Der Fagerström-Test für Zigaretten- und Tabakabhängigkeit

Fagerström - Test für Zigaretten- und Tabakabhängigkeit

Der Fagerström-Test für Zigaretten- und Tabakabhängigkeit

Entwickelt vom schwedischen Psychologen Dr. K.O. Fagerström, können die Fragen dieses Selbsttests von jedem Raucher beantwortet und ausgewertet werden, um das Vorhandensein und den Grad der Tabakabhängigkeit zu testen. Darüber hinaus lässt er eine erste Einschätzung hinsichtlich der erreichbaren Abstinenz zu.

Der Test besteht aus sechs Fragen, deren optionale Antworten jeweils mit Punkten bewertet werden:

  1. Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?
  2. Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist, das Rauchen zu unterlassen?
  3. Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?
  4. Wie viele Zigaretten rauchen Sie im allgemeinen pro Tag?
  5. Rauchen Sie am Morgen im allgemeinen mehr als am Rest des Tages?
  6. Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?

Basierend auf der Höhe der Gesamtpunktzahl lässt sich dann der Grad der Abhängigkeit einschätzen; unterschieden wird zwischen geringer, mittlerer, starker und sehr starker körperlicher Abhängigkeit.

Der Fagerström-Test wird weltweit von Institutionen genutzt, hauptsächlich solchen, die sich der Krebsvorsorge und Suchtbekämpfung widmen. Dies liegt auch an den Erfahrungswerten. Der Test scheint in vielen Fällen eine zutreffende Beschreibung des Status-Quo zu liefern und ein verlässlicher Indikator der folgenden Entwöhnungsarbeit zu sein. Am zuverlässigsten wird er in Korrelation mit anderen, gleichzeitig gemessenen biometrischen Werten angewandt, wie etwa dem CO-Gehalt der Ausatemluft oder dem Cotinin-Spiegel im Urin oder Blut.

Eine erste Version des Tests entwickelte Fagerström bereits 1978, damals unter der Bezeichnung ‚The Tolerance Questionnaire‘. Seitdem hat er diverse Neuauflagen und Optimierungen erlebt, vor allem, weil Fagerström selbst seine Perspektive auf den Stoff Nikotin sowie das Rauchen von Tabakzigaretten im Laufe der Jahre erweitert hat. In den späten 1970ern wurde Tabakkonsum grundsätzlich noch nicht als Sucht wahrgenommen. Allerdings begannen nach durchgeführten Untersuchungen erste Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit einer Nikotinabhängigkeit aufzutauchen. Fagerström entwickelte seinen Test also zu einer Zeit, als die Gefährlichkeit von Tabakzigaretten noch völlig unterschätzt wurde – deshalb auch der Begriff der „Nikotintoleranz“.

Für Fagerström markiert das Erscheinen des Buches „Nikotinsucht“ ( „Nicotine Addiction“), herausgegeben vom damaligen amerikanischen Gesundheitsministerium (U.S. Department of Health and Human Services [U.S. DHHS], den entscheidenden Wendepunkt in der korrekten Einschätzung des Suchtmittel Nikotin. In Folge dieser Publikation, die 1988 erschien, nannten Fagerström und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter den Test Anfang der 1990er Jahre um in ‚Fagerström Test for Nicotine Dependence‘ (FTND).

Danach aber, analysiert Fagerström die kommenden Jahre, richteten Forscher ihr Augenmerk fast nur noch auf den Stoff ‚Nikotin‘ und unterschätzten damit grob die Möglichkeit, dass auch andere Tabakinhaltsstoffe oder sogar der Prozess des Verbrennens als solcher, schädlich und suchterzeugend sein könnten. Er selbst kam immer mehr zu der Überzeugung, dass Nikotin zwar eine suchterzeugende Komponente der Tabakzigarette ist (ob er damit recht hat, sei an dieser Stelle dahingestellt), nicht aber die alleinige. In seiner neuesten Veröffentlichung beschreibt Dr. Fagerström das nicht Nikotin die Abhängigkeit verursacht sondern die im Tabak enthaltenen Stoffe.

