Problematik für Kaffeebauern in Afrika

Die Kaffeepflanzen wachsen in Subsahara Afrika. Besonders bekannt für diese Region sind Äthiopien, Kenia, Sudan, Elfenbeinküste, Angola und Kap Verde. Auch in Afrika wachsen hauptsächlich die bekannten Sorgen Arabica (diese Sorte primär in Ostafrika) sowie Robusta (bei welcher der Anbau in fast ausschließlich in Westafrika stattfindet). In Zentralafrika finden sich hingegen beide Sorgen im Anbau sowie einige andere Sorten in Kleinstmengen, die aber derzeit noch nicht wirklich erwähnenswert sind.

In den letzten Jahren sind die Preise für den Rohkaffee kontinuierlich gesunken, was hauptsächlich an einer Überproduktion des Genussmittels liegt. Das Angebot übertrifft die Nachfrage, und da Rohkaffee an der Börse gehandelt wird, unterliegen die Preise damit hohen (auch spekulativ erzeugten) Schwankungen, die sich selbstverständlich direkt auf die Kleinbauern auswirken. Es kommt sogar in vielen Fällen soweit, dass die Kleinbauern nicht einmal mehr die Produktionskosten decken können und sich aus diesem Grund zwangsläufig immer mehr verschulden. Denn sie hängen nicht nur an dem seidenen Faden der Rohstoffpreise, sondern sind zudem auch noch von Händlern abhängig, die ihre Produkte vermarkten. Und dass die Händler „ihren Schnitt“ mit dem An- und Verkauf der Kaffeebohnen machen wollen, ist selbsterklärend. So bleibt der Kleinbauer – leider wie so häufig – das schwächste Glied der Kette und steht, obwohl er den größten Teil der Arbeit leistet, am Ende der finanziellen Nahrungskette. Das soll sich ändern – wenn auch sicher nicht gänzlich zum Vorteil der Produzenten von Kaffeebohnen ändern. Anzunehmen, es würde einen Wechsel um 180 Grad geben, wäre mehr als illusorisch und naiv.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass neue Modelle und Konzepte angedacht und ansatzweise verwirklicht werden. Sie sollen dafür sorgen, dass auch die Kleinbauern für ihre Arbeit angemessene Bezahlung erwarten können – Fair Trade ist hierbei das Stichwort. Fair Trade Organisationen legen bestimmte Standards und Richtlinien fest, die die Kaffeeproduzenten- und Arbeiter schützen sollen. Bei Fair Trade Kaffee erhalten die Bauern und Arbeiter einen festgelegten Mindestpreis, der sich auch bei Kursschwankungen nicht ändert. So ist langfristig das Einkommen gesichert und es wird verhindert, dass sich die Bauern verschulden.

Weiterführende Links
International Coffee Organization