2010 entschied sich Fagerström deshalb, den Test in Fagerström Test for Cigarette Dependence (FTCD) umzubenennen; auf deutsch als Fagerström-Test für Zigaretten- oder Tabakabhängigkeit. Durchgedrungen ist die dieser Neubenamung zugrundeliegende Perspektiv-Verschiebung allerdings im deutschsprachigen Raum noch nicht. Nach wie vor wird der alte Name verwendet.

Um die Wertigkeit des Tests selbst in Perspektive zu rücken, muss man sich auch Fagerströms Biographie anschauen. Er hat 1981 seinen Doktor in klinischer Psychologie gemacht und 1999 eine Auszeichnung der Weltgesundheitsorganisation für seine herausragenden Arbeiten zu Nikotin und Tabak erhalten, die mehr als 145 Publikationen umfassen. Im Jahr 2000 gründete Dr. Fagerström Niconovum, eine sehr erfolgreiche Firma für Nikotinersatzprodukte, die später verkauft wurde. Zuvor war er von 1983 bis 1997 beim Unternehmen Pharmacia & Upjohn für die Entwicklung und Erforschung diverser Nikotinersatzprodukte wie die Nicorette, andere Nikotinpflaster, Sprays und Inhalationsgeräte verantwortlich. Seit 2000 führt Fagerström seine eigene Beratungsfirma.

Eines lässt sich also sagen: Fagerström weiß, wovon er spricht. Er hat außerdem, wie jeder denkende Mensch und verantwortlich arbeitende Wissenschaftler, den Sprung weg von der Fokussierung auf das Nikotin als Problemauslöser hin zum verbrannten Tabak als Hauptrisikoquelle getan. Faszinierend dabei ist, dass zwei Jahre noch nicht ausgereicht haben, damit seine eigene, diesbezügliche Umbenennung des Tests auch im Rest der Welt angekommen wäre.

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1 comment

  1. Zitat:
    “ Im Jahr 2000 gründete Dr. Fagerström Niconovum, eine sehr erfolgreiche Firma für Nikotinersatzprodukte, die später verkauft wurde“

    Schreibts ruhig noch hin:
    Fagerström machte damit Geschäfte mit der Tabakindustrie…seine „Aufhörprodukt-Firma“ verkaufte er an den Tabakkonzern Reynolds:
    http://abcnews.go.com/Business/cigarette-maker-buys-quit-smoking-company/story?id=9229806

    Die wiederum werden bald ihre 100% sicheren EU-geprüften standardisierten „Aufhörprodukte“ (nämlich nutzlose, geschmacklose Dampfstifte) praktisch als einzige noch auf dem EU-Markt verkaufen dürfen.
    Die haben das Geld für die (kaum von normalen kleineren Herstellern finanzierbaren) geforderten „EU-Sicherheitsstandards für aufhörwillige Raucher“, welche ein Raucher, der die E-Zigarette vollumfänglich als „Zigarette zum tabaklosen rauchlosen RAUCHEN“ nutzt, gar nicht bräuchte.
    Ein Raucher (auch ohne Verbrennungsrauch) weiss und akzeptiert nämlich, dass seine HANDLUNG nicht unbedenklich ist und verlangt das auch nicht:
    Hauptsache es wirkt (genug Nikotin ist wichtig), schmeckt und hat anständig „Power“ (Genussmittel eben).

    Was allerdings gebraucht wird, ist ein Heer von psychisch Suchtkranken, welche die E-Zigarette „zum Aufhören“ nutzen und durch den Fagerström-Test als Solche diagnostiziert werden können, somit „psychisch krank“ sind und vor sich selbst geschützt werden müssen (das garantiert ja nun bald die Tabakindustrie).

    Nun änderte der Herr Prof.. Fagerström seinen „Test der Nikotinabhängigkeit“ in „Test der Zigarettenabhängigkeit“.
    Die Folge:
    Durch UMFRAGEN bei den E-Rauchern basierend auf diesem Fagerström-Test ist die Mehrheit der E-Raucher nun als ZIGARETTENabhängig diagnostiziert worden und somit wurde eine schärfste EU-Regulierung überhaupt erst möglich zum Schutz dieser „psychisch suchtkranken Bürger“.
    Hier ein Beispiel, was bei solchen Umfragen herauskam:
    „85,1 % der Konsumenten von E-Zigaretten gaben an, sie zur Entwöhnung vom Tabakrauchen einzusetzen.“
    http://www.pronik.org/forum/index.php/Thread/1030-Neues-aus-dem-Aerzte-Blatt/?postID=12392#post12392
    Auch das DKFZ gab solche Umfragen in Auftrag….mit dem gleichen Ergebnis:
    „Die E-Zigarette wird von der Mehrheit als Entwöhnungsmittel genutzt“…und das hat schwerste rechtliche Folgen in Sachen „ein 100% sicheres Verbraucherprodukt muss es sein“.

    Dem Herrn Prof. Fagerström gebe ich als Expertin in Sachen „Rauchen“ einige Tipps:
    „Rauchen“ funktioniert hervorragend ohne Rauch (wusste man bereits 1907) und ich habe nie meinen freien Willen geäußert, aufhören zu wollen und ich habe ja nicht „aufgehört“ damit.
    Somit leide ich nicht unter meiner Handlung „Rauchen ohne Rauch“ und bin somit nicht psychisch krank.
    Die 85,1% sind es aber. (siehe Beispiel).
    Und:
    Eine „Tabakabhängigkeit“ (übrigens der einzig richtige Begriff in Sachen „Raucherentwöhnung“ lt. ICD-10) hat ein ganz wichtiges Therapieziel, wenn man sie mit einem „Nikotinersatzprodukt“ behandeln will:
    -das Rauchverhalten MUSS abtrainiert werden (die sichtbare „Wolke“ muss weg!)
    -das Nikotin MUSS bis auf Null reduziert werden!

    Beides haben aber fast alle E-Raucher noch dauerhaft und sind somit aus Sicht der „Nikotinersatztherapie“ noch als „RAUCHER“ anzusehen (was ja nichts mit dem fehlenden Verbrennungsrauch bzw. fehlendem Tabak zu tun hat, sondern ausschließlich die sichtbare Handlung angeht:
    Verhaltenspsychologie…..wird dem Prof. Fagerström geläufig sein der Begriff).

    Fakt: Unter „Rauchen aufhören“ verstand die erlauchte Pharmaindustrie und Wissenschaft seit Markteinführung von Nicorettezeugs (ca. 1980) etwas ganz anderes, als ein „durchschnittlich aufgeklärter mündiger Bürger“.

    Um 1900 hatte man übrigens bereits eine Bezeichnung für das Rauchen: Nikotinismus…das wurde gleichgestellt mit Alkoholismus („Trinksucht“.
    Die „Rauchsucht“ dem angeblichen „Suchtmittel Nikotin“ zuzuschreiben, ist also nichts, was Fagerström oder ein Surgeon General „neu“ erkannt haben wollen.
    Die „Nikotinabhängigkeit“ sowie die Gleichstellung von Nikotin mit harten Drogen wurde gebraucht, um in den 80ern ff. eine Reihe von rauchlosen „Nikotinnebel-Zigaretten“ verbieten zu können.
    Jetzt muss sie u.a. wieder weg, damit vielleicht auch Pharmaunternehmen „E-Zigaretten“ anbieten können zum „Aufhören“.
    Würde blöd aussehen, wenn die Pharmaindustrie eine Droge „so süchtig machend wie Heroin“ verkaufen würde.
    Dementsprechend wird die Pharmaindustrie ihre „E-Zigaretten“ dann auch anders benennen-)
    Anders die Tabakindustrie:
    Die müssen sie ja „E-Zigaretten“ nennen….so bleiben die Nutzer dann „zigarettenabhängig“ und alles ist konform mit dem „Fagerströmtest zur Zigarettenabhängigkeit“…

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